Nachrichten Mai 2017


WIRTSCHAFT: Ist Blokker am Ende?

Amsterdam. EF/NRC/VK/Trouw. 18. Mai 2017.


Statt die Gerüchteküche brodeln zu lassen, gab der Familienbetrieb Blokker Holding am Dienstag bekannt, die Einzelhandelsketten Xenos, Big Bazar, Intertoys, Bart Smit, Toys XL, Maxi Toys, Marskramer und Leen Bakker verkaufen zu wollen. Lediglich die namensgebende Einzelhandelskette Blokker steht außerhalb des Angebots. Damit nimmt das Unternehmen Abschied von der Einrichtungs- und Spielzeugbranche. Die Blokker Holding konzentriert sich nun vollständig auf Haushaltswaren und investiert ihre gesamte Aufmerksamkeit und alle finanziellen Mittel in die Rettung der Blokker-Filialen. Casper Meijer, Geschäftsführer der Blokker Holding, beabsichtigt nun, dem Verlustgeschäft des rückläufigen Familienunternehmens eine Ende zu bereiten. Der Eingriff sei laut Meijer zwar „drastisch aber notwendig“.

Mit dem angekündigten Verkauf aller Einzelhandelsketten außer Blokker naht das Ende des großen Einzelhandelskonzerns, den die Brüder Jaap und Albert Blokker seit den 1970er Jahren aufgebaut haben. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere im Jahr 2010 zählte die Blokker Holding rund 3.000 Filialen. Davon bleiben demnächst nur noch rund 400 übrig. Zu spät hat der Einzelhandelskonzern auf die Entwicklungen auf dem Markt reagiert. Besonders durch die Ausblendung des Online-Handels hatte das Unternehmen einige Einbußen zu verzeichnen. Produkte müssen „zuerst gesehen, angefasst und beschnuppert werden, bevor sie mit in das Haus des Verbrauchers dürfen“, schrieb Jaap Blokker, eher ein Gegner des Online-Handels, noch in dem Jahresbericht 2009. Erst 2014 investierte die Blokker Holding in Webshops. Darüber hinaus wurden Konkurrenten dieser Kette maßlos unterschätzt. Zu den größten Konkurrenten gehört neben Online-Shops wie bol.com die Einzelhandelskette Action. Zwar ist Blokker noch für einige ein Anlaufpunkt, wenn es um qualitative Haushaltsgegenstände, wie Pfannen oder Elektro-Küchengeräte geht, den großen Ansturm aber gibt es bei Action. „Bei Blokker kostet etwas Bestimmtes 10 EUR, hier nur 1 EUR. Und wenn es dann kaputt geht, ist das nicht so schlimm. Noch 1 EUR und man hat was Neues“, so der Action-Kunde Klaas Joore aus Aalsmeer.

Bereits im Februar diesen Jahres berichteten viele Zeitungen über die schlechte finanzielle Situation der Blokker Holding. (Hier finden Sie den entsprechenden Beitrag von NiederlandeNet.) Seitdem befinden sich alle Einzelhandelsketten in einer drastischen Umstrukturierung. Am Dienstag jedoch gab die Blokker Holding öffentlich bekannt, alle Ketten bis auf Blokker verkaufen zu wollen. Eine zeitnahe Bekanntgabe bezüglich irgendwelcher Verkaufsoptionen ist für große Unternehmen wie diesem eher untypisch. Erfahrungsgemäß werden weit im Voraus derartige Gerüchte verbreitet, bis sich ein Unternehmen öffentlich zu einem Verkauf bekennt. Die Blokker Holding verzichtet jetzt allerdings auf die entsprechende Diskretion und geht mit ihrem Angebot direkt an die Öffentlichkeit. Auf diese Weise versucht das Unternehmen, jeden potentiellen Käufer zu erreichen – und dem ist Eile geboten. Schließlich umfasst das Unternehmen etwa 21.000 Mitarbeiter.

Trotz des Engagements und der finanziellen Mittel, welche das Unternehmen in den Erhalt der Blokker-Filialen steckt, werden von den noch 533 bestehenden Filialen, von denen mehr als ein Viertel noch nicht renoviert und umstrukturiert wurde, 100 Filialen geschlossen, die eher defizitär als gewinnbringend sind. Dies dürfte aber keine große Überraschung sein, nachdem bereits im vergangenen Jahr dutzende Filialen geschlossen wurden. Mit der Schließung  der 100 Filialen und dem Abbau von Personal in der Zentrale geht nun ein großer Verlust von Arbeitsplätzen einher. Insgesamt 1.900 Arbeitnehmer werden in nächster Zeit ihren Arbeitsplatz verlieren. Welche 100 Filialen die Schließung betrifft, wurde noch nicht bekannt gegeben.

Die Gewerkschaften zeigen sich gegenüber der niederländischen Nachrichtenagentur ANP aber bereits jetzt schon schockiert. „Mit einem Schlag wird das Leben von fast 2.000 Menschen auf den Kopf gestellt“, so Nico Meijer, Vorsitzender der niederländischen Gewerkschaft FNV, am Dienstag. „Für die Mitarbeiter ist dies wirklich schrecklich. Drei Monate zuvor wurde noch gesagt, dass der Konzern auf einem guten Weg ist. Und dann folgt heute Morgen dieser Hammerschlag. Zwar gibt es einen Sozialplan, aber wir werden den weiteren Weg des Unternehmens selbstverständlich mit Argusaugen beobachten“, so Nico Meijer. Doch nicht nur Blokker-Filialen werden geschlossen. Die Einzelhandelskette für Haushalts- und Spielwarenartikel Marskramer wird ebenfalls zeitnah 100 Filialen schließen. Auch hier ist mit dem Verlust von Arbeitsplätzen zu rechnen.

Im Zuge dieser Bekanntmachung bestätigte Casper Meijer, dass es vorab einige Telefonate mit möglichen Interessenten gegeben habe. Der formelle Verkaufsprozess beginne aber erst jetzt. Obwohl er nicht einschätzen könne, wie lange der Verkauf der Einzelhandelsketten dauern werde, ist er davon überzeugt, einen guten, neuen Eigentümer zu finden. Sein Wunsch sei es, die jeweiligen Tochterunternehmen so zu verkaufen, dass sie „intakt“ bleiben, so Meijer. Damit könnten die 13.500 Arbeitnehmer der zum Verkauf angebotenen Unternehmen im Idealfall ihren Arbeitsplatz behalten – oder zumindest ein Großteil von ihnen. Eine Garantie für den Erhalt der Arbeitsplätze kann die Blokker Holding ihren Angestellten jedoch nicht bieten, musste er zugeben. Allerdings sei dem Unternehmen der Erhalt von Arbeitsplätzen sehr wichtig. „Wir verkaufen nicht per se für den höchsten Preis“, sagte der Geschäftsführer der Blokker Holding. Allerdings müsste Blokker dafür auch die Möglichkeit haben, aus verschiedenen Interessenten zu wählen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob sich das Unternehmen eben diesen Luxus leisten kann.