Nachrichten Mai 2016


STERBEHILFE: D66 will Gesetzesinitiative für selbstbestimmtes Sterben einbringen

Den Haag. SW/VK/AD/RTLnieuws. 23. Mai 2016.

Die Partei D66 will einen Gesetzesvorschlag einbringen, der es Senioren ermöglicht, ihr Leben selbstbestimmt zu beenden. Die Regierungspartei VVD ließ bereits wissen, dass sie den Vorschlag wohlwollend prüfen werde. Zwei Interessensverbände hatten zuvor bereits angekündet im kommenden Jahr Probeversuche mit Selbsttötungspillen starten zu wollen.

Vergangenen Sonntag gab die D66-Abgeordnete Pia Dijkstra in der Fernsehsendung Nieuwsuur bekannt, noch dieses Jahr eine Gesetzesinitiative für selbstbestimmtes Sterben auf den Weg bringen zu wollen. Diese soll es Senioren ermöglichen, ihr Leben mittels einer Selbsttötungspille zu beenden, wenn sie das selbst wünschen, auch wenn es keine medizinische Indikation dafür gibt. Gegenwärtig könne diesen Menschen mit der bestehenden Sterbehilfe-Gesetzgebung nicht geholfen werden, da diese nur von einem medizinischen Standpunkt aus urteilt. D66 sieht diesbezüglich erheblichen Handlungsbedarf: „Untersuchungen haben ergeben, dass es sich um mehrere Zehntausend Senioren handelt, die mit einem anhaltenden Sterbewunsch kämpfen.“

In einem Interview mit dem Pressebüro ANP teilte die Fraktion mit, dass die Gesetzesvorlage nur für Menschen über 80 Jahre gelten solle, um zu vermeiden, dass Jüngere Gebrauch von der Möglichkeit machen: „Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Ältere durch ihre Erfahrung mit einem langen Leben besser in der Lage sind, selbst zu entscheiden, ob das Leben für sie noch lebenswert ist als Jüngere.“ Deshalb sollen im Gesetzesvorschlag die selbe Sorgfältigkeit und ähnliche Regelungen wie im jetzigen Sterbehilfegesetz Anwendung finden. Die Regierungspartei VVD teilte bereits mit, die würde den Vorschlag „wohlwollend“ prüfen.

Auch zwei Interessensorganisationen hatten sich in der Fernsehsendung Nieuwsuur dafür ausgesprochen, ein selbstbestimmtes Sterben gesetzlich zu ermöglichen. Die Niederländische Vereinigung für ein freiwilliges Lebensende (NVVE) will ab Januar nächsten Jahres einen Probeversuch starten, bei dem es Menschen über 75 Jahren ermöglicht wird, eine Selbsttötungspille zu erhalten, nachdem ihnen die gängige Sterbehilfe verweigert wurde. Ein Arzt soll jedoch kontrollieren, ob die Sterbepille verabreicht werden darf.

Die Kooperation Letzter Wille (CLW) will noch einen Schritt weiter gehen. Sie will ein selbstbestimmtes Lebensende ab 18 Jahren ermöglichen. Ein Arzt soll dabei nicht zu Rate gezogen werden, wohl aber soll der Patient von einem Mitglied der Kooperation betreut werden. Gegenüber der Fernsehsendung Nieuwsuur sagte der Initiativnehmer Gert Rebergen: „Sich selbst zu töten, ist natürlich immer möglich. Aber in den Niederlanden ist dies ausschließlich auf sehr fürchterliche Art möglich oder mittels einer Straftat, bei der die Substanzen illegal im Ausland erworben werden.“

Anfang des Jahres war die Kommission Schnabel noch zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Anpassung der bestehenden Sterbehilferegeln zugunsten eines selbstbestimmten Sterbens nicht nötig sei. D66 schätzt die Situation jedoch anders ein: „Diese Altersproblematik wird auch mit der bestmöglichen Altenpflege nicht verschwinden.“ Eine Umfrage im Jahr 2008 ergab, dass es in der niederländischen Bevölkerung eine Mehrheit gibt, die sich für die kontrollierte Einführung einer Selbsttötungspille ausspricht.

Eine Übersicht über die gegenwärtige Sterbehilferegelung in den Niederlanden, finden Sie hier.