Nachrichten JULI 2016


JUSTIZ: Niederländische Polizei sucht ehemalige RAF-Mitglieder [UPDATE]

Den Haag. SW/NRC/VK. 28. Juli 2016.

Drei ehemalige RAF-Mitglieder sind womöglich in den Niederlanden auf der Flucht. Die Polizei warnt die Bevölkerung, das Trio gilt als sehr gewaltbereit. Bereits in der Vergangenheit suchten RAF-Terroristen in den Niederlanden Unterschlupf.

Drei ehemalige RAF-Mitglieder befinden sich möglicherweise in den Niederlanden, dies gab die niederländische Polizei vergangenen Dienstag bekannt. Es handelt sich dabei um die ehemaligen RAF-Mitglieder Ernst-Volker Staub (61), Burkhard Garweg (47) und Daniela Klette (57), die mutmaßlich zwischen 2011 und 2016 sechs Supermärkte und zwei Geldtransportwagen in Wolfsburg und Cremlingen überfallen haben. Die Polizei warnt die niederländische Bevölkerung vor dem gewalttätigen Trio, das wahrscheinlich über verschiedene Schusswaffen verfügt.  

[UPDATE, 15. August 2016, SW: Das ehemalige RAF-Trio wurde möglicherweise mehrmals in den Niederlanden gesichtet. In der vergangenen Woche haben verschiedene Menschen bei der Polizei gemeldet, das Trio gesehen zu haben. Zwei Tipps zufolge befindet sich das Trio in der Nähe der friesischen Stadt Heerenveen. Ein Sprecher der Polizei teilte mit, dass man allen Hinweisen nachgehe und diese an die deutschen Behörden weiterleite. Gleichzeitig betonte der Sprecher jedoch, dass es sich nicht bei jeder Meldung tatsächlich um das gesuchte Trio handeln müsse.]

Die Polizei begründet ihre Vermutungen damit, dass das Trio sich bereits in der Vergangenheit in den Niederlanden aufgehalten habe. Zudem wurde ein Mobiltelefon des Trios in den Niederlanden ausgeschaltet und fanden verschiedene Straftaten in der Nähe der niederländischen Grenze statt. Zudem hatte die deutsche Staatsanwaltschaft bereits im Juni vermutet, das Trio könne sich in den Niederlanden aufhalten. Die Polizei vermutet, dass die Überfälle dem Lebensunterhalt des flüchtigen Trios dienen. Die Beute eines Überfalls im Jahr 1999 in Höhe von einer halben Million DM ist vermutlich inzwischen aufgebraucht. Über den Aufenthaltsort des Trios kann die Polizei keine Aussagen machen: „Es ist nicht bekannt wie sie in den Niederlanden leben. Sie könnten auf einem abgelegenem Bauernhof sein, anonym in der Stadt leben oder ständig den Aufenthaltsort wechseln und sich dann, zum Beispiel, als Touristen ausgeben.“

Das Trio ist bereits seit den 1990er Jahren auf der Flucht. Sie gehörten der sogenannten „dritten Generation“ der Roten Armee Fraktion an und beteiligten sich in den 1980er und 90er Jahren an verschiedenen terroristischen Anschlägen, bis die Gruppe im April 1998 ihre Auflösung bekannt gab. Die deutsche Polizei verspricht 80.000 Euro für den entscheidenden Hinweis der zur Festnahme führt.

Die Verbindung zwischen der RAF und den Niederlanden reicht schon weit zurück. Bereits in den 1970er Jahren dienten die Niederlande als Unterschlupf für flüchtige Terroristen. Obwohl die RAF nie Anschläge in den Niederlanden verübt hat, kam es zu tragischen Konfrontationen. 1977 wurde ein niederländischer Polizist vom RAF-Mitglied Knut Folkerts erschossen. 1978 kamen zwei niederländische Zollbeamte bei einer Schießerei in Kerkrade ums Leben.

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