Nachrichten FEBRUAR 2017


WIRTSCHAFT: Der Lebensmittelkonzern Kraft Heinz zieht Übernahmeangebot für Unilever zurück

Rotterdam. EF/ZEIT/NRC/Trouw/VK. 23. Februar 2017.

Eine Fusion des US-Lebensmittelkonzerns Kraft Heinz und des britisch-niederländischen Konsumgüterkonzerns Unilever wäre eine der größten Übernahmen der Wirtschaftsgeschichte gewesen. Am Freitag gab Kraft Heinz bekannt, dem Unternehmen Unilever ein Übernahmeangebot in Höhe von 134 Milliarden EUR (143 Milliarden Dollar) gemacht zu haben. Drei Tage später, am vergangenen Sonntagabend, zog der US-amerikanische Konzern sein Angebot nach einem gemeinsamen Gespräch beider Unternehmen allerdings zurück.

Von einer Übernahme des britisch-niederländischen Unternehmens versprach sich der Konzern Kraft Heinz, Hersteller von Produkten wie Heinz-Ketchup, Philadelphia-Frischkäse oder Miracel Whip-Mayonnaise, einen sogenannten Synergie-Effekt. Eine Fusion von Kraft Heinz und Unilever, dem Produzenten vieler bekannter Markenartikel wie Knorr, AXE, Dove, Langnese oder Lipton, hätte eine stärkere Marktposition gegenüber Supermärkten und Online-Shops zur Folge haben können. Darüber hinaus könne man Kosten für das Marketing oder den Vertrieb aufteilen. Weiterhin habe Kraft Heinz Möglichkeiten gesehen, um im Unternehmen Unilever Kosteneinsparungen vorzunehmen, die unter Umständen mit der Reduzierung von Personal einhergehen könnten. Man erwarte so, durch eine Fusion höhere Gewinne zu erzielen. Aktionäre würden in diesem Zusammenhang mit Kursgewinnen und Dividenden belohnt werden. Laut Zeit-Online würde aus einer Übernahme ein Unternehmen hervorgehen, welches mit einem Umsatz von rund 82 Milliarden Dollar dem Weltmarkführer Nestlé, mit einem Umsatz von 89 Milliarden Dollar, dicht auf den Fersen ist.

Die Fusion dieser beiden Unternehmen rückte jedoch am Sonntag in weite Ferne. Nachdem am vergangenen Freitag bekannt wurde, dass Kraft Heinz dem Unternehmen Unilever 134 Milliarden EUR für die Übernahme anbot, folgte am Sonntagabend der Rückzug des amerikanischen Konzerns. Das haben beide Unternehmen in einem Pressebericht mitgeteilt. Nach einer gemeinsamen Rücksprache habe sich das Unternehmen Kraft Heinz bereit erklärt, sein Angebot für eine Fusion zurückzuziehen, hieß es in dem Pressebericht. Beide Unternehmen empfinden Hochachtung voreinander. Weiterhin respektiere Kraft Heinz die Kultur, die Strategie und die Leitung Unilevers. Mehr wollten Unilever und Kraft Heinz am Sonntagabend bezüglich des Zurückziehens des Angebots nicht äußern.

Nach heftigen Spekulationen auf dem Aktienmarkt über eine mögliche Übernahme, stieg der Aktienkurs für Unilever am Freitag um 13 Prozent an. In solch einer Situation verlangen die britischen Übernahmeregelungen eine Veröffentlichung der weiteren Pläne. Diese folgten bereits drei Tage später mit der Aussage, dass Kraft Heinz sein Angebot zurückziehe. Den Grund für das kurze Übernahmegefecht zwischen Kraft Heinz und Unilever sieht ein Pressesprecher von Kraft Heinz darin, dass das Interesse an Unilever in einer extrem frühen Phase bekannt wurde. Er suggeriert damit, dass der Betrieb dieses Angebot gerne noch geheim gehalten hätte. Die Übernahmepläne des amerikanischen Unternehmens wurden allerdings von der britischen Wirtschaftszeitung Financial Times veröffentlicht. Die Intention sei gewesen, auf freundschaftlicher Basis zu fusionieren. Da Unilever aber deutlich zu verstehen gab, kein Interesse an einer Zusammenarbeit zu haben, sei es das Beste, früh einen Schritt zurück zu gehen. Nichtsdestotrotz ließ das Unternehmen Kraft Heinz am vergangenen Freitag noch durchblicken, dass es seine Fusionspläne nicht ohne Weiteres aufgeben wolle.

