Nachrichten Mai 2016


WIRTSCHAFT: 1,8 Millionen Niederländern drohen Rentenkürzungen

Den Haag. SW/VK/NRC/NOS. 24. Mai 2016.

Im kommenden Jahr sind womöglich 1,8 Millionen Senioren und Arbeitnehmer in den Niederlanden von Rentenkürzungen betroffen. Viele Rentenfonds kämpfen seit geraumer Zeit mit finanziellen Problemen aufgrund niedriger Zinsen und schlechter Renditen im Anlagegeschäft.

Schätzungsweise 1,8 Millionen Rentnern und Arbeitnehmern in den Niederlanden drohen ab dem kommenden Jahr Rentenkürzungen. Dies teilte die Staatssekretärin für Soziale Angelegenheiten, Jetta Klijnsma, in einem Brief an die Tweede Kamer mit. Die Staatssekretärin verwies dabei auf einen Bericht der aufsichtshabenden Behörde De Nederlandsche Bank (DNB) vom vergangenen Freitag. Aus diesem Bericht geht hervor, dass die Rentenfonds aufgrund finanzieller Probleme ihre Rentenausgaben im kommenden Jahr vermutlich kürzen müssen. Bislang sind 27 Rentenfonds betroffen. Sie müssen ihre Renten im nächsten Jahr um 0,5 Prozent senken, bei einer durchschnittlichen Rente von monatlich 1.100 Euro sind dies 5,50 Euro.

Bislang sind die fünf größten Rentenfonds, ABP, Zorg en Welzijn, Metaal en Bouw, noch nicht von eventuellen Kürzungen betroffen. Ob dies so bleibt, wird sich erst im Dezember diesen Jahres zeigen. Die Staatssekretärin zeigte sich diesbezüglich optimistisch: „Grundlage dieser Daten ist der 31. März. Die Deckungsgrade [Anm. d. Red: das Verhältnis von Vermögen zu finanziellen Verpflichtungen] sehen inzwischen ganz anders aus. Es kann sich also wandeln.“ Eventuelle Zinssteigerungen, welche den Rentenfonds zugute kämen, will die Staatssekretärin noch nicht ausschließen.

Grund für die finanziellen Engpässe der Rentenfonds sind niedrige Zinsen und schlechte Renditen im Anlagegeschäft. Bereits im vergangenen Jahr hatten viele Rentenfonds nur unzureichende Deckungsgrade: 84 Prozent der insgesamt 220 Rentenfonds verfügten nicht über ausreichende finanzielle Mittel, um den gesetzlichen Regelungen zu entsprechen. Sie mussten der aufsichtshabenden Behörde DNB einen Rettungsplan vorlegen. Im vergangenen Quartal waren die Deckungsgrade weiter gesunken: von 102 Prozent auf 96 Prozent. Gesetzlich vorgegeben sind 104 Prozent. Sollte der Trend sich weiter fortsetzen, könnten im kommenden Jahr 200 Rentenfonds betroffen sein.

Dies wäre nicht das erste Mal, dass Renten gekürzt werden müssen. In den vergangenen Jahren konnten die Rentenerhöhungen kaum noch mit der wachsenden Inflation Schritt halten.