Nachrichten april 2017


KONINGSDAG: König Willem-Alexander wird heute 50 Jahre alt!  

Den Haag. EF/Trouw/NRC/VK. 27. April 2017.

Am heutigen Koningsdag, dem 27. April 2017, feiert König Willem-Alexander seinen 50. Geburtstag. Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2013 hat sich das Amt der Monarchen verändert. Statt sich, wie einst seine Mutter, von den Menschen zu distanzieren, sucht er ihre Nähe. Außerdem gab Willem-Alexander gestern anlässlich seines bevorstehenden Geburtstages ein Interview. Dabei sprach er über den Tod seines Bruders Friso, seine Jugend und seinen Vater Claus von Amsberg.

Seit einigen Tagen sind viele Niederländer im Koningsdag-Fieber. Es ist daher nicht verwunderlich, dass König Willem-Alexander und seine Frau Königin Máxima bereits eine Woche vor dem Koningsdag in der Grundschule De Vijfmaster in Veghel von 179 orange gekleideten Kindern begrüßt werden. Während eines gemeinsamen Frühstücks setzt sich der König zwischen die Kinder und sagt: „Habt ihr Fragen?“ Danique, eins der Grundschulkinder, fragt ihn, ob der König abends auch ab und zu mit der Jogginghose und einer Tüte Chips auf dem Sofa sitze. In einer Jogginghose schon, antwortet der König, aber nicht mit einer Tüte Chips. „Dann haben wir doch gerade gegessen.“ Daraufhin sieht er die Kinder mit einem breiten Grinsen an.

So ein Verhalten gehöre laut Huub Oosterhuis, ein Freund der Königsfamilie, zu seiner empathischen und burgundischen Art. Der König beginne jede Audienz immer erst mit einem Scherz, sagen andere Freunde. Noch mehr als seine Frau, Königin Máxima, habe er das Bedürfnis, die Distanz zwischen ihm und seinem Gesprächspartner zu verringern. Diesen Eindruck bestätigte auch Ankie Broekers-Knol, Vorsitzende der Eerste Kamer. Als sie direkt nach ihrer Ernennung zur Vorsitzenden dem König gegenüberstand, sagte sie zu ihm, dass sie am Prinsjesdag, an dem das parlamentarische Sitzungsjahr eröffnet wird, zum ersten Mal ‚Lang lebe der König!‘ rufen müsse. Sie habe Angst, aus Gewohnheit versehentlich ‚Lang lebe die Königin!‘ zu rufen. König Willem-Alexander antwortete daraufhin: „Ich auch!“ 

Anlässlich seines 50. Geburtstages gab der allseits beliebte, niederländische König am Mittwoch ein sehr persönliches Interview, geführt von Wilfried de Jong in dem Landhaus De Eikenhorst in Wassenaar. In diesem Interview sprach er unter anderem über den Verlust seines Bruders Friso – ein sehr emotionales Thema für einen emotionalen König, der sich nicht scheut, Gefühle zu zeigen. Er fragte sich damals, nach dem Tod von Friso, in Gegenwart von Oosterhuis, wie lange es wohl dauern werde, bis sie damit leben können. Oosterhuis viel aber vor allem eines auf: Der König kann weinen. „Sowohl bei dem Begräbnis von Claus als auch bei dem von Friso habe ich es gesehen.“

Auch einige Jahre nach dem Tod seines Bruders, kämpft Willem-Alexander noch immer mit den Tränen, sobald der Verlust Frisos zur Sprache kommt – eine Narbe, die wohl nie verblassen wird. Sein ein Jahr jüngerer Bruder verunglückte 2012 im österreichischen Lech während eines Skiurlaubs bei einem Lawinenunfall, fiel ins Koma und starb 2013 an den Folgen seiner Verletzungen. Im gestrigen Interview bestätigte er das allgemeine Bild über seinen Bruder. „Er wollte so wenig wie möglich mit dem öffentlichen Leben in den Niederlanden zu tun haben.“ Friso habe ihm früher oft auch die Leviten gelesen und das nicht gerade auf eine diplomatische Weise. Nun, da diese Belehrungen fehlen, vermisse er sie.  

Auch der weitere Verlauf des Interviews gestaltete sich sehr persönlich. Zwar verhielt sich der König der Niederlande zu Beginn noch sehr förmlich, wie man es bei offiziellen Anlässen von ihm gewohnt ist, taute aber im Laufe des Interviews allmählich auf. Nach einer Imitation von Nelson Mandela sprach er freimütig über seine Kindheit. Zur Verwunderung von De Jong erzählte Willem-Alexander, dass er und seine beiden Brüder in ihrer Jugend auf dem Landgut Drakensteyn nicht ferngesehen, sondern Radio gehört haben. Lediglich am Sonntagnachmittag haben sie sich Super 8-Filme angesehen, die ihre Eltern im Ausland gemacht hatten – ohne Ton versteht sich.