Doch nicht nur Kraft Heinz, sondern auch Unilever meldeten sich bezüglich des Angebots zu Wort. Der Grund für die strikte Ablehnung des Übernahmeangebots, sei der als viel zu niedrig empfundene Übernahmepreis von 47 EUR pro Anteil, der damit im Übrigen 18 Prozent über dem Börsenkurs läge. Unilever-Chef Paul Polman warnte außerdem vor drastischen Kosteneinsparung der Amerikaner, die den einzelnen Unilever-Marken schaden könnten. Man befürchtete, dass das Unternehmen Kraft Heinz den britisch-niederländischen Konzern zerteilen und die Abteilungen für Hygieneartikel (z. B. Prodent, AXE, Dove, Andrelon) oder Haushaltsartikel (z. B. Omo, Biotex, Andy, Sunil) verkaufen würde, um die Übernahme bezahlen zu können. 

Eine Ablehnung Unilevers schützt das Unternehmen jedoch nicht zwangsläufig vor weiteren Problemen oder sogar vor einer feindlichen Übernahme des US-amerikanischen Lebensmittelkonzerns. Bereits vor der Veröffentlichung des Angebots trat Kraft Heinz mit einem Angebot an Unilever heran, welches von Polman abgewiesen wurde. Trotz einer Weigerung Unilevers könnte Kraft Heinz in einer Veröffentlichung des Angebot eine Chance für eine feindliche Übernahmen gesehen haben. Diese entsteht dann, wenn sich ein Unternehmen mit einem öffentlichen Angebot direkt an den Investor eines anderen Unternehmens wendet und dessen Management, welches das Angebot bereits verweigert hat, übergeht. In diesem Zusammenhang wurden immer wieder zwei Großaktionäre von Heinz Kraft genannt. Einer dieser Großaktionäre ist die brasilianische Investmentgesellschaft 3G, die für ihre Rücksichtslosigkeit bekannt ist. Warren Buffett hingegen erklärte in einem Aktionärsbrief im letzten Jahr, dass er lediglich an freundlichen Übernahmen interessiert sei. Auch die Großaktionäre von Unilever, wie die Versicherungsgesellschaft NN Group, ASR und andere Stakeholder, haben kein Interesse an einer Übernahme durch den Lebensmittelkonzern Kraft Heinz, da sie mit dem aktuellen Stand der Dinge innerhalb Unilevers sehr zufrieden seien.  

Das bedeutet aber nicht, dass die Jagd auf den Konsumgüterkonzern Unilever nun endgültig vorbei ist. Andere Interessenten könnten ebenfalls mit großzügigen Angeboten locken. Eine zukünftige Befürwortung der Aktionäre des britisch-niederländischen Konzerns für eine Aufteilung des Unternehmens, wie es bei Philips der Fall war, sei schließlich nicht vollständig auszuschließen. Das Fusionsangebot von Kraft Heinz war auch nicht das erste, das Unilever erhalten hatte. Einige Jahre zuvor gab es bereits Gerüchte, dass der Private-Equity-Fonds KKR zusammen mit Procter & Gamble und Nestlé dem Konzern Unilever ein Angebot unterbreiten wollte. Möglicherweise wird Unilever daher nun die Defensive gegen unerwünschte Übernahmen zu verstärken.