Nachrichten Januar 2016


GESELLSCHAFT: Männer demonstrieren in Röcken gegen sexuelle Gewalt

Amsterdam. SW/VK/NOS/AD. 19. Januar 2016.

Vergangenen Samstag demonstrierten junge Männer in Miniröcke gekleidet in Amsterdam gegen sexuelle Gewalt. Die Organisatoren der Demonstration wollten ihre Solidarität mit Opfern von sexueller Gewalt ausdrücken und forderten Männer auf, Verantwortung für ihre Taten zu übernehmen, anstatt den Opfern die Schuld zu geben. Anlass für die Demonstration waren die Übergriffe auf Frauen und junge Mädchen in der Silvesternacht in Köln.

“Hi-ha, handen thuis”, skandierten die Demonstranten, die sich, einem Aufruf folgend in Miniröcke gekleidet hatten, auf ihrer Route durch Amsterdam vom Spui bis hin zum Nieuwmarkt. Schätzungen zufolge waren etwa 50 der Demonstranten trotz eisiger Minustemperaturen dem Aufruf gefolgt, sich einen Minirock anzuziehen. Begleitet wurden die leichtbekleideten Männer von zirka 100 weiteren Unterstützern. Organisiert wurde die Kundgebung von verschiedenen Jugendorganisationen, so wie den Jonge Democraten, der Jugendorganisation der Partei D66, und den Jonge Socialisten, der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Partij van de Arbeid.

Die Demonstration richtete sich gegen sexuelle Gewalt und war eine Reaktion auf die Massenübergriffe auf Frauen und junge Mädchen in der Silvesternacht in Köln. Der 21-jährige David begründete gegenüber der Nachrichtensendung NOS seine Teilnahme an dem Protestmarsch so: „In den vergangenen Wochen ist wieder deutlich geworden, dass wir mit doppeltem Maß messen. Dass Frauen etwas an ihrem eigenen Verhalten anpassen müssen, ist Bullshit. Wir sind hier, um zu unsere Solidarität mit Frauen zu zeigen und zu zeigen, dass jeder sich so kleiden darf, wie er will. Man kann niemandem vorwerfen, einen Übergriff herausgefordert zu haben.“ Auf einem Banner, das die Teilnehmer vor sich hertragen, stand „Sexueller Missbrauch ist kein Frauenproblem“.  

Die Demonstration war auch eine Reaktion auf den unglücklichen Ratschlag der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Rieker, die Frauen geraten hatte, bei vergleichbaren Situationen in der Zukunft eine Armlänge Abstand von Männern zu halten. Für die Organisatoren des Minirockmarsches sind solche Ratschläge der falsche Weg. Valentijn Tilder, Mitglied der Jonge Socialisten: „Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, war die Aussage der Kölner Oberbürgermeisterin, dass Frauen eine Armlänge Abstand von Männern halten sollten. Das stellt die Welt auf den Kopf. Muss das Opfer sich anpassen?“

Nach den Massenübergriffen in Köln war in Deutschland wie auch den Niederlanden die Diskussion aufgekommen, welcher Täterkreis es sei, der sexuelle Gewalt ausübe und ob Immigranten überdurchschnittlich oft Täter seien. Im Zusammenhang mit dieser Diskussion distanzierten sich die Teilnehmer des Protestmarsches nachdrücklich von Rassismus und Diskriminierung und erklärten, dass sexuelle Gewalt jeden betreffe. Der 22-jährige Reinder sagte diesbezüglich gegenüber NOS: „Bislang dachte ich immer: Das sind Menschen mit einer anderen Kultur, die sind so aufgewachsen. Aber das ist Unsinn: Es sind Männer, die dies tun, die Lustgefühle haben, die sich betrinken, die sich nicht im Griff haben.“

Auch die Präsentatoren des beliebten Radiosenders 3FM unterstützten die Demonstration und trugen am Samstag den ganzen Tag Miniröcke. Der Radiosprecher Wijnand Speelman teilte diesbezüglich auf Facebook mit: „Es ist egal, wer man ist, man muss das tragen können, was man will. Du musst deine dreckigen Finger von Frauen fernhalten.“