Nachrichten März 2016


INFRASTRUKTUR: Studierende rufen zu Marathon-Zugfahrt auf

Den Haag. SW/VK/NRC. 08. März 2016.

Studierende in den Niederlanden haben dazu aufgerufen, sich am heutigen Dienstag einem Zugfahr-Marathon anzuschließen. Die Aktion ist ein Protest gegen den Vorschlag der niederländischen Bahn, Vorlesungszeiten zu verschieben, um den Schienenverkehr zu entlasten.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt haben bereits mehr als 25.000 Studierende mittels Facebook zugesagt, sich an dem Zugfahr-Marathon zu beteiligen. Ziel des Marathons ist es, so viele Kilometer wie möglich mit der Bahn an einem Tag zurückzulegen. Mehr als 38.000 Studierende haben bereits eine Petition unterschrieben, die die Pläne der niederländischen Bahngesellschaft NS ablehnt. Die Verantwortlichen rufen die niederländische Bahn auf, aufzuhören die Bildungsanstalten voll zu jammern und sich stattdessen auf ihre Kernaufgaben zu besinnen.

Anlass der Aktionen war ein Vorschlag des NS-Chefs Roger van Boxtel, die Vorlesungszeiten an Hochschulen und Universitäten anzupassen, um so den Personenschienenverkehr zu entlasten. Wenn es nach Van Boxtel geht, werden die Änderungen bereits zum neuen Studienjahr im September umgesetzt. Laut Van Boxtel sind 25 Prozent aller Zugreisenden Studierende. Wenn Vorlesungen und Seminare später beginnen würden, würde dies die Rush Hour in den Zügen vermindern.

Die Bildungsministerin Jet Bussemaker unterstützt den Vorschlag. Sie hatte bereits vergangenes Jahr einen ähnlichen Vorschlag unterbreitet. Der Vorschlag von Van Boxtel stieß auch bei einigen Hochschulen, darunter die Fachhochschule Utrecht, auf offene Ohren. Dennoch gibt es auch Kritik seitens einiger Hochschulen. Viele halten den Plan für nicht realistisch. Viele Universitäten und Hochschulen beklagen den zusätzlichen Arbeitsaufwand, den angepasste Stundenpläne mit sich bringen würden. Ein Sprecher der Universität Twente ließ wissen: „Flexible Vorlesungszeiten werden bei uns in keiner Weise erwogen. Wir müssen uns an Leistungsabsprachen und einer Mindestanzahl Unterrichtsstunden pro Woche halten. Dies erfordert eine straffe Planung der Stundenpläne. Daran werden wir nicht rütteln.“ Die Radboud Universität teilte mit: „Seit 2011 müssen wir unseren 19.500 Studierenden mindestens 15 Unterrichtsstunden pro Woche bieten. Wenn wir später anfangen, haben wir einen Raummangel.“

Studenten beklagen, dass angepasste Vorlesungszeiten unvereinbar seien mit einem Nebenjob oder Hobbys wie Sport. Beides fände häufig in den Abendstunden statt und wäre nicht zu kombinieren mit abendlichen Vorlesungen oder Seminaren. Studierende werden in ihrer Kritik von zahlreichen Interessensvertretungen wie dem Interstedelijk Studenten Overleg, der Gewerkschaft FNV Jong und dem Algemene Onderwijsbond, unterstützt.