Nachrichten Oktober 2016


NATUR: Mehr Wald für die Niederlande

Amersfoort. SB/Trouw. 24. Oktober 2016.

Die Niederlande sollen 100.000 Hektar neuen Wald bekommen. Der Wald- und Holzsektor will damit einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der festgelegten Klimaziele liefern. Am Mittwoch findet in Rotterdam ein nationaler Klimagipfel statt, auf dem dieser Plan offiziell vorgestellt werden soll.  Auch Staatssekretärin Sharon Dijksma wird anwesend sein.

Denkt man an die typische  Landschaft der Niederlande, sieht man Strand, Meer,  Grachten und das weitläufige „platte land“ vor seinem geistigen Auge. Was man hingegen als aller letztes mit den Niederlanden in Verbindung bringt ist wohl Wald. Tatsächlich sind mit 350.000 Hektar gerade einmal 11 Prozent der Landesoberfläche in den Niederlanden mit Wald bedeckt. Damit gehört unser westlicher Nachbar zu den Ländern mit ausgesprochen wenig Forst. Nur um das noch einmal kurz zu verdeutlichen: Das waldreichste Bundesland in Deutschland ist mit 8.477 Km² Wald Hessen. Damit verfügt allein das Land Hessen schon über doppelt so viel Wald wie die gesamten Niederlande.

Zugegeben, die Niederlande sind mit ihrer geringen Gesamtfläche das dichbesiedelste Land Europas. Ist der geringe Waldbestand also schlicht dem mangelndem Platz geschuldet? Nein - sagt die Aktionsgruppe, die sich aus Natur- und Umweltorganisationen, Holzverarbeitungsunternehmen, Papierfabrikanten, chemischen Betrieben, Bauindustriellen und Waldbesitzern zusammensetzt. Gemeinsam haben sie ein Jahr lang an dem sogenannten grünen Plan (groenplan) gearbeitet und sich genau angeguckt, wo noch Platz für neue Bäume zur Verfügung stünde.

5000 Hektar Wald könnten so zum Beispiel bald in Seeländisch Flandern dazu kommen. Auch in Groningen und Drenthe ist noch Platz für immerhin 30.000 Hektar. Nicht zu vergessen die Flussgebiete im Gelderland – 15.000 Hektar. Auch im „Groene Hart“ und den großen Drei, Amsterdam, Den Haag und Rotterdam ist noch mehr Platz für Grün. Neben der Neupflanzung gibt es aber auch Gebiete, in denen der Erhalt und die Regeneration von Bäumen im Mittelpunkt steht. So zum Beispiels in Wäldern der Provinz Brabant und der „Achterhoek“.

Aber warum auf einmal das Engagement, die aufwändigen Pläne, die immerhin rund drei Milliarden Euro, wenn auch verteilt auf 30 Jahre, kosten werden? Es geht darum die Klimaziele, die auf der UN-Klimakonferenz in Paris festgelegt wurden, bis 2050 zu erreichen. Am Mittwoch wird der Vorschlaf offiziell in Rotterdam unter Beisein der Staatsekretärin Sharon Dijksma vorgestellt. Einer der Initiatoren der Aktionsgruppe, Harry Hekhuis, sagte: „Es ist einschneidend und es hat große Auswirkungen. Letztendlich wird die Politik entscheiden müssen, aber wir denken, dass der Aktionsplan notwendig und realistisch ist.“

Aber es geht nicht nur um Umwelt-Idealismus. Es geht vor allem darum, die Forstverwaltung in den Niederlanden effizienter zu machen. Der Bedarf an Holz wird sich Studien zu Folge in den kommenden 30 Jahren verdreifachen. Zum jetzigen Zeitpunkt importieren die Niederländer noch 90 Prozent ihres Holzes aus anderen europäischen Ländern. Indem nun  der Nachdruck auf die Produktion von Holz gelegt wird, soll der eigene Holzertrag verdoppelt werden. Es sollen daher vor allem „produktivere“ Baumsorten, wie Lärchen und Buchen gepflanzt werden. An sechs Standorten, darunter die Veluwe und der Utrechter Heuvelsrug, sollen Wälder verjüngt und die genannten Baumsorten gepflanzt werden. Der Aktionsgruppe zu Folge habe die größere Produktion keine nachteiligen Auswirkungen für die Natur.