Nachrichten Februar 2016


FLÜCHTLINGE: Niederlande diskutieren über Unterbringung und Versorgung

Nimwegen. SW/VK/NRC. 12. Februar 2016.

In den Niederlanden wird zurzeit vielerorts die Unterbringung und Versorgung von Asylsuchenden diskutiert. Besonders die Unterbringung und Sicherheit von Homosexuellen und Transgendern in den Flüchtlingsunterkünften gestaltet sich schwierig. Ein Rapport, der am vergangenen Mittwoch erschien, über ein Zeltdorf nahe Nimwegen beschreibt die Schwierigkeiten vor Ort.

Seit einigen Wochen wird die Unterbringung und Versorgung von Asylsuchenden in Notunterkünften in den Niederlanden verstärkt diskutiert. Dabei wurde seitens der LHBT-Interessensvereinigung COC wiederholt auf die schwierige Situation von Homosexuellen und Transgendern in Flüchtlingsunterkünften gewiesen.  COC meldete, dass homosexuelle oder transgender Asylsuchende in der jüngsten Vergangenheit mit dem Tod bedroht worden seien. Ihre Betten sollen zerstochen und beschmiert worden sein. Seitdem fordert COC die Errichtung von SafeHouses für die Opfer. Bislang wird dies durch die niederländische Politik abgelehnt. Im vergangenen November erklärte der Staatssekretär für Asylfragen, Klaas Dijkhoff, bereits, dass man eine separate Unterbringung für nicht wünschenswert halte. Dies könnte zu einer Stigmatisierung führen, die weitere Diskriminierungen nach sich ziehe, so Dijkhoff.

In der Diskussion über die Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen wird häufig auf das Zeltdorf Heumensoord nahe Nimwegen gewiesen. In der Unterkunft sind seit dem Herbst etwa 3.000 Asylsuchende untergebracht. Nachdem die dort lebenden Asylsuchenden sich wiederholt über die Zustände in der Flüchtlingsunterkunft beschwert hatten, haben im vergangenen Monat der Nationale Ombudsman, Reinier Zutphen, und das College voor de Rechten van de Mens den Ort besucht. Der Nationale Ombudsman ist ein unabhängiger Funktionär, der die Beschwerden von Bürgern gegen den niederländischen Staat behandelt und untersucht. Das College ist ein unabhängiges Beratungsorgan, das den gesetzlichen Auftrag hat Diskriminierungen und Menschenrechtsverletzungen zu untersuchen.

Vergangenen Mittwoch präsentierten sowohl der Nationale Ombudsman als auch das College ihre Abschlussberichte über die Lage im Zeltdorf Heumensoord. Beide Berichte kommen zu dem Ergebnis, dass solch große Flüchtlingsunterkünfte in der Zukunft nicht mehr errichtet werden sollten. Die mangelnde Privatsphäre in dem aus Zelten bestehenden Dorf führe bei den Flüchtlingen zu Stress, Schlafstörungen und depressionsartigen Symptomen. Die Situation sei unakzeptabel. Die zuständige Asylbehörde COA erklärte daraufhin, dass es nicht möglich sei diesbezüglich ein Versprechen zu geben: „Wir können es uns nicht erlauben zu sagen, dass wir nie wieder auf diese Lösung zurückgreifen werden. Dies ist nicht unsere erste Wahl, aber sollte es noch einmal nötig sein, haben wir eine Menge gelernt.“

In den Abschlussberichten wurde des Weiteren kritisiert, dass es keine transparenten Kommunikationswege zwischen den Asylsuchenden und der Leitung der Flüchtlingsunterkunft gebe. Bei den Flüchtlingen herrsche viel Unsicherheit bezüglich der Asylverfahren und Kontaktpersonen im Falle von Diskriminierung. Elsa van de Loo vom College voor de Rechten van de Mens sagte der Zeitung De Volkskrant diesbezüglich: „Die Kommunikation läuft grundlegend schief. Es gibt keinen funktionierenden Mechanismus um die Beschwerden über die Lebensumstände zu behandeln. Asylsuchende sind abhängig von häufig wechselnden Wohnbetreuern, die versuchen Probleme informell zu lösen.“