Nachrichten März 2016


BILDUNG: Hochschulen beschönigen Erfolgsaussichten ihrer Studierenden

Den Haag. SW/NRC/Telegraaf. 17. März 2016.

Laut einer Untersuchung beschönigen niederländische Hochschulen häufig die Erfolgsaussichten ihrer Studierenden. Statt über ihre Studiengänge zu informieren, versuchten Hochschulen zu häufig ihre Studiengänge zu vermarkten. Studierendenorganisationen fordern diesbezüglich mehr Mitbestimmungsrechte.

Die Informationen für angehende Studierende bezüglich Erfolgschancen müssen ehrlicher und transparenter werden, dies ist das Ergebnis einer Studie, die Montag bekannt gegeben wurde. Bislang seien die Informationen die Hochschulen angehenden Studierenden zugänglich machen zu sehr beeinflusst von PR- und Marketingüberlegungen. Die Untersuchung wurde in Zusammenarbeit von dem Keuzegids 123.nl und der Website DeDecaan.net durchgeführt. Beide Websites wollen angehenden Studierenden dabei helfen eine Studienwahl zu treffen und beziehen sich dabei sowohl auf Umfragen unter Studierenden als auch auf Informationen, die die Hochschulen zur Verfügung stellen.

Laut den Machern der Studie würden viele Hochschulen die Jobaussichten für Absolventen als zu positiv darstellen. Gleiches gelte für die zu erwartenden Gehälter und die Chancen den Studiengang erfolgreich zu beenden. So würden häufig die Gehälter von Teilzeitkräften genutzt, um zu errechnen wie viel ein Absolvent in einer Vollzeitstelle verdienen würde. Besonders schlecht schnitten Universitäten bei der Informationsvermittlung ab. Anders als Fachhochschulen, verfügen Universitäten häufig nicht über ein Monitoring für die Gehälter ihrer Absolventen.

Um die Informationen für angehende Studierende transparenter zu gestalten, fordern Studierendenorganisationen mehr Mitspracherechte bei der Gestaltung von Studienwahlwebsites. Tycho Wassenaar, Mitglied des Interstedelijk Studentenoverleg, forderte eine unabhängige Gestaltung der Website 123.nl. Bislang verfügen die Hochschulen über eine Beschlussmehrheit bezüglich der Gestaltung und dem Inhalt des Keuzegids 123.nl.  

Anlässlich der Untersuchungsergebnisse ließen die Tweede Kamer Abgeordneten Pieter Duisenberg (VVD) und Mohammed Mohandis (PvdA) wissen, dass sie eine „tiefgehende Untersuchung“ bezüglich der von Hochschulen gebotenen Informationen fordern. Bei einer Tweede Kamer Sitzung nächste Woche wollen sie der Bildungsministerin Jet Bussemaker (PvdA) ihre Forderung vorlegen. Mohandis sagte diesbezüglich gegenüber der Zeitung NRC: „Man muss wissen können wie die Praktikumschancen sind, wie die Berufsaussichten sind und wie viel man verdienen kann. Es wird nicht angegeben, ob man als Fachhochschulabsolvent auch in einer Frittenbude arbeiten könnte.“ Der Abgeordnete Duisenberg hatte Schwierigkeiten geeignete Informationen über Studiengänge zu finden: „Es müssen objektive Daten vorliegen, um die Marketingschlacht zu kompensieren. Informationen müssen unabhängig, auffindbar und zugänglich sein."