Nachrichten Februar 2016


JUSTIZ: Tatverdächtiger gesteht Mord an ehemaliger Gesundheitsministerin [UPDATE]

Den Haag. SW/VK/NRC. 05. Februar 2016.

Der Tatverdächtige, Bart van U., erklärte einem “göttlichen Auftrag” gefolgt zu sein, der ihm auftrug die Sterbehilfebefürworterin Els Borst zu ermorden. Ob Van U. schuldfähig ist, muss noch entschieden werden. Els Borsts Parteikollege Alexander Pechthold zeigte sich schockiert.

Am Donnerstagmorgen gab der tatverdächtige Bart van U. zu, die ehemalige niederländische Gesundheitsministerin Els Borst ermordet zu haben. Bart van U. erklärte er sei einem „göttlichen Auftrag“ gefolgt, denn Els Borst sei verantwortlich für die Sterbehilfegesetzgebung. Van U. gab an mit dem Fahrrad zur Wohnung von Els Borst gefahren zu sein und sie dort umgebracht zu haben. Er habe vor dem Mord bereits mehrere Male vor der Haustür von Els Borst gestanden. Bei allen früheren Vernehmungen hatte Bart van U. zu den Mordvorwürfen geschwiegen.

Ob Van U. für seine Tat verurteilt werden kann, ist noch unbekannt. Der abschließende Bericht über seine Schuldfähigkeit steht noch aus. Ein Antrag der Staatsanwaltschaft den Tatverdächtigen für weitere zwei Wochen in einer psychiatrischen Einrichtung beobachten zu lassen, wurde vor Gericht abgelehnt. Die Verteidigung hatte diesen Schritt als „unnötig unübersichtlich“ für Bart van U. bezeichnet.

[UPDATE, 14. April 2016, SW: Vergangenen Mittwoch verkündete das zuständige Gericht das Urteil im Prozess gegen Bart van U. : Er wurde zu Sicherheitsverwahrung mit auferlegter psychiatrischer Betreuung verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor acht Jahre Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung gefordert. Damit war die Staatsanwaltschaft der Einschätzung der Experten des Pieter Baan Centrums gefolgt, die Bart van U. zwar für nur „sehr eingeschränkt“ zurechnungsfähig halten, jedoch nicht ausschließen konnten, dass Bart van U. seine Taten nachträglich psychotisch verklärte. Die Richter waren jedoch der Auffassung, dass Van. U. aufgrund seiner Schizophrenie für seine Taten, den Mord an der ehemaligen Ministerin Els Borst und seiner Schwester Loïs, nicht zurechnungsfähig sei: „Aufgrund seiner Schizophrenie scheint Van U. in einer Parallelwelt zu leben. In dieser anderen Welt hat er seine eigene Schwester ums Leben gebracht.“

Die Angehörigen von Els Borst erklärten ihren Frieden mit dem Urteilsspruch gemacht zu haben. Die Angehörigen von Van U. bezeichneten das Urteil jedoch als einen „beträchtlichen Dämpfer“ und hoffen, dass die Staatsanwaltschaft in Berufung geht. In einer Mitteilung ließ die Familie wissen: „Wir halten es für sehr unwahrscheinlich, dass Bart vollkommen unzurechnungsfähig war als er zwei sehr geliebte Menschen auf gewalttätige Art des Lebens beraubte. Mit nur Sicherheitsverwahrung entgeht der Täter seiner verdienten Strafe.“]

Parteikollege von Els Borst und D-66 Fraktionsvorsitzender, Alexander Pechthold, zeigte sich schockiert über das Geständnis: „Meine schlimmsten Befürchtungen haben sich heute leider bewahrheitet. Das Tatmotiv des Verdächtigen ist schockierend und konfrontierend. Els ist ermordet worden aufgrund ihrer gesellschaftlichen und politischen bahnbrechenden Verdienste auf dem Gebiet der Sterbehilfe. Diese grausame Wahrheit macht es noch schwieriger dem Ganzen eine Bedeutung zu geben.“

Els Borst war am 10. Februar 2014 in ihrer Garage in Bilthoven tot aufgefunden worden (NiederlandeNet berichtete). Die ehemalige Ministerin war mit mehreren Messerstichen niedergestochen worden. Auf Van U. als Tatverdächtigen wurde die Polizei erst Anfang des letzten Jahres aufmerksam, nachdem Van U. im Januar 2015 auch seine Schwester erstochen hatte. Ein DNA-Abgleich brachte die Polizei im Fall Borst auf die Spur von Bart van U.