Nachrichten Oktober 2015


ASYL: Stimmungslage in den Niederlanden

„Wir schaffen das!“ Mit den inzwischen geflügelten Worten der deutschen Bundeskanzlerin kündigte die niederländische Tageszeitung de Volkskrant vergangenen Samstag ein Interview mit dem PvdA Fraktionsvorsitzenden Diederik Samsom an. Er bezog darin im Namen seiner Partei Stellung zur Flüchtlingskrise. Samsoms positiver Haltung steht jedoch der in Teilen der niederländischen Bevölkerung herrschende Unmut wegen der Flüchtlingsunterbringung gegenüber.

GESELLSCHAFT: Transgender-Frau gewinnt Holland’s Next Top Model-Show

Die 20-jährige Loiza Lamers hat am Montag den ersten Platz bei der Fernsehshow Holland’s Next Top Model gemacht. Das Besondere hieran: zum ersten Mal gewann eine transgeschlechtliche Kandidatin den weltweit erfolgreichen Model-Wettbewerb. „Das gefällt uns sehr gut: Loiza hat heute Abend Holland’s Next Top Model gewonnen. Sie ist damit die erste Transfrau, die eine Topmodel-Show gewinnt. Weltweit“, freute sich COC Nederland, die Interessenvertretung für Homosexuelle, Bisexuelle und Transgender in den Niederlanden, auf Facebook.

STUDIE: Deutsch-niederländischer Exportmarkt hat noch Luft nach oben

Deutschland und die Niederlande könnten ihre Exporte ins jeweilige Nachbarland im kommenden Jahr um 5,8 Milliarden Euro beziehungsweise 4,8 Milliarden Euro steigern. Zu diesem Resultat kommen der Kreditversicherer Euler Hermes und die Deutsch-Niederländische Handelskammer in einer gemeinsamen Studie. Das größte Potenzial für niederländische Exporteure sehen die Volkswirte im deutschen Bio-Lebensmittelmarkt.

FLÜCHTLINGE: Niederlande warnen Asylbewerber vor zu hohen Erwartungen

Schlichte Massenunterkünfte, lange Wartezeiten im Asylverfahren, kein Familiennachzug bis man eine Aufenthaltsgenehmigung hat – Dieses ernüchternde Bild zeichnete der für Asylfragen zuständige Staatssekretär Klaas Dijkhoff in einem offenen Brief an Asylsuchende vergangene Woche. „Die Niederlande haben inzwischen zu wenige Plätze für Asylbewerber in normalen Unterkünften. Es erwartet Sie jetzt eine schlichte Unterkunft, zum Beispiel in Turnhallen oder Zelten, wo viele Menschen im selben Raum schlafen.“

EU: Starbucks-Urteil überrascht niederländisches Kabinett

Der niederländische Staat hat dem multinationalen Unternehmen Starbucks illegale Steuervorteile verschafft, so das Urteil der EU-Kommission am Mittwoch. Das niederländische Kabinett erklärte in einer ersten Reaktion, man sei „überrascht“ über den Beschluss aus Brüssel. Der Vorwurf soll nun untersucht und das Parlament in wenigen Wochen über die nächsten Schritte unterrichtet werden.

MONARCHIE: Oranier sind teuerste Königsfamilie Europas

„Unser Königshaus ist das teuerste Europas!“, behauptete der niederländische Parlamentarier Alexander Pechthold (D66) vergangenen Mittwoch während der hitzigen Haushaltsdebatte in Den Haag. Hintergrund seiner Aussage ist die geplante Steigerung der Ausgaben für die Oranjes um eine halbe Million Euro auf insgesamt 40,6 Millionen Euro.

Politik: Fünf Jahre Niederlande unter Premier Mark Rutte

Ein toller Typ, sei er, unermüdlich, unbeschwert, ein Netzwerker, ein Mann, der nicht älter zu werden scheint, sagen die einen. Ein unnahbarer Mann ohne Visionen und ohne Ideale, ein aalglatter Kerl, der Probleme einfach nur weglacht, sagen die anderen. Mark Rutte ist seit fünf Jahren niederländischer Premier: Zeit für eine Evaluation.

KOMMUNIKATION: Den Niederlanden gehen die Handynummern aus

Die sogenannten 06-Nummern gehen aus: von den 60 Millionen zur Verfügung stehenden niederländischen Handynummern sind bereits 54,5 Millionen in Benutzung. Und der Bedarf wächst weiter, berichteten vergangene Woche unter anderem het Algemeen Dagblad und de Volkskrant unter Berufung auf die zuständige Behörde Autoriteit Consument en Markt.

ASYL: Niederländischer Blick auf deutsche Flüchtlingspolitik

„Merkel verdient Lob!“, kommentierte die niederländische Tageszeitung NRC Handelsblad noch Anfang September die deutsche Flüchtlingspolitik, die „nachahmenswert“ sei. Nun, anderthalb Monate später dominieren kritische Stimmen die niederländischen Medien: Merkel werde von der eigenen Parteibasis kritisiert, das „deutsche Sommermärchen“ sei bereits vorbei, und neben praktischen Problemen der Flüchtlingsunterbringung sehe sich Deutschland mit einer Zunahme an Demonstrationen und Gewalt gegen Flüchtlinge konfrontiert.