Darüber hinaus gab es laut Willem-Alexander eine Menge Zwist unter den drei mitunter aufsässigen Brüdern. Das Motto lautete damals „zuschlagen oder geschlagen werden“, sagte der König. Er selbst hielt sich für einen rebellischen Jugendlichen, der kein Blatt vor den Mund nahm. Wie man für sich selbst sorgt, lernte er im Umgang mit seinen Geschwistern, mit denen er das ein oder andere Wortgefecht austrug. Gerade diese Gewohnheit, seine Meinung unverblümt zu äußern, hemmte ihn anfangs bei öffentlichen Anlässen. Er hatte Angst, von der Gesellschaft als zu offenherzig und zu aufsässig wahrgenommen zu werden.

Das Interview ähnelte der Fernsehsendung Zomergasten, ein Format, in dem De Jong jahrelang mithilfe von diversem Bildmaterial das persönliche Leben verschiedener Personen darstellte. Der König entschied sich jedoch ganz bewusst für diese Art der Aufmachung. Er wollte kein Interview über sein Amt, sondern über seine Person. „Ich möchte, dass die Menschen wissen, wer der Mann ist, der 50 wird, sich aber wie 30 fühlt.“

Unter diesen Bildern fand sich auch ein Fragment aus dem Jahr 1972, in dem an die Geiselnahme von israelischen Sportlern während der Olympischen Spiele in München erinnert wurde. Willem-Alexander gab daraufhin einen Einblick in das Leben seines deutschen Vaters Claus von Amsberg, für den dies ein höchst traumatisches Erlebnis war. „Er fand es erschreckend, dass Deutschland während der Olympischen Spiele nicht in der Lage war, die Israelis zu schützen. Er war am Boden zerstört“, sagte der König, der ebenfalls schilderte, dass der Schrecken des Holocausts noch bis zum Ende seines Lebens auf den Schultern von Prinz Claus lastete. „Er war ein Bürger dieser Welt und ein Europäer, fühlte sich aber als Deutscher mitverantwortlich für den Krieg.“

Der Militärdienst nach seiner Schulzeit sei für seine Charakterbildung von entscheidender Bedeutung gewesen, sagte Willem-Alexander. Sein Leben wäre weniger strukturiert und diszipliniert, wenn er sein Studium direkt nach der Schulzeit begonnen hätte. Darüber hinaus lernte er erst in seiner Zeit beim Militär, dass er akzeptieren müsse, später das Amt seiner Mutter zu übernehmen. 

Weiterhin erzählte er dem Interviewer Wilfried de Jong von seiner Abmachung mit seinem Sicherheitspersonal. Sie haben ihre Arbeit gemacht: sie haben für meine Sicherheit gesorgt. Aber ihre Arbeit war es nicht, meine Eltern über das, was ich gerade tue, zu informieren, so der König. Die gleiche Abmachung hat er nun auch mit seinen Töchtern getroffen. Das Sicherheitspersonal sei auch in diesem Fall dafür da, um seine Kinder zu schützen. Über mögliche Fehltritte wolle er gar nichts wissen. Er gab in diesem Interview auch offen zu, dass er in seiner Jugend selbst ausschweifend lebte und häufig auf Partys ging. „Ich wollte meine Grenzen austesten und habe sie übertreten.“ Dasselbe rät er auch seiner ältesten Tochter Amalia: „Kenne deine eigenen Grenzen. Überschreite sie. Mache Fehler. Das habe ich auch getan. Denn wenn man sich selbst nicht kennt, kann man niemals ein öffentliches Amt gut ausüben.“

Zu seinem Geburtstag hat der König der Niederlande 150 Gäste geladen. Im Gegensatz zu den intellektuellen Gästen, die bisher von Beatrix geladen wurden, wie der Philosoph Peter Sloterdijk, werden sich in diesem Jahr Bürger verschiedener Herkunft aus allen Altersgruppen und Rängen am Freitagabend im Paleis op de Dam, dem königlichen Palast, im Burgerzaal einfinden. Oosterhuis sagt dazu, dass Beatrix andere intellektuelle Interessen habe als Willem-Alexander. Sie sei schließlich, so Oosterhuis, eine belesene Person und denke abstrakter als ihr Sohn. Dennoch sei er der am meisten unterschätzte Mann in den Niederlanden. Ein anderer Freund der Familie entgegnet daraufhin: „Er war der am meisten unterschätzte Mann in den Niederlanden, als er noch den Namen Prinz Pils trug.“