Nachrichten April 2016


TÜRKEI: Niederländische Journalistin kurzzeitig festgenommen [UPDATE]

Den Haag. SW/VK/NOS. 25. April 2016.

Die niederländisch-türkische Journalistin Ebru Umar wurde vergangenen Sonntag in der Türkei nach einer kurzen Festnahme wieder entlassen. Ob und wann die Journalistin wieder in die Niederlande zurückkehren kann, ist unbekannt. Umar wird vorgeworfen den türkischen Präsidenten Erdogan in mehreren Tweets beleidigt zu haben.

[UPDATE, 11. August 2016, SW: Die Kolumnistin Ebru Umar muss am 6. September in der Türkei vor Gericht erscheinen. Angesetzt sind zwei Sitzungstage. Umar muss sich in einer ersten Sitzung wegen einer mutmaßlichen Beleidigung des Präsidenten Erdogan und des Begründers der modernen Türkei, Kemal Atatürk, verantworten. Während des zweiten Sitzungstermins soll die mutmaßliche Verunglimpfung des Propheten Mohammed durch Umar behandelt werden. Umar erklärte bereits nicht zu den Terminen anzureisen, man habe ihr davon abgeraten.]

Die zuvor festgenommene niederländisch-türkische Journalistin Ebru Umar wurde vergangenen Sonntagnachmittag wieder freigelassen. Sie darf die Türkei jedoch vorläufig nicht verlassen und muss sich nach eigener Aussage noch einige Tage bei der örtlichen Polizei melden. Ihr wird vorgeworfen den türkischen Präsidenten Erdogan in mehreren Tweets beleidigt zu haben.

Umar war vergangenen Samstagabend in der türkischen Stadt Kusadasi von den Autoritäten in Gewahrsam genommen worden. Gegen 23:07 Uhr Ortszeit twitterte sie, dass sie von der Polizei geweckt wurde und aufgefordert wurde mitzukommen. Während die niederländische Botschaft und die niederländische Regierung sich um Umars Freilassung bemühten, verbrachte die Journalistin eine Nacht auf der Polizeiwache. Dort habe man sie gut behandelt, teilte Umar via Twitter mit. Sonntagvormittag wurde sie einem Richter vorgeführt und einige Stunden später wurde sie entlassen. Nach ihrer Freilassung sagte Umar gegenüber der Zeitung Metro: „Ich versuche einfach wieder zu lachen und werde jetzt noch fünf Tage lang Urlaub machen.“

Für die Niederlande ist dies das erste Mal, dass ein Journalist in Schwierigkeiten aufgrund von kritischen Äußerungen über Erdogan gerät. Der niederländische NOS-Korrespondent in der Türkei, Lucas Waagmeester, spricht diesbezüglich von einem „Trend“. In der Fernsehsendung Nieuwsuur sagte er: „Wir lernen jetzt die Launenhaftigkeit des türkischen Staates kennen, aber für Türken ist dies nichts Neues mehr.“ Schätzungen zufolge laufen in der Türkei gegenwärtig 200 Verfahren wegen Beleidigung des Präsidenten.

Im Zusammenhang mit der Festnahme sprechen niederländische Medien bereits von einer sichtlichen Verschlechterung der niederländisch-türkischen Beziehungen. Die Zeitung De Volkskrant titelte am Montag „Beziehung zur Türkei weiter unter Druck“. Die Zeitung de Telegraaf sprach von der „Angst vor den Türken“ und auch die Zeitung Het AD zeigte sich besorgt: „Erdogan hat unsere Führer in seiner Hand“.

In der vorherigen Woche was es bereits zu Reibungen zwischen Ankara und Den Haag gekommen, nachdem die türkische Botschaft in Rotterdam Türken in der Umgebung per Mail aufgefordert hatte, Beleidigungen gegen Türken, die Türkei und den türkischen Präsidenten zu melden. Später teilte die Botschaft mit, es handele sich dabei um einen falsch interpretierten Brief. Ebru Umar hatte sich vergangene Woche ihrer Kolumne kritisch über den Brief der türkischen Botschaft geäußert.