Nachrichten März 2017


KULTUR: Das Van-Gogh-Museum feiert 14 Jahre nach dem Diebstahl zweier Gemälde ihre Rückkehr

Amsterdam. EF/VK/Trouw/NRC. 23. März 2017.

14 Jahre lang waren sie verschollen, doch nun sind sie wieder zu sehen. Nachdem im Jahr 2002 zwei Bilder aus dem Van-Gogh-Museum in Amsterdam gestohlen wurden, feierte man am Dienstag in dem Amsterdamer Museum ihre Rückkehr. Am Dienstag präsentierte Axel Rüger, Direktor des Van-Gogh-Museums, in Anwesenheit von Jet Bussemaker, der niederländischen Ministerin für Bildung, Kultur und Wissenschaft, und Mitgliedern der italienischen Finanz- und Zollpolizei Guarda di Finanza die beiden zurückerhaltenen Werke.

Nach dem Einbruch in das Van-Gogh-Museum im Jahr 2002 konnten die niederländischen Behörden die beiden Kunsträuber schnell ausfindig machen. Obwohl die beiden Niederländer die Tat abstritten, wurden sie anhand von am Tatort gefundenen DNA-Spuren überführt. Im Jahr 2005 wurden sie schließlich verurteilt. Ihnen wurde letztendlich, nachdem sie Einspruch erhoben hatten, eine Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten bzw. drei Jahren und zwei Monaten auferlegt. Hinzu kam eine Schadensersatzzahlung über 350.000 EUR an das niederländische Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft, dem gesetzlichen Eigentümer dieser Gemälde. Über den Verbleib ihrer Beute haben die beiden Niederländer all die Jahre keine Angaben gemacht.

Im September 2016 wurden die beiden Gemälde des Künstlers Vincent van Gogh schließlich bei einer Großrazzia in einem der vielen Häuser von Raffaele Imperiale, einem Oberhaupt der Maffia in Neapel, von der italienischen Polizei gefunden. Dieser hatte die beiden Kunstwerke laut Aussage von zwei Niederländern gekauft. Imperiale schien mit der italienischen Justiz über die Rückgabe der Kunstwerke verhandelt zu haben. In einer Dokumentation der niederländischen Fernsehsehsendung Brandpunt, in der über diesen Kunstraub berichtet wurde, forderte die italienische Justiz eine 20-jährige Haftstrafe für den Maffia-Boss, die allerdings im Austausch gegen eine Aussage über seine kriminellen Aktivitäten und der Herausgabe der zwei Gemälde auf 12 Jahre reduziert werden würde. Experten zufolge schaffe der Besitz gestohlener Kunstwerke oft eine Verhandlungsgrundlage – sowohl bei Verhandlungen mit der Justiz als auch im Hinblick auf Lösegeldforderungen an Versicherungsgesellschaften, um bei illegalen Geschäften über finanzielle Sicherheiten zu verfügen. 

Trotz all dieser Strapazen können die beiden Gemälde ab sofort wieder im Van-Gogh-Museum in Amsterdam besichtigt werden. Die zurückgewonnenen Werke befinden sich aktuell in der ersten Etage des Museums und wurden an einer beweglichen Wand genau vor dem Fenster aufgehängt, welches die beiden Diebe am 7. Dezember 2002 einschlugen, um sich Zugang zum Museum zu verschaffen. Bis zum 14. Mai sind die beiden zuvor entwendeten Gemälde Zeegezicht bij Scheveningen (1882) und Het uitgaan van de Hervormde Kerk te Nuenen (1884-1885) im Rahmen einer kleinen Ausstellung sowohl über den Raub als auch über die wundersame Rückkehr untergebracht. Im Anschluss daran werden sie in ein Restaurationsatelier überführt, in welchem schließlich darüber entschieden wird, ob und wie sie renoviert werden. Das Gemälde Zeegezicht bij Scheveningen hat während seiner Abwesenheit den größeren Schaden erlitten: An der unteren linken Ecke ist ein etwa 2 cm x 7 cm großer Streifen Farbe abgebrochen. Nach Abschluss der Restaurationsarbeiten werden die beiden Kunstwerke wieder in die Dauerausstellung aufgenommen, die chronologisch angeordnet ist.  

