Nachrichten Mai 2017


UMWELT: Ab sofort werden alle Aktivitäten in niederländischen Schlachthäusern gefilmt

Den Haag. EF/VK/NRC/Trouw. 23. Mai 2017.


Nachdem im März Bilder zum Vorschein kamen, auf denen Tiere in einer belgischen Schlachterei misshandelt wurden, beschloss der Staatssekretär Martijn van Dam (PvdA), der unter anderem für den Agrarsektor zuständig ist, zusammen mit Betreibern niederländischer Schlachthäuser, alle Aktivitäten mit lebenden Tieren zu filmen. Dies teilte er am Montag in einem Brief an die Tweede Kamer mit. Diese Entscheidung fiel aufgrund eines Antrages von Esther Ouwehand (PvdD). Die Tweede Kamer-Abgeordnete, die der Partij voor de Dieren angehört, machte zuvor auf die Misshandlungen in einer belgischen Schlachterei in Tielt aufmerksam und forderte eine Kameraüberwachung für die Tätigkeiten im Zusammenhang mit der Schlachtung von Tieren.

Die Dimensionen der Tiermisshandlung innerhalb eines Schlachthofs in der belgischen Stadt Tielt sind in dem Video zu sehen, das die Tierschutzorganisation Animal Rights im März verbreitete, nachdem sich ein Tierschutzaktivist über einen Monat lang in diesen Schlachthof eingeschleust hatte. Aus den Bildern geht hervor, dass verkrüppelte Schweine sowohl getreten als auch geschlagen und an ihren Ohren oder Pfoten fortgeschleppt wurden. Bei anderen Schweinen kam es vor, dass die Betäubung nicht wirkte und ihnen bei lebendigem Leibe die Kehle aufgeschnitten wurde. Eine der erschütterndsten Momentaufnahmen zeigte, wie Maschinen ein lebendiges Schwein zwischen seinen toten Artgenossen in ein rund 60 Grad heißes Brühbad haben fallen lassen, in dem es langsam verendete. Der Skandal führte letztendlich zu einer vorrübergehenden Schließung des Schlachtbetriebes. Nun aber ist das Unternehmen unter strengen Vorgaben wieder aktiv. Vorkommnisse, wie diese sind laut eines 44-jährigen Mitarbeiters dieses Unternehmens, in dem wöchentlich etwa 35.000 Schweine getötet werden, keine Seltenheit.

Durch eine stetige Kameraüberwachung sollen nun derartige Missstände verhindert werden. Dazu ist eine Überwachung aller Arbeitsschritte mit lebenden Tieren von Nöten. Das heißt konkret, dass alle Handlungen – von der Anlieferung bis hin zur Tötung der Tiere – aufgezeichnet werden. Diese Aufnahmen sollen dann von den Schlachtereien für die Nederlandse Voedsel- en Warenautoriteit (NVWA) zugänglich gemacht werden, eine Behörde, die für die Einhaltung der Gesetze und Richtlinien u. a. in der Lebensmittelbranche sorgt. Die Kameras sollen allerdings nicht die bereits bestehende Kontrolle der NVWA ersetzen, sondern bieten vielmehr eine zusätzliche Transparenz. Mitarbeiter der NVWA haben nun die Möglichkeit, bestimmte Ereignisse für eine Analyse oder eine Besprechung zu rekapitulieren, so Van Dam. Wie lange diese Videos aufbewahrt werden müssen, ist bislang allerdings noch nicht bekannt.

Dieser Beschluss wurde zusammen mit den drei größten Wirtschaftsverbänden gefällt, dessen Mitglieder insgesamt für mehr als 90 Prozent der in den Niederlanden geschlachteten Tiere – sowohl Tiere mit rotem Fleisch als auch Geflügel – verantwortlich sind. Zu diesen drei Wirtschaftsverbänden gehören die VSV (Vereniging van Slachterijen en Vleesverwerkende bedrijven), die COV (Centrale Organisatie voor de Vleessector) und Nepluvi, (Nederlandse Pluimveeverwerkende Industrie). Bereits im März ließ Van Dam in einem Brief an die Tweede Kamer verlauten, dass er den Plan verfolge, niederländische Schlachthöfe mit Kameras auszustatten. Frans Wouters, Vorsitzender des Wirtschaftsverbandes VSV schlug bereits damals eine Kameraüberwachung auf freiwilliger Basis vor. Ein verpflichtendes Gesetz, welches generell eine Kameraüberwachung aller Schlachtbetriebe vorschreibt, ist laut van Dam aufgrund von Datenschutzregelungen nicht möglich. Bei den aktuellen Beschlüssen handelt es sich daher um Absprachen, die mit den entsprechenden Wirtschaftsverbänden selbst getroffen worden sind. Nach den aktuellsten Unterredungen hat man sich entsprechend darauf geeinigt, die stetige Kameraüberwachung für alle Mitglieder dieser drei Verbände verpflichtend einzuführen. Diese sehen keine Probleme in der zusätzlichen Kameraüberwachung. „Es ist nicht so, dass auf einmal strenge Maßnahmen eingeführt werden. Die waren schon da. Es ist lediglich eine zusätzliche Sicherheit, dass alles in Ordnung ist“, so Dé van de Riet, Pressesprecher der COV, einer Organisation, die die Interessen der niederländischen Arbeitgeber rund um den Fleischsektor vertritt.

Bereits zuvor wurden alle Schlachthäuser von der NVWA permanent überwacht. Van de Riet weist darauf hin, dass fast alle großen Schlachtereien schon über Kameras verfügen. Grund dafür ist die Kontrolle der eigenen, internen Betriebsabläufe. Neben den Kameras, die für den internen Gebrauch bestimmt sind, wurden in der Vergangenheit auch in vielen Betrieben rund um den Geflügelsektor Kameras installiert, da viele Abnehmer eine Kameraüberwachung der Schlachtverhältnisse fordern, so Gert-Jan Oplaat, Vorsitzender der niederländischen Geflügelindustrie Nepluvi. „Das einzig Neue ist, dass wir die Bilder nun für Kontrolleure freigeben, sofern diese danach fragen“, sagt Van de Riet. Oplaat stimmt dieser Aussage zu.  

Darüber hinaus betont der Pressesprecher der COV, dass diese Maßnahmen für alle Unternehmen gelten müssten – auch für kleine Metzgereien, die selbst schlachten, aber kein Mitglied eines Wirtschaftsverbandes sind. Der Staatssekretär Van Dam wird sich in naher Zukunft auch mit diesen kleineren Schlachtereien in Verbindung setzen, um mit ihnen vergleichbare Absprachen zu verabreden.

Für die Tierschutzorganisation Animal Rights ist die Maßnahme von Van Dam ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings fordern sie vom dem Staatssekretär noch mehr: „Es ist sehr gut, dass nun Kameras kommen“, sagt Robert Molenaar, Direktor der Tierschutzorganisation. „Es ist allerdings noch niemals jemand vor Gericht gekommen, der für Missstände von Tieren verantwortlich ist. Menschen kommen hier immer davon, auch in den Niederlanden. Daher möchten wir, dass echte Sanktionen folgen“, so Molenaar.