Nachrichten OKTOBER 2016


WM-Qualifikation: Trotz Niederlage gegen Frankreich ist Oranje auf Kurs

Amsterdam SB/NOS/NRC/VK/Trouw. 11. Oktokber 2016.

15 Jahre ist es her, dass die Niederlande das letzte Mal ein Spiel in einer WM-Qualifikation verloren haben. Trotzdem hört man am Tag danach mehrheitlich positive Stimmen über den Auftritt der elftal gegen die starken Franzosen. Die Niederlande stehen nun in der Tabelle der Gruppe A auf Platz drei und es zeichnet sich ab, dass sich ein Generationswechsel anbahnt.

Es war ein spannendes Spiel gestern in der beinahe ausverkauften Amsterdam Arena. Der Weltranglisten achte, Frankreich, war zu Gast bei den Niederländern, die gegenwärtig den vierundzwanzigsten Platz auf der Weltrangliste belegen. Trotz diesen Unterschiedes, hatte der französische Nationaltrainer vor dem Spiel vor Oranje gewarnt: „Es ist ein neues, junges Team. Sie spielen gründlichen und schnellen Fußball. Sie haben gefährliche Stürmer, die kaum einschätzbar sind.“

Mit dieser Aussage hatte Didier Deschamps wohl nicht ganz Unrecht. Vor allem in der ersten halben Stunde präsentierten sich die Niederländer auf dem Feld als würdiger Konkurrent für die Équipe Tricolore: Stark, mit vollem Einsatz und Durchsetzungsvermögen. In der 29. Minute zeigte Paul Pogba dann allerdings, warum er zum gegenwärtigen Zeitpunkt, der teuerste Spieler der Welt ist. Er hämmerte den Ball aus 30 Metern Entfernung in das Tor. 0:1 für Frankreich. Es war ein bitteres Gegentor für die Holländer, die bis dato sehr selbstbewussten Fußball gespielt hatten und den Franzosen so Respekt abzwangen. Außerdem hatten bei dem Tor gleich zwei Spieler in Orange schlecht ausgesehen. Zum einen Jeffrey Bruma, der Wolfburger, der in Deutschland den Spitznamen „Herr der Luft“ bekommen hat und zum anderen Torhüter Maarten Stekelenburg. Dass gerade diese beiden Spieler Fehler machten, ist durchaus pikant. Bei Bruma, dessen Fehlpass zum Gegentor geführt hatte,  war es nicht das erste Mal, dass er patzte. Auch im Spiel gegen Weiß-Russland, hatte er sich schon als Schwachstelle im Team erwiesen. Bei Tormann Stekelburg, der beim Tor von Pogbar schlecht aussah, weil er es nicht schaffte, genug Kraft aufzubringen, um den Ball vom Tor wegzufausten, ist es vor allem für Trainer Danny Blind unangenehm. Dieser hatte Stekelenburg, der vier Jahr nicht für Oranje gespielt hatte, den Vorzug gegenüber Jeroen Zoet gegeben. Wobei man hier relativierend hinzufügen sollte, dass dies die einzigen größeren Fehler im Spiel der Beiden blieben.

Auch wenn Oranje sich bis zum Schluss nicht hängen ließ und den Gegentreffer schnell abschütteln konnte, reichte dieser eine Fehler den Franzosen, so muss man am Ende konstatieren, zum Sieg. Und das auch, weil die Niederländer ihrer allergrößten Chance auf ein Tor zu Unrecht beraubt wurden. Diesmal hatte ein Fehlpass auf französischer Seite für eine gute Möglichkeit für Janssen gesorgt, der sich im Strafraum mehrfach drehte, um eine Lücke für den Abschluss zu finden. Schließlich warf sich Koscielny vor den Ball und berührte diesen gleich mehrfach mit der Hand. Schiedsrichter Skomina gab den klaren Elfmeter in der 40. Minute jedoch nicht. „Tja, wenn das keine Elfmeter mehr sind, kann man sie am besten gleich ganz abschaffen und allgemeine Amnestie in allen Strafschußangelegenheiten verhängen“, kommentierte die Volkskrant sarkastisch. Die Bitterkeit die mit dieser Entscheidung einhergeht ist nur allzu verständlich, denn schon Dost und Van Dijk wurden zwei reguläre Treffer in den Spielen gegen Schweden und Weiß-Russland nicht zuerkannt. Nach dieser Situation, reichte die elftal schließlich nur noch selten an ihre Leistungen aus der ersten Hälfte heran, auch wenn es Memphis Depay in der 88. Minute fast noch gelungen wäre den Ausgleich zu erzielen.

