Nachrichten Mai 2016


HOMOSEXUALITÄT: Niederlande werden immer toleranter

Den Haag. SW/VK/NOS. 13. Mai 2016.

Bezüglich Homosexualität sind die Niederlande toleranter geworden. Zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen gibt es jedoch nach wie vor Unterschiede. Europaweit sind die Niederlande hinsichtlich Homo- und Bisexualität eines der tolerantesten Länder.

Niederländer werden gegenüber Homo- und Bisexualität immer toleranter, dies gab das Sociaal en Cultureel Planbureau vergangenen Donnerstag bekannt. Laut dem Planbureau sei in allen Bevölkerungsgruppen, auch in religiös-konservativen, die Akzeptanz gegenüber Menschen mit einer anderen sexuellen Orientierung weiter gestiegen. Während 2006 noch 15 Prozent der niederländischen Bevölkerung Homo- und Bisexualität gegenüber negativ eingestellt war, ist dieser Wert jetzt auf 7 Prozent gesunken. In seinem Bericht schreibt das Planbureau: „Menschen haben wenig bis keine Probleme mit der Homoehe, dem Recht so zu leben, wie homosexuelle Frauen und Männer das selbst wollen und einer homosexuellen Orientierung der eigenen Kinder oder einer Lehrkraft.“

Dennoch gebe es laut des Planbureaus noch große Unterschiede zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen in den Niederlanden bezüglich der Akzeptanz von Homosexualität. So ist die Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlichen Ehen bei strenggläubigen, türkischen, marokkanischen, somalischen und polnischen Niederländern niedriger als bei anderen niederländischen Bevölkerungsgruppen. Im Alltag erfahren viele Homosexuelle noch Probleme und Diskriminierung. Sie erleben häufiger Einschüchterung im Beruf, fühlen sich auf der Straße weniger sicher und werden häufiger Opfer von Gewalt als Heterosexuelle.

Insgesamt sind die Niederlande eines der tolerantesten Länder Europas. Lisette Kuyper war an der Studie des Sociaal en Cultureel Planbureaus beteiligt: „Die Niederlande sind in Europa in dieser Hinsicht ein Spitzenland. Wie waren bereits sehr positiv und werden immer positiver. Andererseits stellt man fest, dass Länder mit einer negativen Haltung, negativ bleiben.“ Es handele sich dabei insbesondere um Länder in Ost-Europa, sagt Kuyper: „Dies liegt an der politischen Debatte dort, es herrscht eine Dominanz der Kirche und der Gesetzgebung.“

Die Einschätzung des Sociaal en Cultureel Planbureaus wird jedoch nicht von allen geteilt. Die Vorsitzende der LHBT-Emanzipation Organisation Amsterdam Gay Pride, Irene Hemelaar, ist der Auffassung, dass die Toleranz abgenommen hat: „Was mir jedoch positiv auffällt, ist, dass Menschen, die sich bedroht fühlen, eher an die Öffentlichkeit gehen, wodurch Einschüchterung und Intoleranz mehr Aufmerksamkeit entgegen gebracht wird. Aber wir sollten nicht vergessen, dass es nach wie vor 76 Länder gibt, in denen Homosexualität illegal ist. In 7 Ländern droht sogar die Todesstrafe.“