Nachrichten Juli 2017


MH17: Vor drei Jahren stürzte die MH17 über der Ost-Ukraine ab - gestern wurde ein offizielles Denkmal für die 298 Opfer eingeweiht

Vijfhuizen. SB VK/Trouw/NRC. 18. Juli 2017.

Am 17. Juli 2014 wurde die MH17 auf ihrem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur über ukrainischen Luftraum mutmaßlich von einer russischen Rakete abgeschossen. An Bord waren damals 298 Menschen, darunter 196 Niederländer, die alle beim Absturz der Passagiermaschine ums Leben kamen. Gestern, am dritten Jahrestag der Katastrophe, wurde ein offizielles Denkmal für die Opfer enthüllt. Es waren bewegende Stunden, zumal die Frage nach der Schuld noch immer nicht geklärt werden konnte und bislang niemand für den Abschuss zur Rechenschaft gezogen wurde.

Gestern schauten die ganzen Niederlande ins kleine Vijfhuizen, das in unmittelbarer Nähe des großen, internationalen Flughafens Schiphol liegt. Hier wurde in einer bewegenden Zeremonie das Denkmal für die 298 Todesopfer des Flugs MH17 enthüllt. Rund 2000 Angehörige wohnten der Feier bei, die von König Willem-Alexander und seiner Frau Maxima eröffnet wurde. Entlang des Zugangsbereichs wehten die Fahnen von zehn Nationen, die beim Absturz der Boing 777 vor drei Jahren Staatsbürger verloren hatten, auf Halbmast. Neben dem Königspaar ist auch Premierminister Rutte sowie die Vorsitzenden der Eerste und Tweede Kamer anwesend. Der Absturz der MH17 wird als nationaler Katastrophe gedacht. Der Vorsitzende des Stichting Vliegramp MH17 (so viel wie: Stiftung Flugzeugkatastrophe MH17), Evert van Zijtveld spricht. Er selbst hat bei dem Unglück, das kein Unglück war, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach eine Kriegshandlung im Kontext des russisch-ukrainischen Konflikts seine beiden Kinder im Alter von 18 und 19 Jahren verloren. Neben der Trauer klingt aber auch Optimismus an: „Mit Trauer allein wird das Leben schwer“. Er hoffe, dass alle Anwesenden nach drei Jahren der Trauer ihr Leben wiederaufnehmen konnten.

Trauer und Optimismus. Das ist auch die Intention, die dem Denkmal zugrunde liegt, dass der ehemalige Schweißer und heutige Künstler Ronald Westerhuis für diesen Anlass entworfen hat. Westerhuis erschuf eine 16 Meter lange, gebogene, stählerne Wand, die vollständig mit Rost bedeckt ist. Der Rost versinnbildlicht das Motiv der tiefen Trauer. Vor der Wand ist eine glänzende Fläche aus rostfreiem Stahl zu sehen, diese steht für die Unvergänglichkeit. In der Mitte befindet sich eine ebenfalls stählern glänzende Kugel, in die die Namen aller Opfer eingraviert sind. Aus der Luft betrachtet sehen die einzelnen Elemente aus wie ein Auge, das gen Himmel blickt. Das Denkmal war in enger Zusammenarbeit mit den Angehörigen entstanden. Aus 50 Künstlern hatten diese Westerhuis ausgewählt, um das Monument zu verwirklichen. Fünf Monate war der Stahlkünstler mit dem Projekt beschäftig, hatte immer wieder Rücksprache mit den Hinterbliebenen gehalten. Die Gesamtinstallation umfasst neben dem Denkmal aber auch noch ein anderes Element. Das Auge ist nämlich eingebettet in 298 Bäume, die zusammen ein „Green Ribbon“ – eine grüne Schleife bilden. Der verantwortliche Landschaftsarchitekt Robbert de Koning wollte mit dem Wald einen Ort kreieren, an dem die Menschen „Trauer durchleben, aber auch Trost finden könnten.“ Jeder Baum trägt eine Nummer, die an ein Opfer geknüpft ist. Beiderseits der Schleife befinden sich Felder mit Sonnenblumen, denn die MH17 war vor drei Jahren in einem ost-ukrainischen Sonnenblumenfeld abgestürzt.

Nach der Eröffnung durch das Königspaar und der Rede des Stiftungsvorsitzenden werden, wie auch schon bei anderen Gedenkfeiern, die 298 Namen der Todesopfer  mit dem jeweiligen Alter vorgelesen. Es ist ein sehr emotionaler Moment, da die Vorlesenden meist Familienmitglieder sind. Manche Familiennamen kommen gleich mehrfach hintereinander vor, es zeigt, dass die Flugzeugkatastrophe teilweise ganze Familien ausgelöscht hat. Auf die Verlesung der Namen folgt eine Schweigeminute, in der nur die Start- und Landungsgeräusche des unweit gelegenen Flughafens Schiphol zu hören sind. Schließlich wird noch ein Gedicht verlesen, welches eigens zu diesem Anlass von der „Dichterin des Vaderlands“ (Ein inoffizieller Titel der u.a. auf die Initiatie des NRC Handelsblatt zurückgeht) Ester Naomi Perquin, geschrieben wurde. Wir haben dieses Gedicht unten für Sie übersetzt.

