Nachrichten Juni 2017


GESELLSCHAFT: Fotoverbot in niederländischen Schwimmbädern

Sliedrecht. EF/VK/NRC. 22. Juni 2017.

Nach langer Wartezeit sind sie endlich da: die Sommerferien. Während die Schülerinnen und Schüler in Nordrhein-Westfalen noch ein wenig warten müssen, beginnt in Niedersachen heute – passend zu dem sommerlichen Wetter – die Ferienzeit. Viele Familien sind bereits auf dem Weg in den Urlaub oder auf dem Weg zum Strand. Andere treffen sich bei dieser Hitze im Schwimmbad.  Um dort einen schönen Moment festzuhalten, wird auch schnell mal das Smartphone gezückt. Doch darf man das einfach so? Schließlich lässt es sich kaum vermeiden, auch andere Besucher von überfüllten Schwimmbädern abzulichten. Das Schwimmbad De Lockhorst im niederländischen Sliedrecht spricht sich nun ganz klar dagegen aus. Das Handy muss ab sofort in der Tasche bleiben.

Bei der aktuellen Hitze, die seit Tagen sowohl in den Niederlanden als auch in Deutschland kursiert, sind Mensch und Tier auf der Suche nach Abkühlung. Wer über keinen privaten Pool verfügt, kann sich diese Abkühlung auch in Schwimmbädern holen und dort mit seinen Freunden einen schönen Tag im Wasser verbringen. Wer aber denkt, ohne Weiteres ein Foto von einem Freund zu schießen zu können, der gerade eine Wasserbombe macht, liegt falsch. Wer unerlaubt Fotos im niederländischen Schwimmbad De Lockhorst in Sliedrecht macht, muss leider das Schwimmbad verlassen. Fotos dürfen dort nur gemacht werden, wenn ein Einverständnis der Aufsicht des Schwimmbades vorliegt. Um Unannehmlichkeiten zu vermeiden, wird das Fotoverbot in De Lockhorst direkt am Eingang durch Plakate mit rot durchgestrichenen Kameras deutlich gemacht.

“Jemand, der irgendwo steht und mit seinem Smartphone Fotos macht, wird gerügt”, sagt der Teamleiter des Schwimmbads Johan Kraayeveld. „Wir suchen dann das Gespräch: Wovon willst du ein Foto machen? Und wie kannst du das am besten tun, ohne, dass andere Menschen mit aufs Bild kommen?“ Manchmal macht Kraayeveld den Schnappschuss im Anschluss selbst. Von Familien mit ihren Kindern, von jugendlichen Mädchen oder von Jungen, die von der Rutsche rutschen. „Dann ist deutlich, wer auf dem Foto zu sehen ist.“

Das Schwimmbad De Lockhorst in eines der Schwimmbäder in den Niederlanden, die aufgrund des hohen Smartphone-Aufkommens in diesem Sommer ein Fotoverbot einführen und damit zu verhindern, dass andere Menschen ohne ihr Wissen in Bademode fotografiert werden. Schließlich habe fast jeder, der ein Schwimmbad betritt, ein Handy bei sich. Es scheint bereits so, sagt Kraayeveld, als sei das Smartphone an der Hand der Kinder festgewachsen. Darüber hinaus seien viele Handy aktuell wasserfest bzw. mit einer wasserfesten Hülle versehen. Unterwasserkameras stünden ihm zufolge auch an der Tagesordnung und seien keine Seltenheit mehr. Diese würden im Allgemeinen um den Hals gehangen und mit ins Wasser genommen.  

