Nachrichten November 2016


UMWELT: Versinkende Moorgebiete kosten die Niederlande Milliarden

Den Haag. SW/NOS/Telegraaf/AD. 30. November 2016.

Das Absacken von Moorgebieten könnte den niederländischen Staat mehrere Milliarden Euro kosten. Dies geht aus einer Studie des Planbureau voor de Leefomgeving (PBL), die in der vergangenen Woche erschien, hervor. Es geht dabei um bis zu 5,2 Milliarden Euro für den Erhalt und Unterhalt von Straßen, Kanalisation und Kabeln. Zusätzlich dazu könnten Sanierungsarbeiten an Fundamenten von bis zu 300.000 Häusern etwa 16 Milliarden Euro kosten. Für die Folgen von absackenden Böden in der Landwirtschaft rechnet das PBL etwa mit einer Milliarde Euro.

Laut des PBL könnten diese zweistelligen Milliardenbeträge geringer ausfallen, wenn der Staat rechtzeitig eingreift und schützende Maßnahmen beschließt. Dabei erklärt das PBL nachdrücklich, dass Schadensbegrenzung und kurzfristige Lösung nicht sinnvoll seien, viel wichtiger sei es langfristig die Ursachen zu bekämpfen, um solche Szenarien in der Zukunft zu vermeiden. Das PBL sieht an dieser Stelle insbesondere die Provinzen, die waterschappen und die Gemeinden in der Verantwortung, in Rücksprache mit der Bevölkerung, für nachhaltige Lösungen zu sorgen. Aber auch auf nationaler Ebene müssen Lösung her, so das PBL und die betroffenen Gemeinden. Bislang hat der Staat 2 Millionen Euro bereitgestellt, dies sei jedoch zu wenig, so das PBL.

Dass der Boden versackt, hat verschiedene Gründe. Zum einen liegt es an der vorhandenen Infrastruktur: Straßen oder Häuser, die sich in Moorgebieten befinden, drücken auf den weichen Untergrund, der mit der Zeit nachgibt. In der Vergangenheit hat man bei der Infrastrukturplanung diese Problematik kaum miteinbezogen, weswegen es jetzt örtlich dazukommt, dass der Boden versinkt. Das PBL schlägt deswegen vor, in der Zukunft bei der Auswahl von Neubaugebieten sorgfältiger zu sein. Auch in weniger urbanen Gebieten kommt es zum Absacken des Bodens: In landwirtschaftlich geprägten Regionen ist das Sinken des Grundwasserspiegels häufig die Ursache für das Versacken des Bodens. Die sogenannte nasse Landwirtschaft, anstatt herkömmlicher Milchviehhaltung, in Kombination mit unterirdischer Drainage könnte dies verhindern.

Etwa 9 Prozent der niederländischen Grundfläche besteht aus Moorgebieten. Moor ist eine Ansammlung von abgestorbenen Pflanzenresten, die sehr weich ist und sich zersetzt sobald sie Sauerstoff ausgesetzt wird. Betroffen sind insbesondere die Moorgebiete in der Provinz Friesland und die Region zwischen Zaandam und Dordecht. Wie stark der Boden sinkt merken die Bewohner von Gouda und Woerden: Dort sinkt die Erde jährlich um bis zu zwei Zentimeter.