Nach diesem stillen Tag der Trauer, beginnt ab heute wieder der teilweise laut ausgetragene Kampf um Gerechtigkeit. Noch immer hat das mit der Aufklärung des Abschusses beauftragte Joint Investigation Team (JIT) keine der Täter vorladen können und noch immer zeigt sich Russland in der Sache alles andere als kooperativ. Erst gestern hatte das russische Blatt Soversjenno Sekretno (dt.: streng geheim) eine Reihe Artikel veröffentlicht, aus denen hervorgehen soll, dass die Maschine von ukrainischen Kämpfern zum Absturz gebracht worden sei. Das Blatt bezieht sich auf „geheime Dokumente“, die es aus anonymen Quellen bekommen haben will. Viele Pro-Russische Nachrichtenportale haben die Berichte von Soversjenno Sekretno übernommen. Für den Nederlandse Onderzoeksraad voor Veiligheid und das JIT steht jedoch nach aufwendigen Untersuchungen fest, dass die Boing 777 von einer russischen BUK-Rakete abgeschossen wurde.

Am Sonntagmorgen hatten sich 15 Hinterbliebene vor der russischen Botschaft in Den Haag versammelt, um gegen das Verhalten Russlands in dieser Sache zu demonstrieren. Die Demonstranten ließen auch eine Aufforderung bei der Botschaft zurück. Darin rufen sie Russland dazu auf internationalen Absprachen nachzukommen und an der Aufklärung des Falls mitzuarbeiten. Die Protestanten platzierten des Weiteren eine Bank vor dem Gebäude auf der zu lesen ist: „Wartend auf Verantwortlichkeit und Klarheit. Zur Erinnerung an die Opfer des Malaysia Airline Flugs MH17.“



Links zu Bildern von dem Denkmal finden Sie hier.


Een bos

Ein Wald


Wat je kunt: een boom planten in omgewoelde aarde, zien hoe de takken
naar de hemel reiken. Zon. Maan. De hemel die je zelf ooit hebt
vervloekt. Een zomerdag begraven. Door de tijd heen kijken.


Was man kann: Einen Baum pflanzen in aufgewühlter Erde, sehen, wie die Zweige nach den Sternen greifen. Sonne. Mond. Den Himmel, den du selbst einst verflucht hast, Einen Sommertag begraben. Die Zeit an sich vorbei ziehen lassen.


Onder de boom staan als het waait, weten waarvoor te weinig woorden zijn.
Te weinig handen. Denken. Water geven. Zien hoe de stammen
langzaam dikker worden, het leven zich een uitweg bloeit.


Unter dem Baum stehen, wenn der Wind weht, wissen, wofür es zu wenig Worte gibt. Zu wenig Hände. Denken. Wasser geben. Zusehen, wie die Stämme langsam dicker werden, das Leben sich einen Ausweg bahnt.

Hoe ieder voorjaar weer het blad, ieder najaar weer het vallen. Hoe weinig
blijft staan. Hoeveel. Onder die bast de cirkeling van zonderjaren,
ring na ring woedend opgeruimde of intact gelaten kamers,
onthouden gedachten, de lach, de verhalen.


Wie jedes Frühjahr erscheint das Blatt, in jedem Herbst fällt es wieder. Wie wenig hat Bestand. Wie viel. Unter der Rinde die Kreise ohne Jahre, Ring um Ring wütend aufgeräumte, oder unangetastet gelassene Zimmer, eingeprägt die Gedanken, das Lachen, die Geschichten.


Wat je weet: onder de grond groeit een wirwar van lopers en draden,
vormen een netwerk van minieme signalen, tasten over en weer –
men hecht onzichtbaar aan elkaar, vloeit samen.


Was man weiß: Unter dem Boden wächst ein Wirrwarr von Fäden und Drähten, sie bilden ein Netzwerk unscheinbarere Signale, tasten hin und her – man hängt unsichtbar aneinander, fließt zusammen.


Er is niets meer. Er is alles. In de takken hangt de zon, de maan.
Alle bomen dragen namen. En ze groeien. Ze groeien.
Van kruin tot wortels trillend van bestaan.


Da ist nichts mehr. Da ist alles. In den Zweigen hängt die Sonne, der Mond. Alle Bäume tragen Namen. Und sie wachsen. Sie wachsen. Von der Krone bis zu den Wurzeln zitternd vor Leben.

Bitte beachten Sie, dass unsere Redaktion das Gedicht selbst übersetzt hat. Es dient lediglich dem Verständnis und soll einen Eindruck vermitteln. Für den genauen Wortlaut können wir allerdings keine Gewähr übernehmen.