Die Kunstwerke sind für das Van-Gogh-Museum von großem Wert. Zeegezicht bij Scheveningen ist beispielsweise das einzige Gemälde der Ausstellung aus Van Goghs Zeit in Den Haag. Darauf sind Figuren in Trauerkleidung am Strand zu sehen. Diese wurden vom Künstler nach dem Tod seines Vaters, einem evangelischen Pfarrer der Brabanter Gemeinde Nuenen, nachträglich hinzugefügt. Die Kirche, in der Van Goghs Vater tätig war, ist auf dem anderen zurückgekehrten Werk zu sehen. Dieses Gemälde war ein Geschenk Van Goghs an seine Mutter.

Laut Rüger, der vier Jahre nach diesem Diebstahl als Direktor eingesetzt wurde, sei das Museum aktuell bestens gesichert. Er halte es allerdings für zynisch, dass einer der beiden Diebe, Octave ‚Okkie‘ Durham, am vergangenen Wochenende die Chance bekam, mittels der niederländischen Tageszeitung De Telegraaf über den Diebstahl und den Verkauf der Kunstwerke zu berichten. Er begründete den Einbruch damit, dass er und sein Komplize aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten gehandelt hätten und schließlich beide Kunstwerke an einen Italiener verkaufen konnten, der in Amsterdam einen Coffee-Shop leitete. Durham, der sich selbst als der geborene Einbrecher beschreibt, und mittlerweile über eine eigene Fangemeinschaft verfügt, erhalte, so Rüger, zurzeit ein großes, mediales Interesse, was wiederum ein großes Ärgernis für das Van-Gogh-Museum darstelle. Schließlich verschiebe sich der Fokus von den gestohlenen Werken aktuell auf den Kunsträuber, so Henny de Lange, Redakteurin der Tageszeitung Trouw. Dieses sei ihr zufolge auch dem niederländischen Journalisten Vincent Verweij geschuldet, der diese Thematik aufgriff und den bereits erwähnten Dokumentarfilm über den Kunstraub drehte. Der Fokus dieses Films lag vor allem auf Octave ‚Okkie‘ Durham. Er schilderte darin sehr detailliert, wie genau er und sein Komplize in das Museum einbrachen und schließlich entkamen, warum sie sich gerade für diese beiden Werke entschieden haben und wie sie schließlich versuchten, die gestohlenen Werke zu verkaufen.

Die Rückkehr der beiden Kunstwerke wird allerdings nicht nur durch das Medieninteresse an dem Kunstraub selbst geschmälert, sondern auch durch die Tatsache, dass Durham, der für den Diebstahl verantwortlich war, nun eine Belohnung bzw. einen Herabsetzung der SchadensDersatzzahlung fordert. Er sagte in der Dokumentation, dass die beiden Gemälde nur aufgrund seiner Kontakte zu kriminellen Kreisen gefunden werden konnten. Sein Anwalt, Benedicte Ficq, der ebenfalls in der Dokumentation interviewt wurde, berichtete, dass Durham diese Forderung allerdings noch nicht eingereicht habe. Er wolle zunächst auf dem informellen Weg mit dem Van-Gogh-Museum und der niederländischen Staatsanwaltschaft verhandeln. Das Van-Gogh-Museum, das eine Mitarbeit an dieser Dokumentation verweigerte, ließ jedoch durch einen Pressesprecher verkünden, dass der Kunsträuber keinen Beitrag zur Rückbeschaffung der beiden Werke geleistet habe. Außerdem betonte der Pressesprecher gegenüber der Tageszeitung  De Telegraaf, dass die Rückkehr beider Gemälde dem enormen Engagement der italienischen und niederländischen Behörden zu verdanken sei.