Es war eine historische Niederlage für die Holländer, die das letzte Mal im September 2001 ein Spiel in einer WM-Qualifikation verloren hatten – damals gegen Irland. Trotz Niederlage, gab es aber viel Lob für die Mannschaft von Danny Blind. Das positive Echo hat mehrere Gründe. Zum einen war Frankreich schon von vornherein der haushohe Favorit in dieser Partie. Zum anderen haben die Niederländer nach dem Fiasko der verpassten EM-Qualifikation und der unsteten Leistung der letzten Jahre  ihre Erwartungen nach unten korrigiert und blicken relativ realistisch und nüchtern auf die Chancen und Grenzen ihrer Nationalelf. Außerdem befindet sich die Mannschaft im Umbruch. Die Spieler der „silbernen Generation“, die immerhin bei der Weltmeisterschaft 2010 den zweiten Platz erobert hatten, treten langsam aber sicher ab und die „jungen Wilden“ erobern das Feld für sich.

Blind begann das Match gegen Frankreich mit derselben Aufstellung wie zuletzt in der zweiten Halbzeit gegen Weiß-Russland. Damit  war es Montagabend tatsächlich zum ersten Mal seit 14 Jahren der Fall, dass die niederländische Nationalmannschaft ohne die Alt-Stars Sneijder, Van Persie, Van der Vaart oder Robben spielte. Van der Vaart spielt schon seit zweieinhalb Jahren nicht mehr für sein Land Fußball und Van Persie ist sozusagen der unterirdischen Leistung während der letzten EM-Qualifikation zum Opfer gefallen. Er musste zuerst die Kapitänsbinde abgeben und verlor anschließend auch recht schnell seinen Status als Nationalkicker. Dass er noch einmal in die Mannschaft zurückkehren wird, ist so gut wie ausgeschlossen. Robben und Sneijder, beide wie auch ihre ehemaligen Teamkollegen Anfang 30, sind noch gesetzt und laut Blind unersetzbar. Beide allerdings fielen für ihr Team verletzungsbedingt aus. „Das Ende einer Ära sei eine normale Erscheinung im Fußball“, sagte Bild. Im Falle von Van der Vaart und Persie ist diese Ende schon erreicht, bei Robben und Sneijder nicht, aber auch die „haben nicht mehr Jahre lang Zeit“, fügte der Nationaltrainer hinzu. Sollte Arjan Robben auch beim Spiel gegen Luxemburg und Belgien nicht dabei sein, wäre es das erste Kalenderjahr für ihn, seit seinem Debut 2003, in dem er nicht für die Niederlande gespielt hätte. Gestern konnten die Oranje-Fans also schon einmal einen Eindruck von ihrem „Team der Zukunft“ erhaschen. Die Jungen machten es gut – auch ohne die alten Stars.

Nach einem 1:1 Unentschieden gegen Schweden, dem 4:1 Sieg gegen Weiß-Russland und der 0:1 Niederlage gestern, stehen die Niederlande auf Platz drei der Gruppe A. In einem Monat findet das letzte Qualifikationsspiel gegen Luxemburg im Jahr 2016 statt. Holland muss dann gewinnen, um die Aussichten auf den zweiten Platz zu behalten und damit die Chance für das Play-Off für die Weltmeisterschaft in Russland.