Nachrichten April 2016


BILDUNG: Immer häufiger entscheidet Bildungsgrad der Eltern über schulischen Erfolg der Kinder

Den Haag. SW/NRC/VK. 15. April 2016.

Immer häufiger entscheidet der Bildungsgrad der Eltern über den schulischen Erfolg ihrer Kinder, zu diesem Ergebnis kommt eine jährliche Untersuchung der Inspektion für Bildung. Kinder von Akademikern erhalten häufiger Gymnasialempfehlungen als Kinder von Nicht-Akademikern.

Kinder haben trotz gleicher Begabung in der Schule immer seltener die gleichen Chancen, zu diesem Ergebnis kommt die Untersuchung "De Staat van het Onderwijs". Immer häufiger sei der Bildungsgrad der Eltern ausschlaggebend für den schulischen Erfolg ihrer Kinder.

Eine Kluft zwischen bildungsnahen und bildungsfernen Schichten habe es immer schon gegeben, so der Report, in den letzten Jahren habe diese sich jedoch weiter vertieft. Kinder von Akademikern erhalten häufiger höhere Empfehlungen für weiterführende Schulen, besuchen häufig bessere Schulen und erreichen häufiger einen höheren Bildungsabschluss als Kinder von Nicht-Akademikern.

Über vierzehn Jahre hat die Inspektion Kinder mit einem vergleichbaren IQ beobachtet. Die Hälfte aller Akademiker-Kinder erhielten eine Empfehlung für HAVO oder VWO, jedoch nur 26 Prozent der Kinder von Nicht-Akademikern. Diese Zahlen spiegeln sich auch in den späteren Abschlüssen wieder: 55 Prozent der Akademiker-Kinder erreichten ein HAVO oder VWO Examen, und nur 26 Prozent der Kinder von Nicht-Akademikern.

Als eine Ursache für die wachsende Ungleichheit nennt die Inspektion das Maß indem Eltern sich in die Bildung ihrer Kinder einbinden. So treffen Akademiker häufiger eine bewusste Entscheidung welche Schule ihr Kind besucht oder investieren sie mehr in Fördermaßnahmen und Nachhilfe. Auch würden bei Kindern von Akademikern häufiger medizinische oder psychologische Diagnosen, wie ADHS oder Dyslexie, gestellt, wodurch die Kinder mehr Aufmerksamkeit oder Zeit erhalten.

Auch wird der Einfluss von Lehrkräften auf die Empfehlungen für weiterführende Schulen als Ursache angeführt. Seit 2014 ist die Empfehlung des Lehrers ausschlaggebend und nicht mehr der sogenannte landesweite CITO-Toets. Lehrer würden unbewusst eine zu hohe oder zu niedrige Empfehlung geben, so die Inspektion.

Branchenverbände und Politiker zeigen sich entsetzt angesichts des Trends. Die Inspektorin Monique Vogelzang schreibt im Vorwort der Untersuchung, dass es sie erschrecke, dass es immer entscheidender werde aus welcher Familie man käme. Auch der Vorsitzende des Rates für weiterführende Schulen, Paul Rosenmöller, kritisiert die gegenwärtige Situation: „Mit öffentlichen Geldern finanzierte Bildung steht in der Pflicht allen Kindern gleiche Chancen zu bieten.“ Auch die Bildungsministerin Jet Bussemaker reagiert auf die „besorgniserregende“ Entwicklung: „Talent und Motivation müssen der Ausgangspunkt bei der Schulwahl sein, nicht das Einkommen oder der Bildungsgrad der Eltern.“