Nachrichten November 2015


FUSSBALL: „Wir lassen uns nicht vom Terror einschüchtern“

Berlin/Den Haag/Paris. SW/VK/DFB/KNVB/Rijksoverheid. 17. November 2015.

Der Fußballklassiker Deutschland gegen die Niederlande am Dienstagabend findet wie geplant statt. Nach den Anschlägen in Paris am vergangenen Freitag wolle man sich nicht verstecken, sagte der Vize-Präsident des Deutschen Fußball-Bunds Reinhard Rauball: „Die Botschaft ist klar: Wir lassen uns nicht vom Terror einschüchtern. Dass die Mannschaft wenige Tage nach den schlimmen Erfahrungen beim Länderspiel in Paris wie geplant gegen die Niederlande aufläuft, ist ein gebotenes Zeichen.“

Nach den Anschlägen in Paris in der vergangenen Woche war es kurzzeitig unklar, ob das Testspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden am Dienstag verschoben oder entfallen würde. Doch der DFB gab am vergangenen Sonntag, nach intensiven internen Beratungen, bekannt, dass das deutsch-niederländische Spiel wie geplant pünktlich um 20:45 Uhr in Hannover angepfiffen werde. Man wolle jedoch einen den Umständen angemessenen Abend, deshalb werden beide Mannschaften mit Trauerflor auflaufen und vor dem Anpfiff werde es eine Schweigeminute geben, um der Opfer der Anschläge in Paris zu gedenken. Auch Bundeskanzlerin Merkel und mehrere Minister haben zugesagt, bei dem Fußballspiel anwesend zu sein. Seitens der Niederlande wird die Ministerin für Sport Edit Schippers nach Hannover kommen, der niederländische Premier Mark Rutte wird nicht bei dem Spiel anwesend sein.

Mit der Entscheidung will der DFB ein Zeichen gegen den Terrorismus setzen und zeigen, dass Sport in schwierigen Zeiten als ein verbindendes Element wirken kann. Der Teammanager der deutschen Nationalmannschaft Oliver Bierhoff drückte es wie folgt aus: „Wir wollen als Mannschaft ein Zeichen der Gemeinschaft setzen. Mit dem französischen Volk, mit den Angehörigen der Opfer. Das gesamte Team  ̶  Spieler, Trainer und Betreuer   ̶  ist immer noch stark betroffen. Dennoch wissen alle, dass es wichtig ist, ein Zeichen zu setzen und sich als Nationalmannschaft für unsere Werte und Kultur einzusetzen. Unter diesen Gegebenheiten ist der sportliche Wert des Spiels gegen den Niederlande natürlich niedriger zu bewerten.“

Der niederländische Fußballbund KNVB ließ über einen Sprecher wissen, die Entscheidung des DFB zu unterstützen. Man habe den DFB wissen lassen, spielen zu wollen, um ein Zeichen gegen den Terror zu setzen. Dennoch habe man die Entscheidung gänzlich dem DFB überlassen. Dass dieses Spiel anders ist als andere Testspiele gibt auch der KNVB zu: „Dieser Wettkampf ist auf Grund der Anschläge in Paris mehr als nur ein internationales Fußballspiel. Wir werden zeigen, dass wir mit unserer freien Lebensart weitermachen.“

Hintergrund der Diskussion war die Anschlagsserie in Paris am vergangenen Freitag. Bei einem der Anschläge hatten drei bislang Unbekannte in der Nähe des Stadions Stade de France Sprengsätze gezündet. Laut Medienberichten hatte einer der drei Attentäter ein Ticket für das Spiel zwischen Deutschland und Frankreich und versuchte zirka 15 Minuten nach Anpfiff das Stadion zu betreten. Einer Ordnungskraft war jedoch der Sprengstoffgürtel aufgefallen und hatte dem Mann deshalb den Zutritt zum Stadion verweigert. Wenige Momente später sprengte der Attentäter sich unweit des Stadions in die Luft. Die Detonation war bis ins Stadion zu hören. Aus Vorsorge wurde die deutsche Mannschaft angehalten, das Stadion nicht zu verlassen und war gezwungen die Nacht in den Umkleidekabinen zu verbringen. Tags zuvor war bereits das Mannschaftshotel in Paris nach einer Bombenmeldung evakuiert worden.

Dem deutsch-niederländischen Testspiel war bis zu den Anschlägen in Paris von vielen Seiten noch entgegengefiebert worden, mit allen traditionellen Rivalitäten und Witzen, die dazu gehören. So hatte die deutsche Warenhauskette Karstadt ein ganz besonderes Angebot für niederländische Fans: 74 Niederländer könnten das deutsche Trikot zum Freundschaftspreis von 20,16 Euro erwerben. Dies soll ein zweifacher Seitenhieb sein: zum einen auf das durch die Niederlande verlorene WM-Finale 1974 und um anderen auf das Ausscheiden der Niederlande in der EM-Qualifikationsphase vor einigen Wochen.

Mehr erfahren Sie auch in unserem Dossier Deutsch-Niederländische Fußballrivalitäten