Nachrichten September 2016


DEUTSCH-NIEDERLÄNDISCHE WIRTSCHAFTSBEZIEHUNGEN: Stärkung von Lehre und Forschung an der Universität Münster

Münster. SB. 29. September 2016.

Zehn Jahre saß er im wissenschaftlichen Rat für Regierungspolitik, seit über 20 Jahren doziert er an verschiedenen namhaften Universitäten, er sitzt in mehreren Beratungsgremien, ist Autor, Wissenschaftler und er versteht etwas von den deutsch-niederländischen Wirtschaftsbeziehungen. Wer etwas über Prof. Dr. Kees van Paridon in Erfahrung bringen will, muss sich erst einmal durch 28 Seiten lesen, denn nicht weniger umfasst sein beeindruckender Lebenslauf. Jetzt kommt der umtriebige Ökonom zum Zentrum für Niederlande-Studien an der Universität Münster. Finanziert wird die Gastprofessur zum Thema „deutsch-niederländische Wirtschaftsbeziehungen im europäischen Kontext“ von der Deutsch-Niederländischen Handelskammer und der VNO-NCW, der größten Arbeitgeberorganisation der Niederlande.

Wer regelmäßig die niederländischen Nachrichten verfolgt, dem wird auffallen, dass unsere westlichen Nachbarn, Deutschland und seine Entwicklung mit Argusaugen beobachten. Das kann wenig verwundern, ist Deutschland für die Niederlande doch seit jeher der wichtigste Handelspartner. Andersrum spielen die Niederlande in der deutschen Berichterstattung kaum eine Rolle – zu Unrecht. Ein Blick auf die Zahlen verrät, dass die Niederlande für den Exportweltmeister Deutschland, nach Frankreich und den USA, das dritt bedeutendste Handelsland sind. Betrachtet man den Import vermag es nur der Wirtschafts-Gigant China die Niederlande hin und wieder von Platz eins zu verdrängen.

Trotz dieser starken und immer weiter zunehmenden wirtschaftlichen Interdependenz zwischen Deutschland und den Niederlanden, bleibt viel Potential zur Zusammenarbeit ungenutzt. Die Niederlande sind eben nicht „Klein-Deutschland“, wie es manch einer auf der östlichen Seite der Grenze scherzhaft behauptet. Es gibt durchaus Unterscheide in den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen beider Länder und auch die Sprache will, trotz unbestreitbarer Ähnlichkeiten, gelernt sein. Geschichte, Politik, Kultur und Umgangsformen, die Nachbarn wissen häufig noch zu wenig voneinander und das blockiert potentielle grenzüberschreitende Zusammenarbeit.

Diese Hemmnisse zu überwinden, hat sich bei seiner Gründung 1989, das Zentrum für Niederlande-Studien auf die Fahnen geschrieben. Am Zentrum werden jedes Jahr sowohl in einem Bachelor als auch in einem Master-Studiengang junge Menschen zu Experten der deutsch-niederländischen Beziehungen ausgebildet. Durch den multidisziplinären und binationalen Aufbau sollen sie zu Brückenbauern werden, um die Länder auf allen Ebenen bestmöglich miteinander zu vernetzen. Das Zentrum, welches zur Westfälischen Wilhelms-Universität Münster gehört, ist deutschlandweit das einzige Institut, das sich in den Bereichen Lehre, Forschung und Dienstleistung explizit mit den deutsch-niederländischen (wirtschaftlichen) Beziehungen und deren Austauschprozessen beschäftigt.

Die Deutsch-Niederländische Handelskammer und die VNO-NCW halten dieses Engagement für so wichtig, dass sie anlässlich des Duitslanddag (Deutschlandtag) der DNHK heute bekanntgaben, eine Gastprofessur in diesem Bereich am Zentrum für fünf Jahre zu finanzieren. Dass der größte Arbeitgeberverband des Landes diese Initiative unterstützt ist bezeichnend und zeigt einmal mehr für wie wichtig die deutsch-niederländische Zusammenarbeit im Wirtschaftssektor erachtet wird.

Übernehmen wird diese Aufgabe ab dem ersten Oktober Prof. Dr. Kees van Paridon, ein „ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der deutsch-niederländischen Wirtschaftsbeziehungen“, so Professor Friso Wielenga, Direktor des ZNS. Am Zentrum freut man sich über die Zusage Paridons, der als ausgezeichneter Kenner beider Länder und ihrer Wirtschaftsstrukturen gilt: „So sind wir hier in Münster zukünftig noch besser als zuvor in der Lage, Experten auszubilden, die zur Intensivierung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Niederlanden und Deutschland beitragen können.“

Neben der Lehre, sowohl im Bachelor- als im Masterbereich, werden van Paridon am Zentrum aber auch noch einige andere Aufgaben zu Teil. So wird er mit seiner Expertise einmal im Jahr bei der Organisation des „Deutsch-Niederländischen Wirtschaftsforums“ helfen. Diese vielbeachtete Konferenz geht auf die Initiative des ZNS und der DNHK zurück und fand letztes Jahr zum ersten Mal in Münster statt. Des Weiteren ist vorgesehen, dass van Paridon einmal im Jahr eine öffentliche Lesung über eine Thematik aus seinem Forschungsgebiet halten wird. Der Termin für die erste Lesung steht auch schon fest: Am 07. November wird der neue Gastprofessor im Haus der Niederlande einen Vortrag unter dem Titel: „Grenzenlos miteinander umgehen: Eine Welt gewinnen“ halten, zu der alle Interessierten herzlich eingeladen sind.