Nachrichten Juli 2017


POLITIK: Wilders setzt auf Diversität - Frauen mit Migrationshintergrund als Vertreter der PVV

Purmerend. EF/VK/NRC. 20. Juli 2017.

Um die Regierungsbildung ist es still geworden, viele Politiker haben sich bereits in den Urlaub verabschiedet. Aber nicht Geert Wilders. Er erregte am Dienstag viel Aufmerksamkeit, indem er ein auffälliges Foto auf Twitter und Facebook postete. Unter dem Titel „Drie topkandidaten PVV Purmerend“ stellte Wilders die ersten drei Kandidaten für die kommenden Kommunalwahlen im März 2018 in Purmerend vor. Das Besondere daran? Alle drei Kandidaten sind Frauen – und alle haben einen Migrationshintergrund.

Dass Geert Wilders, der Fraktionsvorsitzende der PVV, für die Kommunalwahl in Purmerend drei weibliche Kandidaten mit Migrationshintergrund aufgestellt hat, ist eine interessante Wahl angesichts der Tatsache, dass der aktuelle Gemeinderat fast zu 80 Prozent aus weißen Männern im mittleren Alter besteht, die darüber hinaus der VVD, PvdA, CDA, D66 und der Stadspartij angehören. Viel weiß man über die PVV-Kandidatinnen allerdings noch nicht. Bekannt ist nur, dass eine der Frauen mit dem Vornamen Zayhire bereits für die Stadspartij von Purmerend aktiv war. Ursprünglich kommt sie aus Curaҫao und immigrierte im Alter von 5 Jahren in die Niederlande. Von den anderen Frauen sind bislang lediglich die Vornamen öffentlich bekannt gegeben worden. Neben Zayhire sind Shirley und Nicole auf dem Foto zu sehen. Mehr Informationen wurden noch nicht an die Öffentlichkeit herangetragen. Aus ihrem Äußeren lässt sich bei einer Frau eine afrikanische, bei einer anderen eine asiatische Herkunft vermuten. Die Herkunft der dritten Person ist nicht genau zu definieren.

Die PVV-Landesfraktion von Noord-Holland, die unter anderem die Kandidaten für die Gemeinderatswahl in Purmerend auswählt, will keine Erklärung über die Hintergründe oder die Qualifikationen dieser Frauen abgeben. Auch nicht, warum die Wahl auf sie gefallen ist. Der Pressesprecher von Geert Wilders steht für eine Stellungnahme zurzeit ebenfalls nicht zur Verfügung. Seit der Veröffentlichung dieses Bildes herrscht im Internet eine lebhafte Diskussion. Zwar reagierten einige der PVV-Anhänger mit rassistischen Kommentaren auf diesen Twitter-Post, die Mehrheit jedoch, ist von der Wahl der drei Kandidatinnen überzeugt. „Ich finde das super“, schreibt jemand. „Viel Erfolg liebe Damen. Wie gut, auch farbige Menschen bei der PVV zu sehen. Es geht schließlich nicht um die Hautfarbe, sondern darum, was man mit den Niederlanden vorhat.“ PVV-Anhänger betonen in diesem Zusammenhang, dass “linke Menschen bestimmt erstaunt sein werden”, dass scheinbar auch Menschen mit einem Migrationshintergrund zu der PVV gehören. “Bereits jetzt mehr farbige Fraktionsmitglieder als bei der gesamten SP und GroenLinks zusammen“, twitterte beispielsweise B. Van Nederland, der laut seines Twitterprofils, den Islam und seine Helfer hasst“. Auch die Website der rechten Rundfunkgesellschaft Powned und die rechten Politik-Website The Post Online heben hervor, dass die Wahl von Wilders diverser und farbenfroher ist als die von anderen Parteien aus dem Gemeinderat von Purmerend.  

Wilders, der dafür bekannt ist, die Grenzen schließen zu wollen und den Islam als Gefahr für die Niederlande betrachtet, könnte viele Stimmen für sich gewinnen, indem er eine gewisse Diversität innerhalb seiner Partei kreiert. In kurzer Zeit eine hohe Anzahl an Wählern zu überzeugen, ist für den Fraktionsvorsitzenden der PVV von größter Bedeutung. Schließlich strebt er danach, die PVV während der Gemeinderatswahlen im März 2018 in insgesamt 60 Gemeinden zur Wahl aufzustellen. Aktuell ist die PVV nur in den Städten Den Haag und Almere vertreten. Um entsprechend viele Kandidaten der PVV ins Rennen schicken zu können, wurden in den letzten Monaten einige Bewerbungsgespräche durchgeführt. Angehende PVV-Kandidaten wurden anschließend unterrichtet. Wichtige Inhalte dieses Unterrichts: das Verfassungsrecht und die Überzeugungen und Antriebskräfte der PVV. Es ist allerdings unbekannt, ob Wilders in allen 60 Gemeinden genügend Kandidaten findet, um tatsächlich bei den Wahlen zu kandidieren. Nichtsdestotrotz: In Purmerend ist dies bereits geglückt. Der lokale Nachrichtensender Regio Purmerend geht zurzeit davon aus, dass die Partei in ihrer Stadt bei der nächsten Wahl neun Sitze erhalten könnte.