Nachrichten September 2015


KUNST: Niederländischer Staat und Rijksmuseum kaufen zwei Rembrandt-Portraits [UPDATE]

Düsseldorf. AF/NOS/NRC/Radio 1/TG/VK. 21. September 2015.

Das Amsterdamer Rijksmuseum und der niederländische Staat kaufen zwei Werke des weltberühmten niederländischen Malers Rembrandt, die sich im Besitz des französischen Zweigs der Bankiersfamilie Rothschild befinden. 160 Millionen Euro sollen die zwei Portraits kosten. „Wenn wir diese Rembrandts jetzt nicht kaufen, dann gehen wir das Risiko ein, dass ein reicher Ölscheich zuschlägt und die Bilder für immer aus Europa verschwinden“, erklärte Kultur- und Bildungsministerin Jet Bussemaker am Montagmorgen gegenüber NPO Radio 1 Journaal. Ein vorläufiger Kaufvertrag ist unterschrieben.

[UPDATE, 01. Oktober 2015, SW: Am Mittwoch gab die Kultur- und Bildungsministerin Jet Bussemaker bekannt, dass die Niederlande die zwei Rembrandtportraits gemeinsam mit Frankreich erwerben werden. Die Kosten von 160 Millionen werden geteilt und jedes Land erwirbt jeweils die Hälfte eines Portraits. Die Gemälde werden dann abwechselnd im Amsterdamer Rijksmuseum und im Pariser Louvre zu sehen sein. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist es noch unklar, ob und inwiefern sich der finanzielle Beitrag des Rijksmuseums zur Kaufsumme ändern wird.]

„Rembrandts kommen nach Hause“ – Unter dieser Überschrift berichtete die Boulevardzeitung De Telegraaf am Montagmorgen als eine der ersten von dem Kunstkauf. Unter strengster Geheimhaltung hätten die Kaufverhandlungen über mehrere Wochen stattgefunden. Tatsächlich hatte das NRC Handelsblad bereits Mitte März über Gerüchte berichtet, wonach die Familie Rothschild eine Exportlizenz für die beiden Meisterwerke beantragt hatte. Sprecher der Familie wollten damals die Gerüchte nicht bestätigen.

Die zwei lebensgroßen Portraits aus dem Jahr 1634 zeigen das Brautpaar Maerten Soolmans und Oopjen Coppit. Coppit, damals 23 Jahre alt, stammte aus reichem Amsterdamer Elternhause. Der zwei Jahre jüngere Soolmans kam aus Antwerpen. Sich lebensgroß portraitieren zu lassen – Ein Format das bis dato allein dem höchsten europäischen Adel vorbehalten war – kostete das Paar 500 Gulden, damals ein Jahresgehalt für einen erfahrenen Arbeiter. Die beiden Portraits legen damit Zeugnis über den besonderen Status der niederländischen Bürgerschaft im Goldenen Zeitalter ab. Rembrandt fertigte das Doppelportrait zu Beginn seiner Karriere.

In den Besitz der Familie Rothschild kamen die Malereien im Jahr 1877 als Gustave Baron de Rothschild die beiden Werke von der adligen Familie van Loon erwarb. Im Jahr 1956 wurden die Bilder für kurze Zeit im Rijksmuseum und im Rotterdamer Museum Boijmans Van Beuningen ausgestellt.

Laut Ministerin Bussemaker sollen die zwei Portraits künftig nicht nur im Rijksmuseum zu sehen sein, sondern eine „Tour“ durch das ganze Land machen. Das Rijksmuseum erklärte, man finde es „fantastisch“, dass die niederländische Regierung beim Ankauf helfe. Noch ist nicht ganz klar, wie das Museum die Hälfte der Kaufsumme, aufbringen will.

Mehr über den Maler erfahren Sie in unserer Kurzbiografie: Rembrandt Harmenszoon van Rijn

Mehr über das Rijksmuseum, das Boijmans Van Beuningen und viele weitere Museen lesen Sie in unserem Dossier: Museen in den Niederlanden