Nachrichten FEBRUAR 2017


KULTUR: Utrecht nimmt Abschied von Dick Bruna, dem Erfinder des Kaninchens Miffy

Utrecht. EF/VK/NRC/Trouw. 21. Februar 2017.

In der vergangenen Woche ist der Künstler Dick Bruna im Alter von 89 Jahren verstorben. Er schrieb unzählige Geschichten über das Kaninchenmädchen Miffy. Diese Figur machte ihn weltberühmt. Seine Kunst, die sich unter anderem durch seine Einfachheit auszeichnet, ist vor allem in Japan sehr beliebt. Nach dem Erfolg seiner Bücher folgte schließlich ein Unternehmen, welches sich insbesondere mit dem Merchandising von Miffy beschäftigt. Am Freitag teilte die Direktorin seiner Firma Mercis mit, dass Bruna am Abend zuvor verstorben sei. Er sei friedlich eingeschlafen, hieß es.

Im Laufe der Jahre wurde das Kaninchen Miffy (im niederländischen Original auch Nijntje genannt) zum Symbol der Stadt Utrecht. So findet man diese Figur beispielsweise auf diversen Straßenschildern. Selbst bei der Tour de France im Jahr 2014 war das Kaninchen auf den Dächern von Reklamefahrzeugen zu sehen. Die Prominenz von Miffy reicht allerdings viel weiter. Nachdem die erste Geschichte des kleinen Hasenmädchens im Jahr 1955 veröffentlicht wurde, folgten im Laufe der folgenden Jahre nicht nur in den Niederlanden weitere Bücher. Es wurden Übersetzungen in zahlreichen Sprachen angefertigt. In Ländern wie Japan beispielsweise waren nicht nur die Bücher erfolgreich. Es entstand ein richtiger Miffy-Hype, unter anderem mit einem Miffy-Café in Tokio. Mit dem Tod von Dick Bruna verlieren die Niederlande nicht nur einen begnadeten Designer, sondern auch einen seiner bekanntesten Bürger.

Dick Bruna war der Urenkel eines Mannes, der 1868 einen Buchhandel und einen Verlag in Haarlem gründete und über Umwege nach Utrecht gelang. Dank der eigenen Bahnhofskioske, in denen sie die von ihnen verlegten Bestseller verkaufen konnten, wuchs das Unternehmen der Brunas. Sie veröffentlichten Bücher berühmter Schriftsteller, die von echten Literaten nicht ernst genommen wurden. Unter der Leitung von Dicks Vater wurde das Unternehmen vor dem Zweiten Weltkrieg zu einem führenden Unternehmen in den Niederlanden. Dick sollte schließlich den Buchhandel und den Verlag übernehmen, sein Bruder die Geschäfte und Kioske. Um das Handwerk eines Verlegers zu erlernen, wurde Dick nach London und Paris geschickt. Er interessierte sich jedoch eher für das Malen und Zeichnen und wurde schließlich zum Designer und Illustrator von Kinderbüchern. Nach dem hundertjährigem Bestehen der Firma im Jahr 1968 war Bruna noch immer ein Familienbetrieb. 1971 plante man eine Fusion zwischen Bruna und den Verlagen Kluwer und VNU. Nachdem diese allerdings gescheitert war, entstanden für Bruna katastrophale finanzielle Folgen. Das Unternehmen der Brunas wurde an den Elsevier und Bührmann-Tetterode verkauft. Da die niederländische Figur Nijntje zur damaligen Zeit schon ein Begriff war, beschloss Bruna, seine Kinderbücher von diesem Moment an bei dem Verlag De Harmonie herauszugeben. In den darauffolgenden Jahren erhielten die Verlage Boekerij und Unieboek die Veröffentlichungsrechte für das kleine Kaninchen. Der Meulenhoff-Verlag bekam die Rechte für das Ausland. Zusammen mit dem Grafiker Pieter Brattinga gründete er einen eigenständiger Betrieb für das Merchandising und den internationalen Ausbau der Marke. Seit 1982 heißt dieses Unternehmen Mercis, welches sich 1992 die Veröffentlichungsrechte für Nijntje sicherte. Damit war Bruna selbst wieder im Besitz der Rechte. Er kaufte Brattinga schließlich seine Anteile ab und besaß fortan  alle Anteile von Mercis. Trotz seines Reichtums lebte er in einfachen Verhältnissen und stand jeden Morgen um fünf Uhr auf, um eine Zeichnung anzufertigen. Die finanziellen Angelegenheiten des Betriebes überließ Bruna schließlich Marja Kerkhof, Direktorin seines Unternehmens. Er selbst wolle nicht als Geschäftsmann in die Öffentlichkeit treten.

Bruna zog sich bereits einige Jahre vor seinem Tod aus dem öffentlichen Leben zurück und fasste 2014 den Entschluss, mit den Zeichnen aufzuhören. Das letzte Miffy-Buch erschien 2011. Im Jahr 2016 empfing er schließlich den P.C.-Hooft-Preis und den Max Velthuijs-Preis für sein Lebenswerk. Am Donnerstagabend starb der Schriftsteller, Künstler und Zeichner in Utrecht. In einer Pressekonferenz am Freitag äußerte sich auch Premierminister Mark Rutte zu Brunas Tod. Bruna war ihm zufolge ein großer Mann und ein großer Künstler. Die von ihm geschaffene Figur gehöre absolut zum niederländischen Kulturgut. Laut der niederländischen Kulturministerin Jet Bussemaker seien viele Generationen in den Niederlanden aber auch in anderen Ländern mit Brunas Geschichten aufgewachsen. Sie beschrieb seine Kunst als zeitlos.

Mittlerweile ist das Kaninchen Miffy nach Johan Cruijff das bekannteste Exportprodukt der Niederlande und hat mittleeweile die ganze Welt erobert. Insgesamt wurden fast 100 Millionen Bücher in 40 verschiedenen Sprachen verkauft. Darüber hinaus findet man das Kaninchen nicht nur auf T-Shirts, Decken, Kissen oder Gardinen, sondern auch auf fast 10.000 anderen Artikeln wie Zahnbürsten oder Toilettensitzen. Neben zwei Miffy- bzw. Nijntje-Geschäften in den niederländischen Städten Maastricht und Amsterdam, gibt es in Japan sogar einen eigenen Wintersportort. Seit 2006 wurde das Werk von Bruna ein fester Bestandteil des Centraal Museum in Utrecht. Das Museum ist seit 2016 unter dem Namen Nijntje Museum bekannt. Die britische Tageszeitung The Daily Telegraph schätzte den Wert der Marke Miffy auf ungefähr 300 Millionen EUR.