Nachrichten Juli 2017


GESELLSCHAFT: Der Tabakkonzern Japan Tabacco Industries sponserte mindestens zehn studentische Organisationen

Utrecht. EF/NRC/VK/NOS/Trouw. 04. Juli 2017.

Japan Tobacco Industries, einer der größten Zigarettenfabrikanten weltweit, bezahlte mindestens zehn niederländische Studentenvereinigungen für den exklusiven Verkauf ihrer Zigarettenmarken Camel und Winston. Auch der britische Konkurrent British American Tobacco (BAT) soll studentische Organisationen zu diesem Zweck Geld geboten haben. Da für die Gastronomie, worunter auch Studentenverbindungen fallen, das Annehmen von Geld für den exklusiven Verkauf von Tabakwaren verboten ist, reagiert die Nederlandse Voedsel- en Warenautoriteit (NVWA) nun mit einer umfassenden Untersuchung.

Die Gesundheitsbehörde Nederlandse Voedsel- en Warenautoriteit (NVWA) untersucht zurzeit illegale Abkommen zwischen den Tabakkonzern Japan Tobacco Industries (JTI) und mindestens zehn studentischen Organisationen in den Niederlanden. Dies bestätigte ein Pressesprecher der NVWA. Diese Zahlungen könnten eine große Verletzung des Sponsoring- und Reklameverbots, welches für Tabakprodukte gilt, darstellen. Weiter möchte der Pressesprecher des NVWA allerdings nicht auf diesbezügliche Fragen eingehen. „Wir haben gerade erst damit begonnen, Nachforschungen anzustellen. Wir müssen zuerst schauen, was los ist.“

Der Forschungsredaktion Tabak zufolge, einer Gruppe von Journalisten unter der Leitung von Marcel Metze in Zusammenarbeit mit der niederländischen Ärztezeitschrift Nederlands Tijdschrift voor Geneeskunde, die eben diesen Skandal enthüllte, soll JTI für Exklusivverträge bis zu mehrere tausend Euro pro Jahr an Studentenverbindungen und –vereinigungen gezahlt haben. Teil der Vereinbarung war der exklusive Verkauf der JTI eigenen Zigarettenmarken Winston und Camel in jeglichen Zigarettenautomaten, die sich innerhalb der Mauern von Studentenverbänden befanden. Neben diesen Vereinbarungen soll es zusätzlich gesonderte Verträge gegeben haben, die den Zigarettenverkauf auf Festen geregelt haben. Derartige Absprachen sind jedoch rechtswidrig.

Für Tabakkonzerne ist das Werben für Tabakprodukte verboten. Dies gilt ebenso für das Sponsoring, so das Tabakgesetz. Bereits im Jahr 2006 bekam BAT ein Bußgeld in Höhe von 45.000 Euro auferlegt, da das Unternehmen einen Exklusivvertrag mit dem Festival Pinkpop abschloss, um die eigenen Marken Lucky Strike, Dunhill, Pall Mall und Barcleys verkaufen zu können. Das Bußgeld basiert aber nur zum Teil auf dem Verstoß gegen das Werbeverbot: BAT hatte einen Stand aufgebaut, auf dem lediglich ‚Tobacco Shop‘ stand. Der Richter, der das Bußgeld festlegte, sah in der Vorgehensweise auch einen Ansatz von Sponsoring, was für die Tabakindustrie ebenfalls verboten ist.

„Dies war für uns das Signal, die Situation innerhalb der Verbände zu untersuchen“, sagte ein Pressesprecher der NVWA. Im aktuellen Fall des möglichen Sponsorings von studentischen Organisationen kommen aktuell mindestens zehn studentische Organisationen in Frage, die laut der Forschungsgruppe bestätigen, derartige Verträge mit JTI abgeschlossen zu haben. Von diesen Verbänden stammen allein drei aus Amsterdam: Amsterdams Studenten Corps, Lanx und Unitas. Auch in Groningen schlossen Studentenverbindungen Verträge mit JTI ab. Dabei handelt es sich um die Organisationen Vindicat, Albertus Magnus und Dizkartes. Auch das Rotterdamsch Studenten Corps soll Verträge mit JTI abgeschlossen haben. Der Versuch des japanischen Tabakkonzerns, einen Exklusivvertrag mit der studentischen Organisation Minerva in Leiden zu erhalten, scheiterte jedoch am Interesse der Studentenorganisation. Weiterhin gibt es auch Hinweise darauf, dass studentische Verbände in Utrecht über Verträge mit Tabakfabrikanten verfügen. Der Verband Veritas hat angeblich ebenfalls Vereinbarungen mit JTI getroffen haben, während die Studentenvereinigung Utrechts Studenten Corps Verträge mit BAT abgeschlossen haben soll.

Wie hoch die Beträge für die einzelnen für diese Exklusivverträge ausfiel, wollen die einzelnen Verbände nicht sagen. Sie unterliegen durch den Vertrag mit JTI einer Geheimhaltungspflicht. Die niederländische Tageszeitung Trouw berichtet allerdings, dass die Forschungsgruppe Tabak einen Vertrag vorliegen habe und zwar zwischen JTI und der Studentenvereinigung Tragos in Maastricht. Der Trouw zufolge habe JTI für das exklusive Verkaufsrecht der Marken Winston und Camel rund 850 Euro an den Verband aus Maastricht bezahlt haben. Tragos bestätigte dies. Außerdem ließ der Vorstand dieser Organisation verlauten, dass er JTI um einen Kommentar zu dem Vorwurf gebeten habe. JTI antwortete lediglich, dass es sich bei der Vereinbarung um einen legalen Vertrag handele.

Viele Organisationen und auch der Tabakriese JTI schweigen zu diesen Thema. Andere Studentenvereinigungen behaupten nun, sie haben nicht gewusst, dass es sich hierbei um ein illegales Abkommen handele. „Wir hatten keine Ahnung, dass man so was unter Umständen nicht tun darf“, sagte ein Pressesprecher der Vereinigung Amsterdamse Unitas. „Sobald das hier illegal zu sein scheint, werden wir direkt damit aufhören.“ Wie lange diese Untersuchungen allerdings noch andauern werden, ist unbekannt.