Nachrichten FEBRUAR 2017


WIRTSCHAFT: Die Inflationsrate in den Niederlanden steigt stark an

Den Haag. EF/Trouw/VK/NRC/CBS/ZEIT. 10. Februar 2017.

Während die Inflation in den Niederlanden im gesamten Jahr 2016 niedriger war als in den vergangenen 30 Jahren, zeigt der Januar 2016 ein ganz anderes Bild: ein Rekordanstieg der Inflationsrate. Laut dem Centraal Bureau voor de Statistiek (CBS) – nationales Amt für Statistik – stieg die Inflationsrate von 1,0 Prozent im Dezember 2016 auf 1,7 Prozent im Januar 2017. Damit ist die Inflationsrate die höchste seit Ende 2013. Aber nicht nur die Höhe dieser Rate sondern auch der Anstieg von 0,7 Prozent ist enorm. In den letzten 15 Jahren konnte man lediglich zweimal einen so starken Anstieg innerhalb eines Monats verzeichnen.

Bereits im Dezember 2016 ging Sozialminister Lodewijk Asscher (PvdA) von einer höheren Inflation des Folgejahres aus. Das schilderte er in einer Übersicht an die Tweede Kamer. Er sprach sogar davon, dass die Inflationsrate im Jahr 2017 höher ansteigen werde, als erwartet. 

Im Allgemeinen ist ein derartiger Anstieg wie im vergangenen Monat eher ungewöhnlich. Das CBS machte allerdings deutlich, dass der schnelle Zuwachs aus einer Steigerung der Energiepreise resultiert. Dabei handelt es sich um die Preisentwicklungen für Benzin und Elektrizität. Im Januar vergangen Jahres kostete beispielsweise ein Liter Benzin 1,43 EUR. Ein Jahr später im Januar 2017 stieg der Preis um 0,14 EUR auf 1,57 EUR an. Die Kosten für Elektrizität wurden ebenfalls erhöht und zwar um 33,7 Prozent.

Neben den erhöhten Energiekosten kamen auch höhere Preise im Dienstleistungsgewerbe zum Tragen. In diesem Sektor ist ein Anstieg der Inflationsrate von 1,0 Prozent auf 1,4 Prozent zu verzeichnen. Grund dafür ist die Anzahl der Ferientage im Januar diesen Jahres. Die Weihnachtsferien dauerten in den Niederlanden in diesem Jahr bis zum 8. Januar – im Vorjahr lediglich bis zum 2. Januar. Da das Reisen innerhalb der Ferienzeiten deutlich teurer ist, stiegen die Preise für Flugtickets und Unterkünfte im Vergleich zum Vorjahr um 5,6 Prozent an. Selbst im Vergleich zum Oktober 2016 ist ein Preisanstieg von 2,6 Prozent festzustellen.

Neben den gestiegenen Energiekosten und der Preisentwicklung im Dienstleistungsgewerben haben sich auch die Preise von Kleidung und Nahrungsmitteln, insbesondere von Gemüse und Milch, erhöht. Diese Entwicklung hat ebenfalls einen großen Effekt auf die Inflationsrate.

Da die die Kosten für Energie und Nahrungsmittel stark fluktuieren und die Preise für Alkohol und Tabak im Gegensatz dazu oft durch steuerliche Maßnahmen, die im Übrigen häufig im Januar einsetzen, angehoben werden, differenziert das CBS zwischen einer allgemeinen Inflation und einer Kerninflation. Bei der Berechnung der Kerninflation werden die Produktgruppen Alkohol und Tabak ausgeschlossen. Aber selbst unter Ausschluss dieser beiden Produktgruppen steigt die Inflation von 0,9 Prozent im Dezember 2016 auf 1,4 Prozent im Januar 2017.

Die aktuelle Inflationsrate in den Niederlanden liegt damit sehr nah an der Rate der gesamten Eurozone. Diese betrug im Dezember 2016 noch 1,1 Prozent und stieg im Januar 2017 auf 1,8 Prozent an. Dieser Zuwachs ergibt sich laut CBS vor allem durch die gestiegenen Preise von Energie, Nahrungsmitteln, Alkohol und Tabak.

Die Berechnung der Inflationsraten in den EU-Ländern kann sich allerdings durchaus voneinander unterscheiden. Um sie dennoch miteinander vergleichen zu können, wird ein europäisch harmonisierter Wert durch die Anwendung derselben Berechnungsmethode in allen EU-Ländern ermittelt. Daraus ergibt sich für die Niederlande eine europäisch harmonisierte Inflationsrate von 0,7 Prozent im Dezember 2016 und von 1,6 Prozent im Januar 2017. Damit nähert sich die Inflation der Niederlande der der gesamten Eurozone an.

Ein Angleichen an die unterschiedlichen Preisniveaus ist im Januar 2017 auch zwischen den Niederlanden und Deutschland zu sehen. Während der Unterschied im Dezember letzten Jahres mit 1,7 Prozent (im Vergleich zu den harmonisierten 0,7 Prozent in den Niederlanden) noch deutlich zu sehen war, beträgt die deutsche Inflationsrate zum Jahresbeginn 1,9 Prozent. Grund für den Anstieg sind auch hier neben teureren Mieten die erhöhten Energiepreise.

Obwohl die Preise teurer werden, besteht kein Grund zur Sorge. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt seit jeher eine Inflationsrate von knapp unter 2 Prozent an. Laut Mario Draghi, dem Präsidenten der EZB, sei das Ideal damit noch nicht erreicht.