Nachrichten März 2016


SOZIALES: Zahl der Obdachlosen in den Niederlanden steigt

Den Haag. SW/VK/NOS. 04. März 2016.

Die Zahl der Obdachlosen in den Niederlanden steigt. Vergangenes Jahr waren, laut des niederländischen Statistikamtes CBS, circa 31.000 Menschen obdachlos. Der Anstieg ist sowohl auf Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen als auch auf die Finanzkrise zurückzuführen.

In den vergangenen sechs Jahren ist die Zahl der Obdachlosen in den Niederlanden um 13.000 gestiegen, dies gab das niederländische Statistikamt vergangenen Donnerstag bekannt. Damit stieg die Zahl der Obdachlosen in den vergangenen sechs Jahren um 74 Prozent. Insgesamt gab es vergangenes Jahr in den Niederlanden 31.000 Menschen ohne feste Wohn- und Meldeadresse.

Besonders stark stieg die Zahl der Obdachlosen mit nicht-westlichem Migrationshintergrund. Diese verdoppelte sich von 6.500 auf 13.000. Das CBS führt dies darauf zurück, dass Menschen mit Migrationshintergrund häufiger von Arbeitslosigkeit und Armut betroffen seien. Der CBS-Chefdemograf Jan Latten erklärte diesbezüglich: „Und wenn sie [Anm. d. Red.: Menschen mit Migrationshintergrund] Arbeit haben, handelt es sich häufig um schlechter bezahlte Arbeitsplätze. Zudem haben nicht alle Migranten ein soziales Netzwerk um sich herum. Sobald sie arbeitslos werden, gibt es niemanden, der sie auffängt. Die Finanzkrise hat Menschen mit nicht-westlichem Migrationshintergrund stärker getroffen als Menschen ohne Migrationshintergrund.“

Die Zahlen des Statistiksamtes beziehen sich ausschließlich auf offiziell registrierte Obdachlose. Menschen, die sich illegal in den Niederlanden aufhalten und obdachlos sind, wurden nicht in die Statistik aufgenommen.

Der Vorsitzende der Branchenvereinigung Federatie Opvang, Jan Laurier, nennt zwei Ursachen für den starken Anstieg. Zum einen seien die Sparmaßnahmen im psychiatrischen Gesundheitswesen schuld. Dadurch könnten Menschen mit psychischen Gesundheitsproblemen weniger intensiv begleitet werden, was das Risiko der Obdachlosigkeit erhöhe. Zum anderen sei der Anstieg der Zahl der Obdachlosen auf die Finanzkrise zurückzuführen. Viele Menschen hatten in dieser Zeit mit finanziellen Engpässen zu kämpfen, die 90 Prozent aller Zwangsräumungen verursachen. Den Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Obdachlosenzahlen und der Finanzkrise bestätigt auch das CBS. Die Zahl der Obdachlosen ist zu Beginn der Finanzkrise 2009 und 2010 am stärksten gestiegen.

Laut Laurier sollte der Staat mehr präventive Maßnahmen ergreifen, um Menschen vor der Obdachlosigkeit zu bewahren: „Es ist wichtig, dass es keine Wartelisten bei den Hilfsdiensten zum Schuldenabbau gibt. Und sobald sich zeigt, dass Menschen finanzielle Schwierigkeiten haben, sollte sofort eingegriffen werden. Auch bei Wohngesellschaften. Man sollte nicht warten, bis die Schulden so hoch sind, dass es keine andere Lösung gibt.“ Zudem ruft Laurier dazu auf, mehr bezahlbare Wohnungen zu bauen in denen Obdachlose wohnen können, dadurch seien sie weniger auf Obdachlosenunterkünfte angewiesen.