Nachrichten SEPTEMBER 2016


WIRTSCHAFT: Die Niederlande wollen zur führenden Nation in Sachen Digitalisierung werden

Amsterdam. SB/TROUW. 06. September 2016.

Der niederländischen Zeitung Trouw zu Folge wollen die Niederlande zur führenden Nation in Sachen Digitalisierung werden. Die Voraussetzungen dafür sind gut. Ambitionen und guter Willen allein reichen allerdings nicht, es muss auch investiert werden.

Die Niederlande stehen wie kein anderes Land der Welt für ein innovatives Wassermanagement, das in Zukunft vermutlich eine immer größere Rolle spielen wird. Auch sind die Holländer hervorragende Spieleentwickler und sie verstehen etwas von Saatgutveredelung. Diese drei Standbeine sind im internationalen Wettbewerb allerdings nicht genug. Nun hat sich das Land auf die Fahnen geschrieben auch in Sachen Digitalisierung führend zu werden.

Die Initiative dazu kam von einigen inländischen Universitäten, die dafür plädieren gemeinsam daran zu arbeiten die digitale Entwicklung voranzutreiben und zu erforschen wie diese am besten an die Bedürfnisse von Menschen anschließen könne. Dabei sei die Ausgangsposition für die Niederlande hervorragend: Das Vorhandensein von weitverzweigten digitalen Netzwerken, die regelmäßige und gute Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Hightech-Firmen, sowie Bildung und Forschung auf „Topniveau“ in diesem Sektor machen die Niederlande zu einem geeigneten Land, diese Führungsrolle auch tatsächlich einzunehmen.

Auch bei der aktuellen Regierung steht das Thema Digitalisierung ganz oben auf der Agenda. Im Gegensatz zu den Universitäten, die vor allem gesellschaftliche Fragestellungen im Auge haben, liegt der Nachdruck hier eher darauf, mit Hilfe des digitalen Fortschritts die Wirtschaft zu stimulieren. Auch die großaufgelegte Kampagne „NL Next Level“, die von einem Interessensverband mittelständischer Betriebe initiiert wurde und die Erhaltung der Niederlande an der ökonomischen Weltspitze zum Ziel hat, macht sich für kräftige Investitionen im Bereich der Digitalisierung stark.

2014 hatte das Kabinett eine sogenannte „kenniscoalitie“ (Wissenskoalition) in Auftrag gegeben. Das Ziel dieses Projektes war es eine Wissenschaftsagenda aufzustellen, die Gesellschaft, Firmen und Wissenschaft näher zueinander bringen sollte. Jeder der wollte durfte Fragen einreichen, 12.000 waren es am Ende aus denen 25 Routen für wissenschaftliche Forschung erstellt wurden. Die Wissenschaftsagenda, wie sie heute vorliegt, berührt alle möglichen Zweige der Wissenschaft, nicht nur Digitalisierung, nichtsdestotrotz spielt eben diese in vielen dieser formulierten Routen eine herausragende Rolle.

Guter Wille in Form einer solchen Agenda reicht allerdings nicht aus, um die selbstgesteckten Ziele auf lange Sicht umzusetzen. Es müssen auch Investitionen folgen. Denn trotz der vielen schönen Worte und Initiativen hat der niederländische Staat in den letzten Jahren faktisch nicht investiert, sondern Gelder gestrichen.
Zufällig wurde der Zeitpunkt dieser Initiative daher sicherlich nicht von den Universitäten gewählt. Sie richtet sich an das nächste Kabinett, dass sich im März 2017 nach den Wahlen zusammenfinden wird und wirbt für eine Trendwende. Die Wissenskoalition erwartet Extrainvestitionen von rund einer Milliarden Euro pro Jahr, die in wissenschaftliche Forschung und technologische Entwicklung fließen soll. Das entspricht einer Erhöhung der staatlichen Investition von 20%.