Nachrichten März 2016


GESELLSCHAFT: Bedeutung von Kirchen nimmt weiter ab

Amsterdam/Nijmegen. SW/VK/NRC. 18. März 2016.

Der Stellenwert von Kirchen innerhalb der niederländischen Gesellschaft ist weiter gesunken. Die in den 1960er eingesetzte Säkularisierung hält weiter an. Der Politik als Institution wird inzwischen mehr Vertrauen entgegengebracht als Kirchen. Auch der erwartete Anstieg der Spiritualität ist ausgeblieben.

Die gesellschaftliche Bedeutung von Kirchen in den Niederlanden nimmt weiter ab, dies hat die fünfte Ausgabe der Studie „Gott in den Niederlanden“ ergeben. In den vergangenen zehn Jahren sank die Zahl der Kirchenmitglieder von 39 Prozent auf 32. Zudem stieg die Anzahl derer, die noch nie eine Kirche besucht haben von 47 Prozent auf 59. Des Weiteren gaben nur noch 59 Prozent der Befragten an, dass Religion eine wichtige Rolle bei Geburten oder Sterbefällen spiele. Vor zehn Jahren waren dies noch 73 Prozent. Auch die Bedeutung der Religion für die nationale Identität hat abgenommen: Nur noch 35 Prozent der Niederländer stimmten dieser Aussage zu, vor zehn Jahren stimmten noch 48 Prozent der Befragten zu.

Auch das Vertrauen in Kirchen als Institutionen hat in den vergangenen Jahren stetig abgenommen. Im Jahre 1996 wurden Kirchen noch als zweitvertrauenswürdigste Institution, nach der Wissenschaft, betrachtet. 2006 schnitt bei derselben Frage nur die Politik schlechter ab als die Kirchen. Anno 2015 hat die Politik die Kirchen bezüglich des Vertrauens sogar überholt.

Nicht nur ist die Zahl der Gläubigen zurückgegangen, auch wird der Inhalt des Glaubens zusehends schwammiger. Nur noch 17 Prozent der befragten Katholiken gaben an, an einen Gott zu glauben, der direkten Einfluss auf das persönliche Leben nimmt. Bei den Anhängern kleinerer protestantischer Kirchen, waren dies noch 83 Prozent. Zudem blieb der erwartete Anstieg der Spiritualität aus. Vor zehn Jahren betrachteten sich noch 40 Prozent der Befragten als spirituell, gegenwärtig sind es nur noch 31 Prozent. Auch die Zahl derer, die an eine höhere Macht glauben, ist weiter gesunken. Von 40 Prozent im Jahre 1979, nach 39 Prozent in 1996, nach 36 Prozent in 2006, auf gegenwärtig 28 Prozent.

Überraschend sind die Befunde der Untersuchung keinesfalls. Seit der ersten Untersuchung im Jahre 1966 nimmt die Zahl der Kirchenmitglieder in den Niederlanden stetig ab. Jedoch hat das gesellschaftliche Phänomen der zunehmenden Säkularisierung in den letzten zehn Jahren an Geschwindigkeit zugelegt. Etwa die Hälfte der Befragten gab an, keine negative Effekte vorherzusehen, wenn Kirchen ganz verschwänden.

Die Untersuchung „Gott in den Niederlanden“ wird seit 1966 etwa alle zehn Jahre durchgeführt. Untersucht wird dabei nur der christliche Glaube, andere Religionen, die momentan etwa 7 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, werden nicht berücksichtigt. Durchgeführt wurde die Untersuchung von Ton Bernts des Kaski-Instituts der Radboud Universität Nimwegen und Joantine Berghuijs der Freien Universität Amsterdam.