Nachrichten April 2016


BILDUNG: Niederländische Grundschulen testen flexible Unterrichtszeiten

Den Haag. SW/VK/NOS/AD. 22. April 2016.

Ein seit 2011 laufender Probeversuch mit flexiblen Unterrichtszeiten soll von 11 auf 20 Grundschulen ausgeweitet werden. Diese Schulen sind nicht an die gesetzlichen Ferien und die Fünf-Tage-Woche gebunden. Laut einem Bericht der Bildungsinspektion haben flexible Unterrichtszeiten sowohl Vor- als Nachteile.

Eine Vier-Tage-Woche oder verlängerte Herbstferien, an elf Grundschulen in den Niederlanden ist dies bereits möglich. Diese Schulen nehmen seit einigen Jahren an einem Probeversuch teil, dessen Ziel es ist die Unterrichtszeiten flexibler zu gestalten. Dieser Probelauf soll nun auf 20 Schulen ausgeweitet werden, dies gab der Staatssekretär für Bildung Dekker vergangenen Dienstag bekannt.

Seit dem Beginn des Experiments 2011 sind für die teilnehmenden Grundschulen zwei Regeln hinfällig geworden: Die gesetzlich geregelten Ferien und die fünftägige Schulwoche. Die Schulen müssen stattdessen nachweisen können, dass ihre Schüler an mindestens 940 Unterrichtsstunden pro Jahr teilnehmen und der Unterricht über ein angemessenes Niveau verfügt. Die Folge dessen ist dass, die betreffenden Schulen mindestens 50 Wochen im Jahr geöffnet sein müssen, inklusive des Sommers. Zudem müssen die einzelnen Unterrichtsstunden viel mehr auf die verschiedenen Schüler und ihre individuellen Stundenpläne angepasst werden.

Eine Mutter mit zwei Kindern auf der Zandvoorter Schule De School ist überzeugt von dem Probelauf: „Es bietet viele Möglichkeiten für Kinder und Eltern, aber der Unterricht leidet nicht darunter. Die flexiblen Unterrichtszeiten sind Teil des Unterrichts, aber das ist nicht alles.“ De School experimentiert bereits seit 2009 mit flexibleren Unterrichtszeiten und hat bei einer Untersuchung der Bildungsinspektion überdurchschnittlich gut abgeschnitten.

Dass dieses System sowohl Vor- als Nachteile hat, stellte vor kurzem die Bildungsinspektion fest. Als positiv wurde die Zufriedenheit der Eltern beurteilt. Mit flexiblen Unterrichtszeiten sei es viel einfacher Beruf und Familie zu kombinieren: So könnten Familienurlaube besser geplant werden und auch außerhalb der Hochsaison gebucht werden. Kinder erfreuen sich der intensiveren Betreuung in den ruhigeren Zeiten. Jedoch warnte die Bildungsinspektion vor zu viel Begeisterung für den Probelauf, es gebe noch einige Probleme. Viele Schulen waren nicht ausreichend auf das neue System vorbereitet, für einige waren flexible Unterrichtszeiten nur eine Möglichkeit den rückläufigen Schülerzahlen zu begegnen. Zudem würden an Schulen mit flexiblen Unterrichtszeiten überdurchschnittlich oft Kinder mit Problemverhalten angemeldet werden, hierauf waren die Schulen meist nicht ausreichend vorbereitet.

Die Partei D66 befürwortet das Experiment und möchte es schnellstmöglich ausweiten. Dies würde laut dem Abgeordneten Paul van Meenen entgegenwirken, dass die wenigen teilnehmenden Schulen einen Überschuss an Anmeldungen erhielten. Angesichts der Warnungen der Bildungsinspektion will Staatssekretär Dekker es jedoch vorläufig bei 20 Schulen belassen.