Nachrichten Mai 2016


WIRTSCHAFT: Niederländische Staatsschulden das erste Mal seit 2006 gesunken

Den Haag. SW/VK/NOS. 19. Mai 2016.

Die niederländischen Staatsschulden und die Neuverschuldung sind im vergangenen Jahr gesunken. Die Wirtschaft wächst und die Arbeitslosigkeit sank. Dennoch haben die Niederlande den Euro-Stabilitätspakt nicht einhalten können.

Vergangenen Mittwoch präsentierte der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem seinen finanziellen und wirtschaftlichen Jahresbericht 2015. Laut des Berichts sind die niederländischen Staatsschulden das erste Mal seit 2006 wieder gesunken. Die Staatsschulden sanken demnach von 452 Milliarden Euro auf 442 Milliarden Euro, pro Kopf beträgt die Staatsschuld nun 26.000 Euro. Ein wichtiger Grund für den Rückgang der Staatsschulden ist der Gang an die Börse der zuvor verstaatlichten Bank ABN AMRO. Der Börsengang brachte dem Staat 3,8 Milliarden Euro ein. Dijsselbloem nannte den Rückgang der Staatsschulden „einen wichtigen Wendepunkt“. Problematisch bleiben die Staatsschulden dennoch, da sie 2015 65,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts betrugen und somit höher sind als die im Euro-Stabilitätspakt festgelegten 60 Prozent.

Der Jahresbericht hielt noch mehr gute Nachrichten bereit. Auch das Haushaltsdefizit ist weiter gesunken, auf 1,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. 2014 lag das Haushaltsdefizit noch bei 15,6 Milliarden Euro, dies sank 2015 um 3,2 Milliarden Euro auf 12,4 Milliarden Euro. Trotz geringerer Erdgasgewinne ist die Wirtschaft um 2 Prozent gewachsen. Zudem ist 2015 die Arbeitslosigkeit weiter gesunken. 2014 waren noch 7,4 Prozent der Berufsbevölkerung arbeitslos (660.000 Menschen), 2015 waren dies nur noch 6,9 Prozent (614.000 Menschen). Aufgrund der ansteigenden Produktion stiegen die Erwerbsmöglichkeiten, es wurden 100.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Somit gab es im vergangenen Jahr insgesamt zirka 10 Millionen Arbeitsplätze. Auch der Wohnungsmarkt entwickelte sich positiv. 2015 wurden 178.000 Immobilien verkauft, damit bewegt sich der Markt wieder auf Vor-Krisen-Niveau zurück.

Der Finanzminister Jeroen Dijsselbloem erklärte, man dürfe sich auf den Resultaten nicht ausruhen: „Der Staatshaushalt hat noch nicht die Topkondition wie Dafne Schippers [Anm. d. Red: niederländische Leichtathletin], als sie vergangenes Jahr Weltmeisterin im Sprint wurde. Es bedarf Zeit, um ein gewisses Niveau zu erreichen. Aber alles in allem zeigt der Jahresbericht 2015 die Ergebnisse der schwierigen Maßnahmen der letzten Jahre.“