Nachrichten dezember 2016


TOURISMUS: Die Stadt Amsterdam und Airbnb haben einen Deal gegen illegale Wohnungsvermietung geschlossen

Den Haag. SB/VK/NRC/Trouw. 02. Dezember 2016.

Nach langem Hin und Her haben die Stadt Amsterdam und die online Plattform Airbnb einen Deal geschlossen. Ab dem 1. Januar 2017 dürfen private Anbieter ihre Appartements nur noch für maximal 60 Nächte pro Jahr vermieten. Erstmalig hat Airbnb zugestimmt, bei Regelverletzungen auch Daten von seinen Kunden preiszugeben.

Der online Wohnungsvermittler, Airbnb, steht schon seit längerer Zeit in der Kritik. Vor allem die großen Städte und Metropolen leiden unter der zunehmenden privaten Wohnungsvermietung. Hotels geraten zunehmend unter Druck, die Städte und Gemeinden werden um beträchtliche Steuergelder gebracht, der oft sowieso schon überlaufene Wohnungsmarkt in Ballungsgebieten wird noch mehr strapaziert und die Anwohner müssen sich jede Woche mit neuen lärmenden Touristen herumschlagen. Jetzt haben die Stadt Amsterdam und Airbnb einen Deal geschlossen, um diese Negativeffekte einzudämmen.

Ab dem 1. Januar 2017 bekommen Amsterdamer, die über Airbnb ihre Wohnung vermieten, einen Tageszähler auf ihrer Seite zu sehen. Wenn die Wohnung sechzig Tage vermietet wurde, wird sie auf der Seite gesperrt und kann für den Rest des Jahres nicht mehr auf der Seite angeboten werden. Auch darf eine Wohnung an maximal vier Gäste gleichzeitig vermietet werden. Die 60 Tage Regelung gibt es schon länger, bisher war es aber so, dass sich die Vermieter in der Praxis oft nicht daran hielten. Airbnb hatte sich in diesen Fällen geweigert, die Daten ihrer Kunden preiszugeben, sodass die Gemeinde kaum etwas gegen diese Regelverletzungen unternehmen konnte.

Was sich mit dem Deal nun ändert, ist, dass Airbnb ab sofort aktiv kontrollieren wird, ob die geschalteten Angebote den Regeln entsprechen. Sollte dem nicht so sein, werden die angebotenen Wohnungen direkt von der Seite entfernt. Außerdem hat sich Airbnb erstmals dazu bereit erklärt, im Falle eines Verdachts von illegaler Vermietung, die Daten der Vermieter an die Stadt weiterzugeben. Die Stadt Amsterdam ihrerseits wird ab Frühling 2017 eine Meldestelle für illegale Hotels einrichten, die täglich geöffnet sein wird. Die Gemeinde gab am Donnerstag bekannt, dass eigens für diesen Zweck Interventionsteams bereit gestellt würden, die unmittelbar nach einer solchen Meldung nach dem Rechten sehen würden. Das Abkommen zwischen Amsterdam und Airbnb läuft bis Ende 2018, danach muss unter Umständen neu verhandelt werden.

Die Einigung ist Resultat langwieriger Verhandlungen zwischen Amsterdam und Airbnb. Noch im September hatte eine Mehrheit des Gemeinderates angedroht notfalls vor Gericht zu ziehen, um Airbnb verbieten zu lassen, wenn es nicht zu einer Einigung käme. Zwar hatte es bereits vorher ein Abkommen zwischen der Stadt und dem online-Portal gegeben, worin festgelegt war, dass Airbnb für die Stadt Amsterdam Touristensteuer einziehen müsse, aber dies hatte nicht mehr ausgereicht, um die Negativeffekte aufzuwiegen. Dieses Jahr erwartet Airbnb 8,2 Millionen Euro an die Amsterdamer Steuerbehörde abzugeben. Das ist eineinhalb mal so viel wie letztes Jahr. Aber nicht nur an dieser Zahl wird die Expansion von Airbnb deutlich. Im Jahr 2015 hatte es 834 Meldungen über mutmaßlich illegale Wohnungsvermietung an Touristen gegeben. Das war doppelt so viel wie noch im Jahr 2014. Amsterdam hat, wie viele andere westeuropäische Metropolen auch, mit Wohnraumknappheit zu kämpfen. Nicht wenige Wohnungen in Amsterdam werden das ganze Jahr über nur an Touristen vermietet. Ein echtes Problem: 59% der Amsterdamer gaben bei einer kürzlich durchgeführten Umfrage auf die Frage hin: „Wenn sie Wohnraumverantworlicher der Stadt Amsterdam wären, welches Thema würden Sie dann als erstes anpacken?“, die illegale Vermietung von Wohnraum an Touristen an. Trotz des nicht zu bestreitenden Drucks der von Airbnb auf die Stadt ausgeht, sollte man das Problem im Verhältnis sehen. Von allen touristischen Übernachtungen gehen gerade einmal 5 Prozent auf das Konto von Airbnb und von den 22 Bezirken der Stadt sind es höchstens vier oder fünf Bezirke, für die der touristische Betrieb wirklich ein Problem darstelle, so Wohnraumbeauftragter Ivens von der Partei SP. Dennoch glaubt auch er, dass die neue Regel sowohl für Amsterdam als auch für die Touristen gut sei: „Airbnb ist nun eine Waffe im Kampf gegen illegale Vermietung. Viele Städte in Europa haben auf eine solche Ansprache gewartet.“

Und damit liegt er wahrscheinlich nicht falsch. Seit Airbnb im Jahr 2008 in San Francisco gegründet wurde, kämpfen viele Städte mit denselben Problemen wie Amsterdam. Dabei hat jede Stadt eigene Absprachen mit dem online-Vermittler. Einige davon sind für Airbnb deutlich nachteiliger als jene mit Amsterdam. In Barcelona zum Beispiel brauchen die Bewohner eine Genehmigen, um ihre Appartements überhaupt vermieten zu dürfen. In Berlin ist es untersagt ganze Wohnungen zu vermieten. In der Hauptstadt dürfen nur separate Zimmer angeboten werden. In Paris kann es Vermietern passieren, dass sie ein Bußgeld in Höhe von 25.000 Euro bezahlen müssen, wenn sie ihr Haus länger als 120 Tage vermieten. Seit heute gilt für London, dass dort Wohnungen nur noch für 90 Tage pro Jahr auf Airbnb angeboten werden dürfen. Trotzdem bleibt das Abkommen zischen Amsterdam und Airbnb wegen der zugesagten Datenweitergabe einzigartig: „Die Absprachen sind ein Vorbild für die Welt“, so James McClure von Airbnb Nord-Europa. McClure sagte weiter, dass die Kritik an dem Unternehmen in der letzten Zeit immer weiter zugenommen habe, jetzt beweise man, dass: „wir ein guter Partner für alle in der Stadt sein wollen und dass wir dafür Sorge tragen möchten, dass sich die private Vermietung von Wohnungen in einem verantwortungsvollen Rahmen entwickelt.“