Nachrichten März 2017


WIRTSCHAFT: Umbruch in der Medienlandschaft - Übernahmeentscheidung der TMG zu Gunsten des belgischen Mediahuis

Amsterdam. SB/NRC/NOS/VK. 08. März 2017.

Die Übernahme der Telegraaf Media Groep (TMG) hat sich in den letzten Wochen alles andere als leicht gestaltet. Erbittert hatten sich das belgische Mediahuis und die Talpa Holding von Medienmogul John de Mol gegenübergestanden. Jetzt scheint eine Entscheidung zu Gunsten des Mediahuis gefallen zu sein. Innerhalb der TMG herrscht jedoch große Uneinigkeit.

Sollte Mediahuis tatsächlich, wie am Sonntag durch einen Pressebricht verlautbart wurde, die Telegraaf Media Groep übernehmen, würde das flämische Medienunternehmen mit einem Schlag zu einem echten Schwergewicht in der niederländischen Medienlandschaft. Zum Mediahuis, unter Leitung von Gert Ysebaert, gehören nämlich jetzt bereits einige namhafte regionale und überregionale Zeitungen und Radiosender, darunter beispielsweise das NRC Handelsblad und Skyradio. Auch in Flandern selbst ist das Unternehmen, dass 2013 durch die Fusion von Concentra und Corelio entstand, aktiv. Dort gibt es unter anderen die Qualitätszeitungen de Standaard, Het Nieuwsblad und die Gazet heraus. Insgesamt verbucht Mediahuis jährlich einen Umsatz von 530 Millionen Euro. Mit der Übernahme von der TMG könnte das Medienunternehmen seinen Einfluss noch ausweiten.

Um das zu erreichen, hat Mediahuis einen langen Kampf hinter sich, denn auch der niederländische Medienmogul John de Mol hatte Interesse an einer Übernahme der TMG angemeldet. De Mol hatte zwar mit einem Anteil von 21,43 Prozent an der TMG eine schlechtere Ausgangsposition als das Mediahuis, welches 59,24 Prozent der Anteile an der Media Groep hält, allerdings war das Angebot, dass De Mol mit 6,35 Euro pro Anteil unterbreitete, höher als das von Mediahuis, das nur 5,90 Euro pro Anteil bot. De Mol hätte sich eine Übernahme also 300,9 Millionen Euro kosten lassen, wohingegen Mediahuis nur zu einer Übernahmezahlung von 277,7 Millionen Euro bereit gewesen ist. Warum nun aber trotzdem Mediahuis aller Vorrausicht nach den Vorzug bekommt, lässt sich nur mit einem Blick auf die längerfristigen Ziele der Interessanten verstehen. Denn während John de Mol strategisch auf Drimedialität setzten wollte, also die Interaktion zwischen Print-, online- und TV- und Radiojournalismus, fokussiert sich Mediahuis vor allem darauf, den Printbereich zu stärken. Jan Nooitgedagt von der TMG schrieb in dem am Sonntag veröffentlichten Pressebericht: „Wir haben mit beiden Parteien gesprochen, aber letztendlich beschlossen, dass die Talpa-Alternative wirtschaftlich nicht lebensfähig wäre, nachdem Mediahuis und VP Explotatie bekanntgaben, dass ihre Anteile von strategischer Relevanz sind und nicht zum Verkauf stehen, auch nicht im Falle eines höheren Angebotes.“ Dahingegen sagte Harry de Wit, Vorstand der überregionalen Medien von TMG, in einem von der Redaktion der Zeitung De Telegraaf strak kritisierten Interview, dass, so wörtlich, die Talpa eine Partei sei, die für die TMG etwas zur Zukunft beitrage und keine, die nur etwas zur Vergangenheit beitrage. Für ihn, so fasst es Menno van Dongen in der Zeitung de Volkskrant zusammen, ist mir Onlinevideos und Multimedia auf Dauer mehr zu verdienen als mit klassischen Zeitungen.

Diese strategische Schere zieht sich durch das ganze Unternehmen. Die Zerrissenheit zwischen Vorstand und Aufsichtsrad, Journalisten und Managern und den Anteilhaltern untereinander könnte kaum größer sein. Der Streit um die Übernahme hat intern zu chaotischen Verhältnissen geführt, wobei die Einigung diesen Zustand nur noch verschlimmert zu haben scheint. Am Wochenende waren die internen Auseinandersetzungen noch einmal vollends eskaliert. Zwei Vorstandmitglieder der TMG wurden vom Aufsichtsrat mit sofortiger Wirkung suspendiert, weil diese die Übernahme durch Mediahuis blockiert hätten. Ein solch starker Grad der Spaltung innerhalb der Führungsebene sei außergewöhnlich, so Huub Willems, Ex-Vorsitzender der Ondernemingskamer: „Eine solch starke innere Zerrissenheit wie bei TMG habe ich nie zuvor gesehen.“ Und das will was heißen, hatte Willems doch schon Übernahmekonflikte wie die der ABN Amro, Ahold und Stork betreut.

Unterdessen hatte der Aufsichtsrat unter Führung von Jan Nooitgedagt eine Fortsetzung der Gespräche mit Talpa verweigert. Nun droht der Streit in die nächste Runde zu gehen, denn De Mol erwägt, vor Gericht zu ziehen. Als Großanteilhalter kann er in einem Blitzprozess vor der Ondernemingskamer versuchen, den Sieg von Mediahuis rückgängig zu machen. Das müsste Talpa nicht einmal alleine tun, da potentiell jeder, der sich durch die Übernahme des belgischen Medienunternehmens benachteiligt fühlt, wie zum Beispiel die suspendierte Direktion oder auch kleine Anteilhalter, sich De Mol anschließen könnte. Aber selbst dann würde De Mol nicht das bekommen, wonach er trachtet, denn die Ondernemingskamer ist nicht befugt, Anteilhalter dazu zu zwingen, ihre Anteile zu verkaufen. Solange also Mediahuis an seinen Anteilen festhält, wird De Mol niemals in den Besitz von TMG kommen. Allerdings: umgekehrt gilt dasselbe, wenn De Mol seine Anteile behält, kann Mediahuis ebenso wenig dagegen tun, was den Streit hypothetisch betrachtet ewig weiter in die Länge ziehen könnte. 

Das Beste, was de Mol mit einem Gang vor Gericht noch für sich herausholen könnte, wäre, dass der Übernahmebeschluss mit Mediahuis auf Grundlage der Aktionen des Aufsichtsrats für ungültig erklärt würde. Dann zumindest könnten neue, unabhängige Vertreter das alternative Angebot von De Mol noch einmal prüfen.