WIRTSCHAFT: Wachteleierproblematik in niederländischen Supermärkten 


Utrecht, Hanna-Lena Bröker/VK 29. März 2018

In niederländischen Supermärkten wurden jahrelang Wachteleier verkauft, obwohl dies gesetzlich verboten ist. Wachteln gehören offiziell nicht zu den Produktionstieren, weshalb die kommerzielle Haltung nicht erlaubt ist. Allerdings ist dieses Verbot den meisten Betrieben und Lieferanten nicht bekannt.

Vor einigen Wochen haben Nachforschungen der Fernsehsendung „Keuringsdienst van Waarde“, die sich mit der Nahrungsproduktion beschäftigt und Missstände aufdecken will, und der Tierschutzorganisation „Wakker Dier“ ergeben, dass die niederländische Firma Eicom Wachteleier aus französischen Legebatterien an die Supermarktkette Jumbo als „Veluwse scharreleitjes“ verkauft hat. Der Begriff „scharrelei“ bezeichnet Eier, die aus der Boden- oder Freilandhaltung stammen. Lange Zeit waren bei Jumbo auch Eier eines Wachtelhalters der Region Putten erhältlich, was von den Behörden geduldet wurde. Die Supermarktkette Marqt, die sich auf nachhaltige und biologische Nahrung spezialisiert hat, hat zurzeit immer noch Wachteleier aus der Region Utrecht im Sortiment.

Zuerst richtete sich die Aufregung gegen den Verkauf von Eiern aus Käfighaltung, die das Etikett „Eier aus Bodenhaltung“ trugen. Jetzt stellte sich aber heraus, dass Eicom und andere Firmen nach dem niederländischen Gesetz überhaupt keine niederländischen Wachteleier hätten liefern dürfen. Das niederländische Agrarministerium bestätigte, dass es in den vergangenen Jahren keine Befreiung vom Gesetz zur betriebsmäßigen Produktion von Wachteleiern gab. Im Jahr 2013 hatte ein Landwirt zwar eine Befreiung beantragt, allerdings wurde diese aus Tierschutzgründen abgelehnt.

Auf die Frage, warum die NVWA (Nederlandse Voedsel- en Warenautoriteit) nicht schon früher nach illegalen Wachtelbauern gefahndet hat, antwortete ein Wortführer, dass man nicht alles in Supermärkten kontrollieren könne und dass eine Gefährdung der Volksgesundheit vorliegen müsse, um eine Kontrolle rechtfertigen zu können, was hier nicht der Fall gewesen sei.

Jetzt zeigte sich, dass der Befreiungsantrag aus dem Jahr 2013 vom Jumbo-Produzenten Meijer eingereicht wurde. Das Ministerium gab ihm bis Ende 2016 Zeit, die Wachtelhaltung zu beenden. Bis dahin duldeten die Behörden die Haltung. Nachforschungen der NVWA ergaben, dass Meijers Kunde Eicom anschließend seit Februar 2017 Wachteleier bei einem französischen Betrieb einkaufte und diese in den Niederlanden verkaufte.

Die Wachteleiproduzentin Marleen Kruiger, die Wachteleier an die Kette Marqt liefert, distanziert sich von Eicoms Verhalten. Sie befürchtet, dass sie aufgrund des gesetzlichen Verbots, das es in den Niederlanden gibt und von dem sie zuvor nichts wusste, die Wachteleiproduktion einstellen muss. Mit dem Gewinn ihrer Firma unterstützt Kruiger ein soziales Projekt in Afrika. Sie kritisiert an dem gesetzlichen Verbot zur Wachteleiproduktion, dass es letztendlich nur dazu führt, dass auf Wachteleier aus Frankreich zurückgegriffen wird, welche oftmals aus Legebatterien stammen. Auch die Organisation „Wakker Dier“ ist der Meinung, dass es bedauerlich ist, wenn private Produzenten wie Kruiger unter dem Verbot leiden.