Nachrichten Mai 2016


SINTERKLAAS: Figur des Zwarte Piet sorgt erneut für Diskussionen

Hilversum. SW/NRC/NOS/VK. 31. Mai 2016.

Seit vergangener Woche sorgt die Figur des Zwarte Piet in den niederländischen Medien wieder für Diskussionen. Hundert bekannte Niederländer forderten den Fernsehsender NTR dazu auf, die Darstellung des Zwarte Piet im kommenden Winter anzupassen. In einer Reaktion teilte der NTR mit, dass solche Veränderungen Zeit bräuchten.

In den Niederlanden ist die Diskussion über die kontroverse Figur des Zwarte Piet wieder aufgeflammt. Am vergangenen Freitag haben etwa hundert bekannte Schriftsteller, Schauspieler und TV-Macher den Fernsehsender NTR in einem offenen Brief dazu aufgefordert, die Darstellung des Zwarte Piet in der bekannten Kindersendung Het Sinterklaasjournaal anzupassen. Der in der Zeitung NRC erschienene Brief trug die Überschrift „Lieber Programmchef, winke Zwarte Piet zum Abschied“, eine Anspielung auf die traditionelle Verabschiedung des Sinterklaas am 6. Dezember.

In dem Brief wird dem Sender vorgeworfen, er werde seinem staatlichen Bildungsauftrag und seiner Funktion als Sprachrohr der sogenannten verletzlichen Zielgruppen und Genres nicht gerecht. Der Sender stehe in der Pflicht, ein moralischer Kompass zu sein, schreiben die Verfasser des Briefes: „Seit einigen Jahren tobt in den Niederlanden eine heftige Debatte über Zwarte Piet. Tut so eine stereotypische Darstellung dunkelhäutiger Menschen einer multikulturellen Gesellschaft gut? Das Sinterklaasjournaal des NTR spielt in dieser Debatte eine wichtige Rolle: Diese Sendung trägt schließlich den einzig wahren Sinterklaas in die Wohnzimmer der Niederlande. Die Sendung entscheidet somit auch über die Form, in der die Figur des Zwarte Piet zur Schau gestellt wird.“

Die Verfasser des Briefes erklären, dass niemand die Absicht habe, das Sinterklaasfest zu verderben. Bislang würden siche die Verantwortlichen beim NTR sich jedoch noch zu sehr vor Veränderungen verschließen. So soll der Präsentatorin der Sendung, Dieuwertje Blok, mit Kündigung gedroht worden sein, nachdem sie sich öffentlich für eine veränderte Darstellung des Zwarte Piet ausgesprochen hatte. Zuvor hatte bereits einer der Hauptdarsteller des Sinterklaasjournaal, Erik van Muiswinkel, öffentlich kritisiert, dass die Programmleitung nur unzureichend anpassungswillig sei und er deswegen gekündigt habe. Muiswinkel gehört ebenfalls zu den Unterzeichnern des Briefes. Des Weiteren wurde der Brief vom Kolumnist der Zeitung de Volkskrant Arnon Grunberg, dem ehemaligen niederländischen Fußballnationalspieler Patrick Kluivert, der ehemaligen Parteivorsitzenden von GroenLinks Femke Halsema und dem Sänger und Fernsehmoderator Paul de Leeuw unterzeichnet.

Der staatliche Fernsehsender reagierte am Montag nach einem Wochenende Bedenkzeit auf den Brief. Dort kündigten der Direktor des NTR, Paul Römer, und der Mediendirektor, Carel Kuyl, an, dass die Darstellung des Zwarte Piet sich definitiv verändern werde, dass diese Veränderung jedoch nicht von heute auf morgen stattfinden könne. Die beiden Direktoren wiesen auf die bereits 2004 vorgenommenen Veränderungen hin: „Der Weg, der 2014 erneut eingeschlagen wurde, ist nicht mehr umkehrbar. Dass der Zwarte Piet sich verändert, ist offensichtlich und selbstredend. Es geht nun nur noch um die Art und Weise worauf, und insbesondere die Geschwindigkeit, womit dies geschieht.“ Die Programmchefs erklärten, dass auch das Team des Sinterklaasjournaal zwischen verschiedenen Positionen lavieren müsse: „So wie im Rest der Niederlande, ist nicht jeder im Team des Sinterklaasjournaal, von Schauspieler bis Schreiber, derselben Meinung. Für den einen kann es nicht schnell genug gehen, für den anderen sollte das Sinterklaasjournaal keine Vorreiterrolle einnehmen.“

Weitere Informationen über den Verlauf der Zwarte Pieten Diskussion, finden Sie hier.