Bereits im vergangenen Jahr verhängte das Schwimmbad De Lockhorst ein Fotoverbot in Umkleidekabinen. „Wir bekamen Beschwerden darüber, dass Menschen in Umkleidekabinen Schnappschüsse gemacht haben, während andere Leute dabei waren, sich umzuziehen“, erzählt Wilma Koppelaar, eine Mitarbeiterin des Schwimmbads. „Nun wurde das Verbot auch auf die Bäder ausgeweitet.“ Zuvor war man besorgt darüber, dass vor allem kleine Kinder ungefragt fotografiert würden. Heute darf prinzipiell niemand mehr ‚aus Versehen‘ auf einem Foto zu sehen sein. Die Gefahr, dass jemand Unbekanntes unglücklich mit gespreizten Beinen auf einem Liegestuhl liegend auf dem Hintergrund des Fotos zu sehen ist, welches anschließend im Internet verbreitet wird, zu groß. „Wir wollen nicht, dass unsere Besucher, ohne, dass sie es wissen, in den sozialen Medien erscheinen. Im Schwimmbad ist man für derartige Vorkommnisse sehr anfällig und muss geschützt werden. Natürlich ist es schön, beim Babyschwimmen, wenn die Kleinen sich zum ersten Mal im Wasser befinden, Fotos zu machen. Aber darüber sprechen wir uns vorher ab.“

Das Schwimmbad De Lockhorst gehört zu der Kette der Optisport-Schwimmbäder. Davon gibt es in den Niederlanden sehr viele. „Das Management der Optisport-Schwimmbäder hat bereits kurz nach den ersten Beschwerden über die Nutzung von Mobiltelefonen im Schwimmbad dieses Verbot eingeführt“, sagt Kraayeveld. „Anschließend haben alle Optisport-Anlagen, zu denen auch wir gehören, dieses Verbot eingeführt.“

Nach Angaben der Nationaal Platform Zwembaden, ein Forum, in dem alle Interessensorganisationen dieser Branche vertreten sind, gibt es kein Gesetz, welches den Umgang mit Kameras in Schwimmbädern regelt. „Schwimmbäder entscheiden selbst, wie sie mit Smartphones umgehen“, sagt Pressesprecherin Marjolein van Tiggelen. „Auf einem Foto auf Facebook zu erscheinen, finden manche gut, andere aber auch nicht. Wenn aber ein Schwimmbad schlechte Erfahrungen mit Besuchern, die sich bereits selbst unerwünscht online gesehen haben, gemacht hat, sollten sie lieber ein Verbot einführen.“ Wie man dieses aber in die Praxis umsetzt, sei jedem Schwimmbad selbst überlassen, so Van Tiggelen.

Teun van Etten, Mitglied des Arbeitgeberverbandes für Schwimmbäder und Schwimmschulen, sieht, dass viele Schwimmbäder mit eben dieser Problematik zu kämpfen haben. „Es ist ein schwieriges Problem und Schwimmbäder sind da sehr wachsam. Bei einem Schwimmfest oder dem Bestehen einer Schwimmprüfung, möchte man den Eltern gerne die Zustimmung, um Fotos machen zu dürfen, geben. Aber wo liegt dann die Grenze? Darf man dann auch Fotos von einer Tagesfahrt mit der Familie machen?

Dass die Meinungen über dieses Verbot unterschiedlich sind, zeigt die Aussage eines Mitarbeiters des Schwimmbads Wantijbad in benachbarten Dordrecht. 10 Kilometer von dem Schwimmbad in Sliedrecht entfernt, darf nach Herzenslaune fotografiert werden. „Warum sollen wir das verbieten? Ich sehe da keinen Grund für. Hier darf man schöne Fotos in seinem Badeoutfit machen.“

Trotz der unterschiedlichen Meinungen steht eines fest: Wer sich dafür entscheidet, ein Schwimmbad der Optisport-Kette zu besuchen, der sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Nutzung von Smartphones vor allem, wenn es um das Fotografieren geht, eher unerwünscht ist. Im Gegenzug ist man aber auch vor Schnappschüssen anderer geschützt. Es ist daher ratsam, sich im Vorfeld zu informieren, um den Verbleib in einem Schwimmbad so entspannt wie möglich zu gestalten.