Nachrichten Mai 2016


EXPO2025: Regierung nominiert Rotterdam nicht

Den Haag. SW/NRC/NOS. 12. Mai 2016.

Die niederländische Regierung und der Wirtschaftsminister Henk Kamp lehnen eine Nominierung der Stadt Rotterdam für die Weltausstellung 2025 ab. Die Initiativnehmer werfen der Regierung mangelnden Weitblick vor.

Die niederländische Regierung hat sich entschieden Rotterdam nicht als mögliche Gastgeberstadt für die Weltausstellung 2025 zu nominieren. Anders als die Initiativnehmer rechnet der Wirtschaftsminister Henk Kamp nicht mit einem wirtschaftlichen Impuls, sondern mit einem finanziellen Schaden von 500 Millionen bis 1 Billion Euro, dies teilte er der Tweede Kamer schriftlich mit.

Kamp betonte jedoch, dass er beeindruckt sei angesichts der Unterstützung und der Sympathie seitens der niederländischen Wirtschaft und regionaler und lokaler öffentlicher Einrichtungen. Er wolle jedoch lieber weiter nach „nationalen Ikonen“ suchen, worauf man jetzt und in der Zukunft stolz drauf sein könne. 2014 waren unter anderem gezüchtete Stammzellen und Hybridkartoffeln zu Ikonen benannt worden.

Die Initiativnehmer zeigten sich enttäuscht und frustriert angesichts der Entscheidung der Regierung. Gegenüber der Zeitung de Volkskrant sagte Leendert Bikker: „Was für ein wertloser Blick auf unsere Wirtschaft. Die Niederlande haben es in sich das Singapur Europas zu werden. Nicht mehr lange und wir sind ein Open-Air-Museum mit der Hauptaufgabe Festivals zu organisieren. Das darf doch nicht wahr sein?“  Seitens der Initiative rechnete man mit 20 Millionen Besuchern in 6 Monaten und einem signifikanten wirtschaftlichen Wachstum für die Stadt Rotterdam.

Große niederländische Unternehmen, wie Heineken, Shell und KLM, befürworteten die Expo2025, ebenso wie die Erasmusuniversität, die niederländische Bahn NS und die Provinz Zuid-Holland. Auch die Stadt Rotterdam hatte eine Expo in der eigenen Stadt befürwortet. Die Stadtverwaltung hatte gehofft, die Expo könnte wie ein Katalysator für einige Infrastrukturprojekte wirken. So sollten Teile des westlichen Hafengebiets durch eine neue Brücke besser angeschlossen und somit attraktiver werden, ebenso hatte man sich eine neue U-Bahnlinie erhofft. Bikker glaubt zu wissen, warum die Regierung sich weigert: „Den Haag hatte die Idee nicht selbst und deshalb ist es kompliziert. Sie reden immer zu von Partizipation, aber letztlich wissen sie mit solchen Initiativen nichts anzufangen.“

Die Weltausstellungen sind prestigeträchtige Veranstaltungen, bei denen das Gastgeberland seine wirtschaftliche, soziale, kulturelle oder technische Entwicklung der Welt darbieten kann. Der Veranstaltungsort wechselt jährlich. Um Gastgeber werden zu können, muss die Regierung eine Stadt beim Bureau International des Expositions nominieren.