Nachrichten NOVEMBER 2016


VOGELGRIPPE: Stallpflicht für Federvieh in den Niederlanden

Monnickendam.SB/Trouw/VK/NRC. 14. November 2016.

In Europa häufen sich wieder die Fälle von Vogelgrippe. Auch in den Niederlanden wurde nun bei verendeten Tieren das Virus nachgewiesen. Für jedwedes Federvieh, das zu kommerziellen Zwecken gehalten wird, gilt nun eine Stallpflicht. Die Angst vor einer Ausbreitung des für Vögel tödlichen Erregers ist groß.

Das Jahr 2003 ist vielen Bauern noch klar im Gedächtnis geblieben. Damals mussten wegen einer Vogelgrippeepedemie in den Niederlanden 31 Millionen Hühner, Puten und Enten in insgesamt 1350 Betrieben getötet werden. Auch 19 Menschen, die an den Räumungen beteiligt waren hatten sich damals angesteckt. Ein Tierarzt aus Rosmalen in der Provinz Nordbrabant starb sogar an dem Virus. Nach dem „Katastrophenjahr“ hatte es noch mehrere Fälle von Vogelgrippe in Betrieben gegeben, allerdings nie wieder in diesem Umfang. Das letzte Mal, dass eine landesweite Stallpflicht ausgerufen wurde war vor zwei Jahren. Damals mussten 125.000 Hühner vergast werden.

Auch jetzt gilt wieder erhöhte Aufmerksamkeit. In Deutschland, Österreich, Polen und der Schweiz konnte das Vogelgrippevirus bereits nachgewiesen werden. Zu Beginn der vergangenen Woche wurden schließlich auch in den Niederlanden verendete Vögel in der Nähe von Monnickendam in der Provinz Nord-Holland gefunden. Am Samstag bestätigte das Wirtschaftsministerium, dass die tot aufgefundenen Wasservögel mit dem H5-Virus infiziert waren. Um eine Ausbreitung des Virus zu vermeiden, wurde am Mittwochabend vom Staatssekretär des Wirtschaftsministeriums, Van Dam (PvdA), eine präventive Stallpflicht angekündigt. Außerdem rief er den Sektor zu zusätzlichen Hygienemaßnahmen auf.

Die betroffenen Bauern und Verbände äußerten sich alle positiv zu dieser Maßnahme. Bauer Theo Bos beurteilte die Situation ganz pragmatisch: „Ein vernünftiger Entschluss. Besser direkt eine Ansteckung vermeiden als nichts zu tun und eine Ausbreitung zu riskieren“. Auch der Bauernverband LTO und der Gewerkschaftsbund der Federviehhalter (NPV) sprachen sich für diese Vorsichtsmaßnahme aus. „Es ist sehr gut, dass die Vögel als Vorsichtsmaßnahme nun alle drinnen gelassen werden. So schlimm ist das auch nicht. Hühner sind keine Freunde von Kälte und Regen“, sagte NPV-Sekretär Jan Brok.

Das allerdings ist nur die halbe Wahrheit. Hühner sind Gewohnheitstiere und wenn sie es gewohnt sind rausgelassen zu werden, wird ihnen im Stall schnell langweilig. Damit die Vögel ihren Frust nicht aneinander auslassen, müssen sich die Halter also etwas einfallen lassen. Bauer Rolf Kanninga ist kreativ geworden. Er streut zusätzlichen Mais durch den Stall, verteilt Strohballen, auf die die Hühner klettern können und verteilt gepresste Futterwürfel, an denen die Hühner lange zu picken haben. So sieht Beschäftigungstherapie für gelangweilte Hühner aus.

Für die allermeisten Federviehhalter hat die Stallpflicht allerdings überhaupt keine Auswirkung. Denn nur Bio- und freilaufende Hühner kommen überhaupt jemals aus dem Stall raus. Bei Hühnern, die für den Verzehr gezüchtet werden, ist die Zahl der betroffenen Hühner völlig unerheblich. Bei Legehennen sind rund 20% der Hühner betroffen.  Alles in allem geht es um 6,5 Millionen Hühner, die nicht nach draußen dürfen. Zum Vergleich: Insgesamt gibt es in den Niederlanden 40 Betriebe die Puten, 60 die Enten und 2000 die Hühner halten mit rund 103 Millionen Hühnern. 12 Wochen dürfen freilaufende Hühner drinnen gehalten werden, bevor ihre Eier das Gütesiegel „Eier von Freilandhühnern“ einbüßen. Bei biologischen Eiern gibt es eine solche Einschränkung nicht, vorausgesetzt es handelt sich um Gründe, die unter die Kategorie höhere Gewalt fallen.

Erst im Laufe des heutigen Tages wird das Wirtschaftsministerium bekanntgeben, ob es sich um die sehr ansteckende Variante des H-Virus handelt und um welchen N-Typ es geht. Wie lange die Stallpflicht aufrechterhalten wird, ist demnach noch nicht bekannt. Die Gemeinde Zeewolde in der infizierte Wasservögel gefunden wurden und das Ministerium für Wirtschaft haben indessen die Bürger davor gewarnt kranke oder tote Vögel anzufassen, da das Virus bei längerem Kontakt auch auf den Menschen übertragen werden kann.