Nachrichten NOVEMBER 2016


VIEHWIRTSCHAFT: Die Provinz Brabant will Viehbestände minimieren

Brabant.SB/VK/NRC. 21. November 2016.

Seit Jahren wachsen die Viehbestände in Nord-Brabant. Jetzt will die nutztierreichste Provinz der Niederlande die Notbremse ziehen. Die Landesregierung (provinciebestuur) hat vorgeschlagen, dass Viehhalter nur noch dann einen neuen Stall bauen dürfen, wenn irgendwo anders in der Region ein alter dafür abgerissen wird. Die betroffenen Bauern sind von diesem Vorschlag alles andere als angetan.

In der Provinz Brabant werden im Moment rund 35 Millionen Tiere „intensiv“ gehalten. Intensiv, das bedeutet in den Niederlanden Massentierhaltung. In Nord-Brabant leben zurzeit etwa 2,4 Millionen Menschen. Das heißt auf einen Menschen kommen 14,6 Nutztiere. Zuviel meinen viele Bürger. Tatsächlich sind die Wachstumszahlen für den Zeitraum zwischen 2005 und 2016 enorm. Hühner und Rinder sind mit einem Wachstum von 7 und 8 Prozent noch verhältnismäßig konstant geblieben. Schweine allerdings verzeichnen ein Wachstum von 20 Prozent und die Zahl der Ziegen hat sich seit 2005 mit 44 Prozent fast verdoppelt.

Die insgesamt rund 27 Millionen Hühner, knapp 6 Millionen Schweine und die 700.000 Rinder leben zu 25 bis 30 Prozent in Ställen, die 15 Jahre oder älter sind. Viele Bauern haben zwar in den letzten Jahren ihre Bauernhöfe um neue, nachhaltigere Ställe erweitert, die alten aber häufig einfach weiter verwendet. In bereits existierenden Ställen gelten nämlich sowohl weniger strenge Regeln für das Wohlbefinden der Tiere als auch weniger strenge Umweltschutzvorgaben. Pro Quadratmeter dürfen in älteren Ställen beispielsweise mehr Tiere gehalten werden.

Vor einem Jahr schrieb die Landesregierung, dass in einigen Teilen Brabants die Viehbestände ein Ausmaß erreicht hätten, welches gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert würde. Dies gelte vor allem für das Gebiet um de Peel und die Stadt Kempen. Bereits vor sechs Jahren war zwar ein Verbot für so genannte „Megaställe“ erlassen worden, dies konnte das anhaltende Wachstum der Viehbestände jedoch nicht verhindern. In den letzten Monaten hat die Provinz sogenannte „mestdialogen“, also Mist- bzw Gülle-Dialoge abgehalten, an denen neben Landesfunktionären auch Bauern und Bürger teilnehmen konnten. Der Vorschlag ab sofort nur noch den Bau neuer Ställe zu genehmigen, wenn dafür ältere Stelle entfernt werden, ist aus einem solchen runden Tisch hervorgegangen.

Die „staldering“, wie die Maßnahme auch genannt wird, stößt bei Aktionsgruppen, die schon seit Jahren für die Verminderung der Tierbestände kämpfen auf Begeisterung. Wim van Opbergen, Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Erhaltet de Peel“, kommentierte den Vorschlag so: „Das ist ein sehr guter Vorschlag, auf dessen Basis wir endlich einen Stillstand, oder gar einen leichten Rückgang der Viehbestände erreichen können. Staldering ist ein erster Schritt um den gesellschaftlichen Rückhalt wieder herzustellen.

Die Maßnahme würde sich allerdings nicht nur für diejenigen positiv auswirken, die „nachts vor lauter Mist wachliegen“, sondern auch für die Umwelt. Die Provinz erhofft sich so eine Reduzierung der gegenwärtig zu hohen Stickstoffkonzentration zu erreichen. Von Seiten der Bauern allerdings kommt harsche Kritik an dem Vorschlag. Der Bauernbund ZLTO (Zuidelijke Land- en Tuinbouworganisatie) etwa ließ verlautbaren, dass der eins zu eins Tausch zu zusätzlichen Kosten und unerwünschten Effekten führen könnte. Die Konzentration von Nutzvieh auf einer Stelle würde sich dadurch nur weiter verstärken, so ZLTO-Vorsitzender Hans Huijbers. Der Bauernbund hat bereits angekündigt dagegen in Aktion treten zu wollen.

Ganz und gar rasend macht Hans Huijbers allerdings ein anderer Vorschlag der Provinz. Diese hat nämlich erwogen die Ziele für die maximale Stickstoffkonzentration um acht Jahre zu beschleunigen. Statt 2028 sollen die finalen Ziele bereits 2020 erreicht werden. Denn der Ausstoß von Stickstoff bleibe alarmierend doch, wodurch Brabant Europäische Naturschutzvorgaben übertrete, so Landesabgeordneter (PROVINCIEBESTUURDER) Johan van den Hout von der SP. „Die Landespolitik setzt in vollem Bewusstsein die zukünftige Existenz hunderter Bauernfamilien aufs Spiel. Das ist im Widerspruch mit gesellschaftlichen Moralvorstellungen und einfach unakzeptabel“, empörte sich Huijbers über den Vorschlag. Auch dagegen hat der Bauerverband bereits mit Widertand gedroht. „Wir lassen die Traktoren schon mal warmlaufen.
Die Maßnahmen gelten übrigens nicht für Kühe, da die Provinz Vorgaben der nationalen Politik nicht in die Quere kommen will.

Gleichzeitig dazu gibt es in den Niederlanden aber auch noch einen anderen Trend. Die meisten Bauern im fortgeschrittenen Alter haben keinen Nachfolger, der ihren Bauernhof übernimmt. Dadurch werden in den nächsten 10 Jahren schätzungsweise 15.000 Bauernhöfe verschwinden. Da gerade im Süden des Landes weniger Junge bereit sind, um Bauernhöfe zu übernehmen, könnte sich in Brabant das Problem also automatisch relativieren.