Nachrichten Mai 2016


ZWEITER WELTKRIEG: Bis zu 1085 vermisste Kriegspiloten noch in den Niederlanden

Amsterdam. SW/NRC/TROUW. 06. Mai 2016.

Möglicherweise befinden sich die Leichname von bis zu 1085 vermissten Kriegspiloten aus dem Zweiten Weltkrieg noch in den Niederlanden. Durch ungünstige Umstände wurden viele Flugzeuge bislang nicht geborgen. Im Zweiten Weltkrieg waren mehr als 5.000 Flugzeuge über den Niederlanden abgestürzt.

Womöglich befinden sich die sterblichen Überreste von 1085 vermissten Kriegspiloten aus dem Zweiten Weltkrieg noch in den Niederlanden. Dies ergab eine Analyse der Studiegroep Luchtoorlog 1939-1945 in Zusammenarbeit mit dem Nachrichtenprogramm NOS. Während des Zweiten Weltkriegs waren zahlreiche Flugzeuge über den Niederlanden abgestürzt, insbesondere Deutsche und Britische. Viele dieser Absturzstellen sind seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ausgegraben worden und die dort gefundenen Leichname identifiziert worden. Gegenwärtig gibt es in den Niederlanden jedoch noch 501 bekannte Absturzstellen, die noch nicht ausgegraben wurden.

Es handelt sich sowohl um Flugzeuge, die über Wasser als auch über Land abgestürzt sind. Die meisten, der nach wie vor vermissten Besatzungsmitglieder stürzten über Wasser ab, etwa über dem Wattenmeer oder dem Ijsselmeer. Bergungen im Wasser gestalten sich besonders problematisch, da es viel schwieriger ist Flugzeugwracks im Wasser genau zu lokalisieren. Dennoch gibt es auch noch einige Wracks, die in der Erde liegen: Vollbeladene Flugzeuge konnten im Falle eines Absturzes mehrere Meter tief in die Erde eindringen.

Immer noch bitten Angehörige niederländische Gemeinden darum Absturzstellen zu untersuchen und die Wracks auszugraben, so dass die sterblichen Überreste identifiziert und in der Heimat beerdigt werden können. In manchen Fällen erklären die Gemeinden sich bereit, in einigen Fällen, wie den Gemeinden Almere, Súdwest-Fryslân und Echt-Susteren, weigert man sich jedoch seit Jahren. Dies liegt an den hohen Kosten von Bergungen: das Ausgraben eines Flugzeuges kostet eine halbe Million Euro. Diese Kosten müssen die Gemeinden selbst tragen, es sei denn an der Absturzstelle befinden sich Blindgänger, die die allgemeine Sicherheit gefährden. Zudem kann nicht immer garantiert werden, dass an einer Absturzstelle auch sterbliche Überreste aufgefunden werden: Durch Zersetzung oder die Explosion des Flugzeuges sind die Überreste womöglich unauffindbar.

In den Kriegsjahren sind mehr als 5.000 Flugzeuge in den Niederlanden abgestürzt. Viele dieser Wracks wurden noch während des Krieges von den deutschen Besetzern geräumt. Nach dem Krieg haben häufig Bauern und Schrotthändler die Ausgrabungen durchgeführt. Bis 1996 war dies eine legale Tätigkeit, seitdem muss der Stabsoffizier Flugzeugbergung der Königlichen Luftwaffe die Bergungen leiten.

Eine Karte mit den bekannten 501 Absturzstellen und Namen der Besatzungsmitglieder der verunglückten Maschinen, finden Sie hier.