Nachrichten AUGUST 2016


POLITIK: Ehemaliger Premier Piet de Jong gestorben

Den Haag. SW/NOS/VK. 02. August 2016.

Der ehemalige niederländische Premier Piet de Jong ist im Alter von 101 Jahren gestorben. De Jong war Ende der 1960er Jahre Premier, eine Zeit der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Unruhe. De Jong war als Marinekommandant im Einsatz als deutsche Truppen im Mai 1940 in den Niederlanden einfielen. Zahlreiche Politiker bedauern den Tod von de Jong.

Der ehemalige niederländische Premier Piet de Jong ist am vergangenen Mittwoch gestorben und wurde bereits beerdigt. Dies gab seine Partei (CDA) am Montag bekannt. De Jong war zwischen 1967 und 1971 Premier einer mitte-rechts Koalition bestehend aus der VVD und den christlichen Parteien KVP, ARP und CHU, die sich später zur CDA zusammenschlossen. Im Laufe seiner Karriere war de Jong auch Staatssekretär und Verteidigungsminister.

In den dreißiger Jahren war de Jong Mitglied der niederländischen Marine geworden und war im Einsatz als deutsche Truppen im Mai 1940 in die Niederlanden einfielen. Für die Rettung eines U-Boots bis nach Groß-Britannien 1940 wurde er ausgezeichnet. 1959 gab er seine Militärlaufbahn auf und folgte dem Ruf des KVP-Politikers Romme nach Den Haag und wurde dort Staatssekretär im Kabinett-De Quay. In darauffolgenden Regierungen war er Verteidigungsminister. 1967 wurde er Premier. In seine Amtszeit fielen der Militärputsch in Griechenland und der Sechstagekrieg zwischen Israel und den arabischen Ländern. In den Niederlanden war es eine gesellschaftlich unruhige Zeit, insbesondere die Studentenproteste und die Besetzung des Maagdhuis der Universität von Amsterdam kennmerkten seine Amtszeit. Auch im hohen Alter hatte de Jong sich noch aktiv mit der Tagespolitik beschäftigt. Für fünf Jahren hatte er sich nachdrücklich gegen die Gedoog-Konstruktion zwischen VVD, CDA und PVV ausgesprochen. 2012 hatte er damit gedroht seine CDA-Mitgliedschaft zu beenden, sollte die Partei der Kürzung der Entwicklungshilfe zustimmen.

Von verschiedenen Seiten wird der Tod de Jongs bedauert. Premier Mark Rutte sagte: "Piet de Jong war mein politischer Urgroßvater. Mit dem relativierenden Blick eines Mannes der schlimmere Krisen erlebt hat, wusste er als ehemaliger U-Boot-Kommandant unser Land auf sichere Weise durch unsichere Zeiten zu führen.“ Auch der CDA-Fraktionsvorsitzende Sybrand Buma huldigt de Jong: „Piet de Jong hatte eine warme und einnehmenden Persönlichkeit. Bis zum Schluss blieb er aktiv in der Politik. Er sprach mit Humor und Relativierungsvermögen über seine eigene Rolle in der Politik.“ Die CDA-Parteivorsitzende Ruth Peetoom sagte: „Wir werden diesen netten, intelligenten, nüchternen Mann sehr vermissen. Sein Motto war, dass ein Politiker keine andere Aufgabe hat, als einen Beitrag leisten zum Frieden und Recht in der Gesellschaft. Das hat Piet de Jong in seinem langen Leben getan, für das Land und für die CDA.“