UMWELT: Der Containerunfall - Sturm und Treibgut

Wattenküste, Sytske Ottink/NRC/VK, 11. Januar 2019

Sturm mit Windstärke 9 - die Bewohner der westfriesischen Inseln kennen sich damit aus, aber dieses Mal hätte ein neues Problem hinzukommen können: Die Strände, die letzte Woche mithilfe eines Militäreinsatzes aufgeräumt wurden, hätten wieder unter Treibgut begraben werden können, da sich um die 200 Container im Wattenmeer befanden. Der Sturm hätte sie aufbrechen und ihren Inhalt im Meer verteilen können.

In der Nacht vom 1. auf den 2. Januar geriet das Containerschiff MS Zoe in einen schweren Sturm und verlor 270 Container, die unterschiedliche Waren beinhalteten. Fernseher, KFZ-Bauteile, Matratzen, Spielzeug, Kühlschränke und vieles mehr wurde am 2. Januar an die Strände der westfriesischen Inseln gespült.

Nach den ersten Berichten über angeschwommene Waren sind sowohl Touristen als auch Inselbewohner zum Strand zum sogenannten „Strandjutten“ gepilgert – so wird das Mitnehmen von Strandgut bezeichnet. Im Gegensatz zu Deutschland ist das Mitnehmen von angespülten Waren in den Niederlanden unter Umständen erlaubt. Laut Gesetz müssen die Waren erst zum Bürgermeister gebracht werden, damit dieser beurteilen kann, ob man sie behalten darf. In diesem Fall haben die Inselkommunen veröffentlicht, dass die Güter wegen des Wasserschadens als wertlos gelten und man sie deswegen behalten darf.  Verschlossene Container dürfen nicht geöffnet werden.

Trotz Bildern von Menschen, die gratis Fernseher vom Strand wegtragen, gilt der Umstand der ins Meer gefallenen Container in den Niederlanden als „de Containerramp“ (die Containerkatastrophe). Denn sowohl Müll als auch Container bescherten den Bewohnern der Inseln erhebliche Probleme. Es sind nicht nur Gebrauchsgegenstände vom Schiff gefallen, sondern auch drei Container mit dem giftigen Dibenzoyl Peroxid. Die Bevölkerung wurde gewarnt, diese Säcke nicht zu berühren, da der Stoff stark beißend ist und verbrennungsähnliche Schäden verursachen kann. Man sollte stattdessen die Notfallnummer 112 anrufen, wenn man auf verdächtiges Material stößt. Dieses würde dann sicher entsorgt. Die Anzahl der Anrufe war so groß, dass die Einsatzzentrale Niederlande Nord am 4. Januar einige Stunden überlastet war.

Die restlichen Containergüter sind zwar nicht giftig, aber die riesigen Mengen Plastik und anderer Müll stellen trotzdem eine Naturkatastrophe in einem UNESCO Naturwelterbe-Gebiet dar. Die Behörden baten das Militär zur Hilfe. Zwei Tage lang haben 100 Soldaten die Reinigungsarbeit der Strände unterstützt. Zudem kommt noch der Freiwilligeneinsatz der teilweise über Soziale Medien unter #helpwad von der Stiftung Natuurmonumenten koordiniert wurde. Die Anregung zum „Milieujutten“, dem Aufräumen vom Müll am Strand, fand großen Anklang.  Durch die Zusammenarbeit von Staat und Bürgern wurden auf Ameland 130.000 Kilo Müll entfernt und auf Schiermonnikoog sogar 220.000 Kilo.

Die niederländische Justiz ermittelt gegen die Rederei, um festzustellen, ob der Verlust der Container und die deswegen entstandenen Schäden und die Strand- und Wasserverunreinigung Folgen menschlichen Versagens sind, während die Kommunen die Rederei MSC bereits für die Schäden haftbar gemacht hatten.  Der Sturm vom 9. Januar hat nicht zu einer neuen massenhaften Anschwemmung geführt, aber bis die 200 Container endgültig entfernt sind, werden die Inselbewohner bei Sturm mit den Risiken von große Mengen Treibgut rechnen müssen.