Nachrichten September 2016


BEVÖLKERUNGSENTWICKLUNG: "Die großen Vier" wachsen, der ländliche Raum schrumpft und überaltert

Heerlen. SB/PBL/CBS/VK/Trouw/Bertelsmann Stiftung. 12. September 2016.

Die vier größten Städte der Niederlande wachsen wie auch die Gesamtbevölkerung. Kleinere Gemeinden hingegen schrumpfen und sehen sich mit einer zunehmenden Vergreisung konfrontiert. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Prognose des Centraal Bureau voor de Statistiek und dem Planbureau Leefomgeving hervor.

Während man in Deutschland mit rückläufigen Bevölkerungszahlen kämpft, steigen in den Niederlanden die Bevölkerungszahlen kontinuierlich an. Das CBS prognostiziert im Zeitraum von 2015 bis 2030 ein Bevölkerungswachstum von gut 950.000 Menschen. Es ist ein Trend, der sich fortsetzt, denn die Einwohnerzahlen des dichtbesiedelsten Landes in Europa sind bereits seit der Jahrtausendwende um 6% gestiegen. Gestern Mittag um 17.00 Uhr lag die Bevölkerungszahl in den Niederlanden bei exakt 17.045.423 Menschen.

Die Ursachen des Bevölkerungswachstums sind allerdings nicht bei den „Einheimischen“ zu finden. Laut dem Chef-Demograf beim CBS, Jan Latten, wächst die Anzahl autochtoner Niederländer, also Menschen die in den Niederlanden geboren sind und deren Eltern ebenfalls dort zur Welt gekommen sind, kaum noch. Vor allem allochtone Niederländer sind also für das Wachstum verantwortlich. Dieses Jahr werden die Zahlen wohl noch einmal extra nach oben ausschlagen. Der Grund hierfür liegt zum einen bei der Asylimmigration und zum anderen bei der Arbeitsimmigration aus osteuropäischen Ländern.

Vor allem die „G4“, die vier größten Städte in den Niederlanden werden das Bevölkerungswachstum in den nächsten Jahren zu spüren bekommen. Denn ein Drittel der prognostizierten 950.000 Menschen werden sich wohl in Amsterdam, Den Haag, Rotterdam oder Utrecht niederlassen. Wenn die Rechnung der Statistiker aufgeht, würden im Jahr 2030 bereits 14,6% der Gesamtbevölkerung in diesen Städten leben. Zum Vergleich: 2000 waren es noch 12,6%, heute sind es 13,6%.
Mit 43% wuchs Utrecht bis jetzt am stärksten. Amsterdam, das heute 840.000 Einwohner zählt würde Mitte der 2030er Jahre bereits 1 Millionen Menschen beherbergen. Das bedeutet auch, dass die Zahl der Haushalte zwangsläufig zunehmen wird. Es ist also durchaus erwartbar, dass der Wohnungsbausektor in den westlichen Metropolen boomen wird.

Das enorme Wachstum der Städte geht dabei allerdings mit einer Abwanderung aus kleineren Gemeinden einher. Im Schnitt sank die Einwohnerzahl in Gemeinden mit weniger als 100.000 Einwohnern um 2%. Auch die mehr an der Peripherie gelegenen Provinzen wie Drenthe und Teile von Groningen und Limburg werden vermutlich in den kommenden Jahren schrumpfen. Dieser Trend erklärt sich in erster Linie durch das Verhalten der jungen Generation, die es zum Studieren, Arbeiten und Leben in die größeren Städte zieht. In ihre Heimatgemeinden zurückkehren tun nur die Wenigsten.

Diese Konstellation hat allerdings noch einen weiteren Effekt: Die kleinen Gemeinden und Dörfer werden zukünftig mit einer zunehmenden Vergreisung konfrontiert werden. Zählten im Jahr 2000 sowohl Städte als auch Dörfer jeweils einen Seniorenanteil von 15% wird es hier in absehbarer Zeit ein Stadt- Landgefälle geben. 2013, so die Schätzung der Statistiker, wird die Anzahl von Menschen im Alter von 65+, die in Dörfern leben bei 26% liegen, wohingegen der Prozentsatz in Städten mit 17%  relativ stabil bleibt. In Deutschland verhält es sich ähnlich: Urbane Regionen wachsen, der ländlich Raum verliert und überaltert. Trotzdem: Immigration, wirtschaftliche Entwicklung und Wohnungsbau sind schwer vorhersehbar. Das sollte bei diesen Zahlen nicht vergessen werden.