Nachrichten Januar 2016


POLITIK: Wilders verteilt Verteidigungsspray

Den Haag. SW/VK/NRC. 25. Januar 2016.

Vergangenen Samstag verteilte der Rechtspopulist Geert Wilders im südholländischen Spijkenisse Farbspray an Anhänger und Fans. Laut Wilders bräuchten Frauen das Farbspray, um sich gegen aufdringliche Asylsuchende zu verteidigen. Gegner der PVV versammelten sich, um gegen die Aktion zu protestieren. Währenddessen wird der Ton in der niederländischen Asyldebatte immer härter.

Auf dem Markt im südholländischen Spijkenisse verteilte der Rechtspopulist Geert Wilders vergangenen Samstag mit Parteikollegen farbiges Verteidigungsspray. Die zirka 70 Fläschchen, die die PVV-Mitglieder dort verteilten, sind mit einem nur schwer entfernbaren Farbspraygefüllt, mit dem Frauen sich gegen aufdringliche Angreifer zur Wehr setzen sollen. Seit den Massenübergriffen in Köln in der Silvesternacht warnt Geert Wilders davor, dass Frauen in den Niederlanden durch „muslimische Testosteronbomben“ gefährdet seien. Er forderte die niederländische Regierung deswegen bereits vergangene Woche dazu auf, das Verbot gegen Pfeffersprays aufzuheben.

Gerade einmal 45 Minuten dauerte die Aktion in Spijkenisse und viele Interessierte gingen mit leeren Händen nach Hause. Die 73-jährige Miep machte gegenüber dem PVV Abgeordneten Sietse Fritsma ihrem Unmut Luft: „Hier stimmt doch gar nichts. Sie sagen, dass Sie Spray verteilen. Und dann ist keines mehr übrig. Das ist doch nicht richtig.“ Begleitet wurde die Aktion von großer medialer Aufmerksamkeit. Geert Wilders sprach gerne und ausgiebig mit den anwesenden Fernsehteams über den „sexuellen Dschihad tausender arabischer Männer gegen Frauen“.

Es hatten sich auch Gegner der PVV in Spijkenisse auf dem Markt eingefunden, um gegen die Aktion von Wilders zu protestieren. Die Protestierenden skandierten: „Wilders Rassist, kein Feminist“ und wollten somit zum Ausdruck bringen, dass sie Wilders' Aktion für rassistisch und opportunistisch halten. Teil der Protestaktion war es, die begehrten Verteidigungssprays zu ergattern, um diese anschließend im Internet zu versteigern und den Erlös der Flüchtlingshilfe zu spenden. Bislang wurden auf diese Weise mehr als 800€ eingenommen. Am Rande der Aktion wurden 10 protestierende Frauen von der Polizei in Gewahrsam genommen. Ihnen wurde Störung der öffentlichen Ordnung und Verletzung der Identifikationspflicht vorgeworfen. Alle 10 Frauen wurden inzwischen wieder freigelassen und mit einem Bußgeld belegt.

Geert Wilders trifft mit seiner asylfeindlichen Rhetorik momentan scheinbar einen empfindlichen Nerv bei einem wachsenden Teil der niederländischen Bevölkerung. Immer mehr Menschen äußern sich besorgt über die steigende Anzahl von Asylsuchenden in den Niederlanden. Um dieser Sorge Ausdruck zu verleihen, schrecken Demonstranten dabei immer seltener vor Gewalt zurück und der Ton innerhalb der Asyldebatte ist insgesamt schärfer geworden. So kommt es bei Demonstrationen gegen Asylsucherzentren immer häufiger zu gewalttätigen Ausschreitungen. Im Dezember war es bei einer Protestaktion in Geldermalsen zu Ausschreitungen gekommen, bei denen das Gemeindehaus belagert wurde. Vergangene Woche Montag kam es zu ähnlich tumultartigen Szenen vor dem Gemeindehaus in Heesch. Heesch war einige Wochen zuvor bereits landesweit in die Medien gelangt, weil Bewohner dort tote Schweine an einen Baum geknüpft hatten, zusammen mit einem Schild mit der Aufschrift „Nein zu Asylsucherzentrum“.