WIRTSCHAFT: Shell und PGGM bieten auf das Energieunternehmen Eneco

Rotterdam, LM/NRC/VK, 15. Januar 2019

Eigentlich war es sowieso schon ein offenes Geheimnis, doch jetzt wurde das Gerücht offiziell bestätigt: Das Mineralöl- und Gasunternehmen Royal Dutch Shell und die Rentenversicherungsanstalt PGGM wollen zusammen das Energieunternehmen Eneco kaufen, das vor allem für die nachhaltige und grüne  Firmenstrategie bekannt ist. Shell und PGGM stellten diesen Aspekt ebenfalls heraus: Eneco spiele eine einzigartige Rolle in der Energiewende. Die beiden potenziellen Käufer wollen erreichen, dass Eneco in den Niederlanden und anderen Ländern in Nordwest-Europa wächst. Zurzeit ist Eneco vor allem in den Niederlanden, in Belgien und Deutschland aktiv.

Im vergangenen Jahr entschieden sich die Anteilseigner von Eneco nach einer ausschweifenden Debatte dazu, das Energieunternehmen zu verkaufen. Zu den Anteilseignern gehören 53 Kommunen, von denen Rotterdam der größte Anteilseigner mit 32 Prozent ist. Enecos Wert wird auf rund 3 Milliarden Euro geschätzt. Noch immer ist der Verkauf umstritten – einige Anteilseigner sprachen sich strikt gegen einen Verkauf aus und vor allem Umweltaktivisten und einige Parteien waren dagegen, das Unternehmen zu verkaufen. Die größte Angst der Verkaufsgegner ist es, dass Eneco das nachhaltige Image einbüßt. Im Dezember gab das Unternehmen schließlich bekannt, zum Verkauf zu stehen.

Jetzt bemühen sich Shell und PGGM gemeinsam um die Übernahme der Firma. Um den Zusammenschluss zur Übernahme hat sich vor allem PGGM bemüht, die Rentenversicherungsanstalt setzte sich im vergangenen Jahr mit Shell in Verbindung. Dem Sprecher Maurice Wilbrink zufolge passen die beiden Unternehmen bestens zusammen, denn beide wollten definitiv in Nachhaltigkeit investieren. Shell investiert 1 bis 2 Milliarden Dollar pro Jahr in nachhaltige Projekte wie Wind- und Solarparks. Im Dezember gab Shell bekannt, dass das Unternehmen diesen Betrag in Zukunft verdoppeln wolle. Auch die Bonuszahlungen der Manager sollen zukünftig unter anderem davon abhängen, ob der CO2-Ausstoß verringert wurde. Zu diesem Schritt wurde Shell von den Aktionären von Follow This gedrängt.  

Sowohl Shell als auch PGGM versicherten in ihrer Bekanntgabe, dass das grüne Image von Eneco beibehalten werden solle, denn genau dafür sei Eneco schließlich bekannt – man wolle doch nicht eine Firma kaufen, um sie dann herunterzuwirtschaften. Dazu, wie die beiden Interessenten Eneco zusammen leiten wollen würden, haben sie sich noch nicht geäußert. Allerdings solle Eneco weiterhin vom Hauptsitz aus Rotterdam agieren.

Shell und Eneco arbeiten bereits zusammen – beide haben einen Anteil am Windpark Borssele III & IV, der vor der Küste der Provinz Zeeland gebaut wurde. In den Niederlanden besitzt Shell jedoch noch keinen Betrieb, der Gas und Strom an Kunden liefert. In Großbritannien und den USA ist das bereits der Fall. Maarten Wetselaar, der Geschäftsführer der Abteilung Neue Energie, zeigte sich gegenüber The Guardian bereits ambitioniert: „Es gibt noch keine weltweite Energiemarke. Wir verkaufen weltweit Energie und haben eine weltweite Marke.“ Auch PGGM ist in der Energiebranche bereits ein bekannter Name. In den Niederlanden besitzt PGGM 80 Prozent der Anteile von Ennatuurlijk, einer Fernwärme-Firma. Darüber hinaus hat PGGM Interesse an Wind- und Solarparks in Europa und den USA.

Von einer Zusammenarbeit von Shell und PGGM könnten beide Unternehmen profitieren. Die Zusammenarbeit mit der Rentenversicherungsanstalt könnte Shells Image aufbessern. PGGM gibt mit einer Investierung in Eneco eine Antwort auf die vielgeäußerte Kritik, dass Rentenversicherungsanstalten nicht genug in das eigene Land investieren würden. Wilbrink zufolge gebe es nicht oft die Möglichkeit, in die niederländische Infrastruktur zu investieren. Der Kauf von Eneco bietet folglich eine seltene Gelegenheit.

Der Verkauf des Energieunternehmens Eneco soll im Frühjahr beginnen und sich vermutlich bis zum Ende des Jahres hinziehen. Er soll im Rahmen eines kontrollierten Bietverfahrens stattfinden – hierbei werden nicht nur der gebotene Preis, sondern auch die Arbeitsplatzsituation und die Nachhaltigkeit berücksichtigt. Shell und PGGM werden voraussichtlich nicht die einzigen Interessenten sein, auch die Namen von Total, Engie, Verbund, Mitsubishi, CVC und HAL wurden bereits ins Spiel gebracht. Auffällig ist jedoch, dass Shell und PGGM bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt ihre Namen in den Ring werfen und in den höchsten Tönen von Eneco sprechen. Das Interesse der beiden Unternehmen ist offensichtlich sehr groß.