WIRTSCHAFT: Überraschend positive Entwicklung für niederländischen Wohnungsmarkt

Der positive Trend auf dem niederländischen Wohnungsmarkt setzt sich fort. Das gab die niederländische Maklervereinigung NVM vergangenen Donnerstag bekannt. Das vergangene Sommerquartal sei für Makler überraschenderweise das beste Quartal seit acht Jahren gewesen. In den vorherigen Jahren waren die Preise für Häuser und Wohnungen abgestürzt, woraufhin der niederländische Wohnungsmarkt zum Stillstand gekommen war. Seit dem Tiefpunkt der Krise 2013 sind die Preise für leerstehende Häuser jetzt aber wieder um circa acht Prozent gestiegen.

POLITIK: Reaktionen auf MH17-Endbericht

„Der Absturz von Flug MH17 am 17. Juli 2014 wurde durch die Explosion eines 9N314M-Raketenkopfes verursacht, welcher von einem Buk-Flugabwehrraketensystem im Osten der Ukraine abgefeuert wurde“ teilte der Onderzoeksraad voor Veiligheid (OVV, dt: Untersuchungsrat für Sicherheit) in seinem am Dienstag vorgestellten Endbericht mit. „Die Emotionen, hieraus schnelle Schlüsse zu ziehen, verstehe ich, doch das darf einer strafrechtlichen Ermittlung nicht im Weg stehen“, sagte Premier Mark Rutte. „Von den Niederlanden darf als Ermittlungsleitung besondere Zurückhaltung erwartet werden.“

ASYL: Flüchtlingsfrage spaltet Niederlande

Während Sozialminister und Vizepremier Lodewijk Asscher (PvdA) anerkannten Asylbewerbern schneller zu einer Arbeitserlaubnis verhelfen will, fordert VVD-Fraktionsvorsitzender Halbe Zijlstra, die Rechte dieser Gruppe stark einzuschränken, um die Niederlande für Flüchtlinge unattraktiver zu machen. Genauso gespalten wie die Koalitionsparteien zeigt sich die niederländische Bevölkerung selbst, wie jüngste Umfragen verdeutlichen.

GESELLSCHAFT: Erste PEGIDA-Demonstration in den Niederlanden

Die rechtspopulistische Organisation PEGIDA aus Deutschland hat einen niederländischen Ableger: PEGIDA Nederland. Vergangenen Sonntag demonstrierte die Anti-Islam Bewegung nun zum ersten Mal in Utrecht. Tumultartige Szenen konnten nur durch ein Eingreifen der in großen Zahlen angerückten Polizei aufgelöst werden. Schätzungsweise zehn Demonstranten wurden in Gewahrsam genommen.

KULTUR: Deutsches Oktoberfest erobert Niederlande

Unter der Überschrift „Wunderbar! Oktoberfest erobert die Niederlande“ widmete sich die niederländische Tageszeitung de Volkskrant am Montag dem Phänomen, dass das traditionelle bayerische Oktoberfest in den Niederlanden seit ein paar Jahren sehr in Mode ist. „Jahrzehnte lang wollten viele Niederländer nichts mit Deutschland zu tun haben, doch in den letzten Jahren haben immer mehr Leute Spaß an Bier, Wurst, Brezeln und Schlagern von Heino“, schreibt Journalistin An-Sofie Kesteleyn.

UMWELT: Energiewende in den Niederlanden langsamer als geplant

Die Niederlande werden die Ziele, die sie sich im sogenannten Energieakkord 2013 selbst auferlegt haben, nicht einhalten können. Die Umstellung auf nachhaltige Energiequellen geht langsamer als geplant. Das meldete am Donnerstag die niederländische Rundfunkorganisation NOS unter Berufung auf den noch nicht publizierten Jahresbericht Nationale Energieverkenning des Energieonderzoek Centrum Nederland.

ASYL: Wie gehen die Niederlande mit der Flüchtlingskrise um?

„Deutschland steuert einer Katastrophe entgegen.“ So steht es in einem Kommentar in de Volkskrant, mit dem Titel „Die Wahrheit hinter der Willkommenskultur“, der die Schattenseiten des Asylzustroms in Deutschland beleuchten will. In Deutschland seien die Kapazitäten langsam erschöpft und einige Teile der Bevölkerung seien, nach der anfänglichen Euphorie, mit ihrer Geduld bereits am Ende. Mit ähnlichen Problemen sehen sich die Niederlande selbst konfrontiert. Ein Überblick über den Umgang mit dem Flüchtlingsstrom im Nachbarland.

SOZIALES: Neues Rechenmodell für Sozialleistungen ärgert niederländische Gemeinden

Große niederländische Städte wie Amsterdam oder Utrecht müssen im kommenden Jahr mit einem Haushaltsdefizit in Millionenhöhe rechnen, da der niederländische Staat einen neuen Berechnungsschlüssel für Sozialhilfeleistungen beschlossen hat. Durch die Neuverteilung verliert Amsterdam 25 Millionen Euro (4,6 Prozent) seines Budgets, rechnete die Tageszeitung de Volkskrant aus. „Für manche Gemeinden ist es nicht angenehm, doch bei einem neuen Verteilmodell gibt es nun einmal immer Gewinner und Verlierer“, erklärte Jetta Klijnsma, Staatssekretärin für Soziales am Montag gegenüber dem NRC Handelsblad.

LITERATUR: Niederlande und Flandern präsentieren Pläne für Frankfurter Buchmesse 2016

Be moved“ – „Dit is wat we delen“ – „Denn das Meer ist meine Seele“. So lauten die Mottos oder Taglines, mit denen sich die Niederlande und Flandern gemeinsam auf der Frankfurter Buchmesse 2016 präsentieren werden. „Der Ausgangspunkt für alles ist die Nordsee, die Flandern, die Niederlande und Deutschland miteinander verbindet“, so der künstlerische Intendant Bart Moeyaert in der Pressemitteilung der Gastländer.