Nachrichten Mai 2016


GLEICHSTELLUNG: 31 Prozent der niederländischen Spitzenbeamten weiblich

Den Haag. SW/VK/NRC. 20. Mai 2016.

Inzwischen wird jede dritte Spitzenposition im niederländischen Staatsdienst von einer Frau besetzt. Es gibt jedoch noch große Unterschiede zwischen den einzelnen Ministerien. In der freien Wirtschaft wird nur jede zehnte Spitzenposition von einer Frau besetzt.

Von den fast 500 Spitzenbeamten im niederländischen Staatsdienst sind 31 Prozent weiblich. Damit hat die Regierung ihr angestrebtes Ziel von 30 Prozent weiblicher Spitzenkräfte erreicht, zwei Jahre früher als in der Koalitionsvereinbarung festgelegt. Dies teilte der Innenminister Stef Blok (VVD) vergangenen Dienstag beim Rechenschaftstag mit, an diesem Tag müsse alle Ministerien Rechenschaft über die Resultate des vergangenen Jahres ablegen.

Trotz des Erfolgs gibt es nach wie vor große Unterschiede zwischen den einzelnen Ministerien. Besonders im Ministerium für Soziale Angelegenheiten und Arbeit (44 Prozent) und im Bildungsministerium (40 Prozent) arbeiten viele Frauen in Spitzenfunktionen, vergleichsweise Wenige im Verteidigungs- (9 Prozent) und im Wirtschaftsministerium (17 Prozent). Loes Mulder, die Direktorin des Algemene Bestuursdienst, der verantwortlich ist für die Selektion der Spitzenbeamten, erklärt das Gefälle zwischen den verschiedenen Ministerien mit deren unterschiedlichen historischen Entwicklungen. Aber da Beamte zwischen den verschiedenen Ministerien jederzeit wechseln können, erwartet Mulder, dass die Unterschiede in der Zukunft abnehmen werden.

Die Vorgabe ein Drittel aller Spitzenfunktionen mit Frauen zu besetzen gilt auch für 4.900 niederländische Unternehmen. Deren Erfolge hinsichtlich der Gleichstellung stehen jedoch in einem deutlichen Kontrast zu den Erfolgen des niederländischen Staates. Bislang wird gerade mal jede zehnte Spitzenfunktion in der freien Wirtschaft mit einer Frau besetzt. Die Unternehmen haben sich drauf verständigt den Zeitraum bis zur Erfüllung der Vorgabe bis 2023 zu verlängern. Sollte es den Unternehmen jedoch in den kommenden drei Jahren nicht gelingen zumindest jede fünfte Spitzenfunktion mit einer Frau zu besetzen, wird die 30 Prozent Vorgabe gesetzlich festgelegt.

Minister Blok erklärte diesbezüglich: „Die Zahlen lügen nicht. Offensichtlich geben Unternehmen Frauen nicht den Schubs, den der Staat ihnen gibt.“ Dieser Schubs ist laut Blok dringend nötig: „Denn Frauen sagen nicht so schnell: Und jetzt bin ich an der Reihe.“ Auch Loes Mulder sieht Unternehmen in dieser Hinsicht in der Verantwortung: „Es darf keine Ambivalenz herrschen. Man muss wirklich glauben: Wir brauchen diese Frauen. Wenn ein Unternehmen daraus eine Art Wohltätigkeitsaktion macht und denkt: Für das Image ist es ganz nett, wenn wir auch noch eine Frau hätten, wird es nichts.“