Nachrichten Oktober 2016


SINTERKLAAS: RTL und Zwarte Piet gehen getrennte Wege

Hilversum. SW/VK/NRC/RTL Nieuws. 25. Oktober 2016.

Zwarte Piet hat ausgedient, zumindest beim Fernsehsender RTL. Ab diesem Jahr werden in der Sinterklaassendung des Senders keine traditionellen Zwarte Pieten mehr zu sehen sein, dies gab RTL am vergangenen Montag bekannt. Stattdessen setzt der Sender auf eine Adaption des traditionellen Zwarte Piet: den Schornstein-Piet. Beim Schornstein-Piet wird auf eine gänzlich schwarze Gesichtsbemalung verzichtet, stattdessen hat er einige schwarze Rußschmieren im Gesicht, da - so die Begründung des Senders - Piet der Erzählung nach durch den Schornstein in die Häuser der Niederländer kommt. In der auf RTL ausgestrahlten Werbung wird es womöglich dennoch zur traditionellen Darstellung des Zwarte Piet kommen, so der Sender. Man habe Verständnis dafür, dass es für Werbungsmacher jetzt sehr kurzfristig sei, die Darstellung noch anzupassen. Ab nächstem Jahr werde man jedoch Werbung mit dem traditionellen Zwarte Piet im RTL-Programm weigern. RTL rechtfertigte die Entscheidung in einer Pressemitteilung wie folgt: “Für einen Teil der Niederlande ist das Bild des Zwarte Piet diskriminierend, während andere der Meinung sind, dass es ein unauflösbarer Teil der Tradition sei. RTL hat Verständnis für beide Standpunkte, ist jedoch der Meinung, dass es in dieser Diskussion nicht darum geht, Recht zu haben, sondern Verständnis füreinander aufzubringen.”

Dass ausgerechnet der kommerzielle Sender RTL eine Vorreiterrolle in der Zwarte Pieten Diskussion einnimmt, kommt für viele Beobachter überraschend. Letztes Jahr hatte RTL eine veränderte Darstellung des Zwarte Piet noch abgelehnt, wenn auch nicht gänzlich ausgeschlossen, nämlich wenn: “ [...] zu gegebener Zeit das Resultat der gesellschaftlichen Diskussionen nach einer Anpassung des Äußeren von Zwarte Piet verlangen.” Es fällt dabei auf, wie sich das Klima in der Zwarte Pieten Diskussion in den letzten Jahren verändert hat. Der öffentlich-rechtliche Sender NTR hingegen lässt seine Zuschauer bezüglich der Darstellung des Zwarte Piet noch bis zum 9. November im Ungewissen. Der leitende Direktor von NTR ließ in einer Reaktion wissen: “Wir fahren unseren eigenen Kurs, dieser ist unabhängig von RTL oder wem auch immer. Die Aufnahmen des Sinterklaasjournal sind bereits beendet, das Ergebnis wird am 9. November im Fernsehen zu sehen sein.” NTR hatte im vergangenen Jahr für Aufsehen gesorgt, weil der Sender nach einem kurzen Intermezzo wieder zu der traditionellen Darstellung des Zwarte Piet - schwarze Gesichtsfarbe, rote Lippen und schwarzes lockiges Haar - zurückgekehrt war. Aus Protest hatten daraufhin verschiedene, namhafte Darsteller dem Sinterklaasprogramm von NTR den Rücken zugekehrt.

Die Entscheidung von RTL wurde landesweit viel diskutiert. In den sozialen Medien hat die Entscheidung des RTL einiges losgetreten, so wurde unter dem Hastag #boycotrtl viel Kritik geäußert. Der Sender teilte mit, man habe jedoch auch viele positive Reaktionen empfangen. Aus dem politischen Den Haag kamen sehr auseinandergehende Reaktionen. Der Minister für Arbeit und Soziales, Lodewijk Asscher, begrüßte die Einführung des Schornstein Piets: “Komplimente für RTL. Zeit für Veränderung.” Asscher war in den vorangegangen Monaten daran beteiligt gewesen, in einem informellen Kreis mit Politikern, Bürgern und TV-Machern über eine Alternative für Zwarte Piet nachzudenken. Insbesondere seitens der rechten Parteien wurde die Entscheidung allerdings scharf kritisiert. Geert Wilders twitterte wenig überraschend: “Feige, feige, feige. Zwarte Piet ist schwarz und muss schwarz bleiben.” Auch die Regierungspartei VVD reagierte entrüstet, der Fraktionssprecher Halbe Zijlstra sagte: “Wenn man es mit einem Mal so macht, dann sind die Kinder später verwirrt.” Dafür musste Zijlstra selbst jedoch auch einiges an Kritik einstecken, die Zeitung NRC Handelsblad warf ihm vor “irrational” zu argumentieren und sprach vom Fremdschäm-Effekt.