Nachrichten September 2016


KERNREAKTOR: Tweede Kamer zeigt sich besorgt über Geheimrapport

Petten. SB/TROUW/NOS. 08. September 2016.

Lange dachte man mit dem nuklearen Sektor stehe in den Niederlanden alles zum Besten, jetzt allerdings sind daran Zweifel aufgekommen. Dem Nachrichtenprogramm NOS liegt seit gestern Abend ein Bericht vor, wonach der Betreiber des Kernreaktors im west-niederländischen Petten unter finanziellen Problemen leidet. Dies gefährde auf lange Sicht die Sicherheit. Im niederländischen Parlament wurden daraufhin Stimmen nach einem Untersuchungsausschuss laut. 

„Sicherheit ist nicht unsere alles bestimmende Priorität“, ist in dem Geheimrapport eines externen Fachmanns zu lesen, der sich seit Ende letztens Jahres ein Bild von dem Kernreaktor gemacht hatte.
Der Reaktor in Petten stellt medizinische Isotope für die Behandlung von Krebs her. Er ist veraltet, wird aber noch gebraucht. Rund zehn Jahre soll er noch am Netz bleiben. 2014 musste sich die Betreiberfirma NRG 82 Millionen Euro vom Wirtschaftsministerium leihen, die nun zurückgezahlt werden müssen. Das ist ein Problem, denn dafür müssen Gewinne her. Diese bleiben allerdings aus, da der Marktpreis für Isotope momentan sehr gering ist. Hinzukommend lagern auf dem Reaktorgelände noch nukleare Abfälle, die nach Vlissingen transportiert werden müssen. Auch das kostet Geld.

Diese permanente finanzielle Schieflage erhöht dem Rapport zu Folge den Druck auf die Mitarbeiter. Ein Beispiel: Letztes Jahr musste der Reaktor wegen kleinerer Probleme zeitweise stillgelegt werden. Offiziell wurden die Mitarbeiter, die für diese Entscheidung verantwortlich waren, gelobt. Sie hatten aus sicherheitspolitischer Sicht verantwortungsvoll und richtig gehandelt. Hinter den Kulissen allerdings erhielten sie eine Schelte. Denn ein Ausfall ist aus ökonomischer Sicht ein Fiasko. Einer Umfrage zu Folge, trauen sich 40% der Angestellten nicht offen ihre Meinung zu sagen. Es herrsche eine regelrechte Angstkultur.

Darauf reagierte am Donnerstag auch die Tweede Kamer. PvdA, D66, ChristenUnie und SP haben angekündigt beim Kabinett eine Nachforschung veranlassen zu wollen: „Ich möchte nun wirklich, dass Minister Kamp (Wirtschaft) und Ministerin Schultz van Haegen-Maas Geesteranus (Umwelt und Infrastruktur) in Aktion treten und diesem Thema absolute Priorität beimessen, sodass alle Risiken beseitigt werden und es in den Niederlanden keinen Zweifel mehr daran gibt, wie hierzulande mit nuklearem Material umgegangen wird“, sagte die D66 Abgeordnete Stientje van Veldhoven. Die D66 wird eine Debatte über das Thema beantragen.